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drohte, der einen Anderen herausfordere, gleichviel ob da» Zusammentreffen stattfinde oder '
Nicht. General Saß und Fürst Dolgorucki fanden nichts desto weniger ein Mittel, ihreverwundete Ehre herzustellen. „Wir dürfen uns nicht schlagen, Fürst," sagte der General,„aber wir wollen uns auf jene Brüstung stellen, gegen die der Feind sein Feuer richtet,
«nd dort so lange stehen bleiben, bis einer von uns getroffen wird." Diese scharfsinnigeAuskunft wurde angenommen, und Beide begaben sich an die bezeichnete Stelle. Im -iAngesicht ihrer und der schwedischen Armee standen sie aufrecht da, mit einer Hand auf !der Hüfte, und blickten sich wüthend an, bis der Fürst von einer Kanonenkugel in zwei j
Stücke zerrissen wurde. Dieses Verfahren war wenigstens ehrlich, und ehrlich war auch
der Apotheker, welcher seinem Gegner vorschlug, sich auf Pillen zu duelliren; einer mußtesterben, denn die eine Pille war vergiftet. Unehrlich war der Barbier, der sich mit einemKrämer auf Rasirmesser schlug und natürlich siegte. Er war ebenso im Vortheil, wi»der geübte Schütze über den Neuling.
Es läßt sich nicht leugnen, daß Duelle zuweilen, wenn auch unabsichtlich, wohlthä-tige Folgen haben. In einem Duell bei Paris zwischen zwei unerfahrenen Personenwurde nach den beiden gleichzeitigen Schüssen ein lauter Schrei gehört. Die Duellantenwaren unverletzt, aber einer hatte einen Wucherer erschossen, der auf der Straße vorüber-ging. In dem berühmten Duell zwischen Picrrot und Ärlequin feuerten Beide zugleich .
und Jeder tödtcte den Sekundanten seines Gegners. Die Idee war vortrefflich, denn in >
neun Fällen unter zehn sind cS die Sekundanten, welche die Duelle verursachen oder siewenigstens nicht nachdrücklich zu verhindern suchen. Ein Herr, der mehr als einmal einer >
Pistolcnmündung auf zwanzig Schritte gegenüber gestanden hatte, sagte: „Wenn die Se-kundanten nur halb so dagegen wären, daß ihre Freunde auf einander schießen, als dieseFreunde selbst sind, so hätten wir nicht viele Duelle, und wenn sie nur halb so dagegenwären, ihre Freunde fechten zu sehen, als selbst zu fechten, — dann hätten wir noch jweniger Duelle. !
In alten Zeiten würde dieseb Spott ein unverdienter gewesen sein, denn damalswar es ganz gewöhnlich, daß auch die Sekundanten sich schlugen, so daß jedes Duell >
ein Kampf zu Vieren war. Dadurch erklärt sich die folgende Anekdote. Ein Edelmann, j
der eine Herausforderung erhalten hatte, bat einen Freund, sein Sekundant zu sein. —„Mein Theuerster," antwortete der Letztere, „ich habe in voriger Nacht fünfzehnhundertGuincen gewonnen und würd« heute Morgen beim Kampfe eine traurige Figur spielen.Wenn Sie aber zu dem Herrn gehen wollen, dem ich sie abgenommen habe und dernicht einen Pfennig mehr besitzt, so zweifle ich nicht, daß er sich wie eine wilde Katzeschlagen wird."
Zuweilen waren die Bedingungen so, daß Sekundanten unmöglich wurden. Sowurden einmal zwei französische Edelleute in eine Miethskutsche gesetzt und ihre linkenHände zusammengebunden. Jeder hatte in der rechten Hand einen Dolch, und konntebeliebigen Gebrauch davon machen, während der Wagen zweimal um den Platz fuhr.
Auch in dem Falle, wo zwei Engländer in ein Oxhoft krochen und sich mit Messernbearbeiteten, würden sich wohl keine Sekundanten gefunden haben, welche mit von derGesellschaft gewesen wären. Im Allgemeinen war es aber höchst gefährlich, ohne Sekun-danten zu kämpfen, weil den Ueberlebcndcn der Verdacht traf, schlechtes Spiel gespielt zuhaben. Major Campbell wurde gehängt, weil er den Hauptmann Boyd von demselbenRegiment in einem Zimmer neben dem Eßsaal erschossen hatte. Beide Pistolen warenabgefeuert worden, aber man hatte Boyd vor seinem Tode sagen hören: „Campbell,
Sie überstürzten die Sache. Sie wissen, daß ich warten und Freunde zuziehen wollte."
Diese Worte waren Campbell's Todesurthcil.
In Frankreich und Nordamerika sind Duelle noch am häufigsten. Die französischen Journalisten werden wegen ihrer Aeußerungen häufig zur Rechenschaft gezogen, undNamentlich in der letzten Zeit sind eine Menge Duelle daraus hervorgegangen. I»