Ausgabe 
28 (22.11.1868) 47
 
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vorüber ist, und daß sie, früheren Beobachtungen vertrauend, nun einer längeren Reihevon Zähren entgegensehen können, in welchen der Boden fester stehen wird unter ihrenFüßen, und, was wichtiger ist, unter ihren Häusern. Der dreizehnte August brachteallerdings den ersten heftigen Stoß ; doch war die Erde schon im Anfange jenes Monatsin bemerkbarer Erregung; die letzten Schwankungen verspürte man am 21. September,feit welchem Tage Ruhe eingetreten ist. Wenigstens in Petu; von Chili gilt auch dieobige Bemerkung, daß das Vertrauen zurückgekehrt sei, nicht ganz, indem man in diesemStaate, welcher im August fast ganz verschont blieb, nach den letzten Berichten die Vor-zeichen eines Erdbebens wahrzunehmen glaubte. Hoffentlich täuscht man sich. Von denAugust-Ereignissen erzählt ein Brief des Herrn Vicrau aus Lima , den Professor Doveder Ocffentlichkeit übergeben hat. Die große Mehrzahl der in demselben berichtetenThatsachen sind unseren Lesern längst bekannte Dinge. Als neu heben wir hervor, daß,während die gewaltigste Erschütterung in Peru am 13ten, in Ecuador aui löten und16ten stattfand, das westliche Bolivien am 19. August, einem Tage, der in Peru ziem-lich ruhig vorüberging, einen heftigen Stoß erlitt. Die Stadt Cosavilla ward gänzlichzerstört, eben so das Städtchen Curaguara de Carangas, südlich vom Titicaca-See .Auch wird von Bergstürzen erzählt. Erwühnenswcrth ist eine Beobachtung an denKüsten Pcru's:Dös nordamerikanische Kriegs - DampfschiffPowhatan" brachte am27. August die NaMlcht, daß die Tiefe des Meeresgrundes in Folge des ErdbebensVom 13ren an sämmtlichen jetzt gemessenen Stellen ganz bedeutend abgenommen habe;auf der Höhe von Sama fand mau durchschnittlich nur 6 7 Faden, wo stets 30 bis40 Faden Tiefe gewesen waren. Weitere Messungen und deren Resultate an anderenOrten dieser Küste des Stillen Oceans sind noch abzuwarten, es sollen mit Nächstemvon der Regierung von Peru zwei Commissionen entsandt werden, die eine zur Unter-suchung der durch die Erdbeben vom 13. August bis 4. September hervorgebrachtenUmgestaltungen auf dem Lande und besonders im Innern von Peru und Bolivia, unddie andere zur Bestimmung etwa weiterer Veränderungen des Mecrgrundes längs derecuadorischen, peruanischen und chilenischen Küsten." Nach amtlichen Berichten, welche am26. August aus verschiedenen Theilen der ecuadorischen Provinz Jmbaburu nach Quito gesandt worden sind, waren die Cantonc Otavalo, Cotacachi und Zbarra wie von derOberfläche verschwunden; vom Canton Zbarra existirt nur noch ein Kirchdorf, Pimam-piro, in der östlichen Cordillcre. Die Verwüstungen reichen bis an die Grenze vonNeugranada, westlich vom Berge Cotacachi bis zu dem Orte Sau Lorenzo de Palacara,östlich bis Sau Pablo, welche in Ruinen liegt. Man glaubt, mit Sicherheit annehmenzu können, daß diese große Katastrophe von einem der niedrigsten Seitenkrater des großenCatacachi (auch Muyusurco genannt) ausgegangen sei; dieser Schlund ist in der Hacicndavon Ocampo gelegen. Der ganze Rest der Bewohner von Zbarra, die sich haben rettenkönnen, liegt in Caranqui in jämmerlichem Zustande, obschon Zbarra nicht so viel gelittenhat, als die Cantone von Otavalo und Cotacachi . Viele große patiicische Familien sindgänzlich ausgestorben, wir haben keinen Begriff, wie hoch sich die Anzahl der Todtenversteigt. Der ganze Weg zwischen Otavalo und Zbarra ist mit Ruinen und Leichenbesäet, außerordentlich viele Nisse des Erdreichs und große Strecken des Landes sind tiefeingesunken, aber weit mehr noch, als hier, ist dies der Fall längs des westlichen Gebirgs-zuges von Majanda bis Sän Lorenzo; unterhalb der Abhänge des Cuicocha, außerungeheuren Massen des herabgestürzten Geröllcs, befinden sich neue große Niste undSpalten, auch die alten haben sich erweitert. Die Wege sind völlig ungangbar Schreck-liche Lawinen von Felsen und Geröllen sind von der Höhe des Cotacachi herabgckommen.Aus dem Berge Jmbaburu brach eine Art Strom hervor, aus lauter Schlamm bestehend,welcher sämmtliche Felder mit Morast überschwemmt hat, fast alles Vieh ist dort umge-kommen; später folgte noch eine Ucberschwemmung Seitens des Flusses, welche bis heutefortschreitet. Zu Ocampo ergoß sich eine Masse bituminösen Schlammes. AuS den