Amerika haben die Duelle fast immer einen schlimmen AuSgang. Mag nun das Duel-liren für aristokratisch oder republikanisch gelten, genug, rS steht in großer Gunst. Ver-gebens haben einige Staaten, um der Unsitte ein Ende zu machen, festgestellt, daß derNeberlcbcnde in allen Fällen die Schulden seines Opfers bezahlen muß. Die Duellantengehen über die Grenze und schlagen sich in einem andern Staate. Eines der wildeste»Duelle kam vor etwa dreißig Jahren in der Nähe von Philadelphia zwischen Dr. Smithund vr. JeffrieS vor. Die Entfernung betrug blo» acht Schritt, aber die ersten Schaffesielen, ohne daß eine Verwundung vorkam. Die Sekundanten bemühten sich nun umeine Versöhnung, allein ohne Erfolg, da JeffrieS erklärte, daß nur einer von thue»lebend die Stelle verlassen dürfe. Man übergab ihnen die Pistolen zum zweiten Male,«nd als jetzt gefeuert wurde, zerschmetterte eine Kugel Smith's rechten Arm. Es entstanddadurch kein langer Aufenthalt, denn kaum war der Verwundete aus seiner Ohnmachterwacht, so erklärte er, da er den Arm verlieren müsse, so wolle er lieber sterben. —Die Pistolen wurden zum dritten Mal geladen, und Smith nahm seine Waffe in dielinke Hand. Bei diesem Kugclwcchsel wurde JeffrieS durch den Schenkel geschaffen undverlvr so viel Blut, daß er in Ohnmacht siel. Man mußte eine Pause von mehrere»Minuten machen, bi« er wieder zu sich kam, und nun verlangten Beide, daß die Ent-fernung verkürzt werde. Zum vierten Male stellten sie sich mit Blut bedeckt, in einerEntfernung von sechs Fuß auf. Sie schössen gleichzeitig u»d stürzten Beide zu Bodcu.Smith war auf der Stelle todt, denn die Kugel war ihm durch'- Herz gegangen. —JeffrieS war durch die Brust geschaffen und lebte noch vier Stunden.
Noch vor hundert Jahren schützte nicht einmal da» geistliche Kleid. Bäte, Heraus-geber der Morning-Post, machte seinem Titel eine- Mitglieds der streitenden Kirche Ehre,denn er schlug sich zwei Mal auf Degen und Pistole». Der Feldprcdigcr Hill wurdevon einem Obersten erschaffen. In jener Zeit erschienen Handbücher für Duellanten,welche guten Rath gaben. „Die beste Zeit," sagt eines derselben, .ist die Morgenstundeund zwar im Sommer die sechste, im Herbst und Frühling die siebente, im Winter dieachte. Ein vcrhcirathcter Mann wird eine späte Stunde wählen muffen, um seiner Fra»»nd seinen Kindern keine Unruhe zu machen. Wenn Jemand raucht, so soll er dieCigarre nicht ausgehen lasten Wird er verwundet, so muß er ruhig bleiben, und stirbter, so soll er mit so viel Anstand als möglich Abschied nehmen." Diese Regeln beobach-tete ein berühmter Duellant, al» er tödtlich verwundet wurde und beim Niederstürze»blas sagte: „Ich kann nicht begreifen, daß ich ihn nicht getroffen habe."
Zum Schluß unserer Geschichten noch eine Anekdote. Ein berühmter Mathematiker-iu Cambridge hörte, daß einer seiner Schüler sich schießen walle, und ließ den junge»Mann kommen. .Wcßhalb wollen Sie sich schlagen?" fragte der Mathematiker. „Weitrr gesagt hat, daß ich gelogen habe," antwortete der Student. .Sehr schön, dann lassen
Sie ihn i< beweisen. Beweist er e», dann haben Sie gelogen, beweist er e» nicht, dann
lügt er. Wcßhalb wollen Sie einander todtschicßen? Laste» Sie ihn e< beweise». —tzuuä «rat lj«.-n>o„ztr>in<jum.*
Die katholische Kirche hat gegen den barbarischen Unfug deS Duells die strengstenGebote, indem sie die Duellanten mit der Exkommunikation bestraft und demgemäß imDuell Gefallenen die kirchlichen Ehren verweigert. Die Kirche bewährt auch hicdurchihre civllifatorischc Mission und man hat Beispiele sogar aus der jüngsten Zeit, daß
Katholiken, welche den Geboten der Kirche treu sind, den Borurtheilcn der Welt zum
Trotz sich weigerten, ein Duell anzunehmen und lieber ihre Stellung aufgaben, wie jenepreußischen Offiziere, die Grafen von Kerffenbrock, deren Weigerung Niemand als Feig-heit betrachten konnte. Daß der Duellunfug trotzdem noch fortbesteht, zur Schandeunserer Bildung und Aufklärung, kommt daher, daß mau die Gebote der Kirche miß-achtet und von Seite des StaateS nicht mit gleich energische» Mitteln unterstützt.