Ausgabe 
28 (22.11.1868) 47
 
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Kaiser durchaus ergeben, aber ein entschiedener Feind von Miramon, dem er mißtraut^und von dem er behauptete, daß er sich wenig um Kaiser und Kaiserreich kümmere,sondern nur ehrgeizige persönliche Zwecke verfolge; eine Ansicht, die ziemlich allgemeinwar, die aber bei Mendez vielleicht noch durch Eifersucht verstärkt werden mochte."Miramon und Meji'a wurden später mit Maximilian zusammen erschossen; Mendez hattedasselbe Geschick schon einige Tage vorher getroffen. Zur Zeit als Prinz Salm in kaiser-liche Dienste trat, war der Rückzug der Fianzosen nahe bevorstehend. Der Prinz erzähltuns ihren AuSmarsch aus der Stadt Mexiko recht anschaulich.So kam der 6. Februar1867 heran, der Tag, an welchem die Franzosen für immer Mexiko verlosten sollten.Es war einer jener klaren wunderschönen mexikanischen Morgen. Die ganze Bevölkerungder Hauptstadt war auf der Straße und in freudiger Aufregung: der Abzug der Fran-zo en war für alle ein freudiges Ercigniß, denn sie hatten sich bei allen Parteien ver-haßt gemacht. Das Benehmen des Marschalls Bazaine brauche ich nicht zu charakterisiern;eS ist in vielen Schriften gewürdigt worden. Er mochte nach seinen Instruktionen gehan-delt haben; allein er that es nicht nur in einer ihm eigenthümlichen brutalen Weise, son-dern überschritt dieselben wahrscheinlich in manchen Punkten, je nachdem es seinem grenzen-losen Ehrgeiz und seiner Geldgier*) paßte. Die französischen Offiziere ahmten demMarschall nach, und ihre Anmaßlichkeit und Habgier überschritt alle Begriffe. Waskümmerte sie Maximilian, oder die vorgeschützten zivilisatorischen Absichten ihres Kaisers!Sie verachteten die Mexikaner mit französischer Anmaßung, raubten so viel sie immerkonnten, und beleidigten gröblich die Bewohner von Mexiko bei jeder Gelegenheit. Herrr»auf dem Trottoir, die ihnen nicht schnell genug aus dem Wege gingen, stießen sie aufdas Pflaster hinunter, und Damen, die sich auf die Straße wagten, waren vor ihrergemeinen Zudringlichkeit nicht sicher. Die mexikanischen Offiziere zogen es vor, meist inZivil zu gehen, da sie ihre Uniformen nicht der Beschimpfung aussetzen wollten, daßihre Begrüßung von den Franzosen nicht erwidert wurde. Die mexikanischen schwarz-äugigen Damen, den Rebozo (Schlciermchitille) leicht und kokett über Kopf und linkeSchulter geworfen, füllten schon frühzeitig die zahlreichen Balköne. Der Ausmarsch began«um » Uhr. Kein freundlicher Zuruf, kein Äbschiedözeichen grüßte die verhaßten Bedrücker,und die Damen sahen unbeweglich und mit verächtlichem Lächeln auf die rechts und linksumher kokettirenden Offiziere hinab. Das Volk herhielt sich durchaus still. Der Kaisertrat nicht aus Fenster: doch konnte er sich nicht v^agen, hinter der Gardine hervor, de»letzten Blick auf die Truppen seines treulosen Verbündeten zu werfen. Die Citadellewurde erst am ander« Tage geräumt, damit die Besatzrtng Zeit hatte, vierzig dort stehendeKanonen unbrauchbar zu machen, und die Munition in's Master zu werfen. Sechs ge-zogene Geschütze und viertausend Granaten wurden sorgfältig begraben, damit die Liberale»sie sinken sollten; allein es wurde »errathen, und sie kamen in unsere Hände. DaßMarschall Bazaine dem General Porsiirio Dia; anbot, ihm die Stadt Mexiko zu über-liefern kann ich in so weit bestätigen, als es mir von dem General selbst im November1867 mitgetheilt wurde. Porfirio Diaz hatte das ehrlose Unternehmen abgelehnt, iude«er sagte, er hoffe die Stadt wohl selbst nehmen zu tönnen."

(Fortsetzung folgt.)

Die Erdbeben in Süd-Amerika .

Die Bewohner der Westküste von Südamerika haben endlich die Beruhigung,glauben zu dürfen, daß die Erschütterungszeit nach mehr als andcrthalbnionatlichcr Das«

*) Er uud der französische Geschäftsträger Dano benützten die gute Gelegenheit, um sehrreiche Mexikanerinnen zu heirathen. Um sich die Mitgift für alle Fälle gehörig zu sicher»,trugen sie Sorge, ihre Gattiuen aus liberalen Familien zu wählen.