Nr. 48 .
29. Novbr. 1868
Augsbur^er
Wenn gleich ein loses Maul mit Lästern auf dich tobet,
So frage nichts darnach, dir wirst dadurch geziert;
Man schätzt die Schmach nach dem, von dem sie hergerührt;Lobt mich ein guter Mann, so bin ich wohl gelobet.
Maximilian's Ende.
(Fortsetzung.)
Es ist unbestreitbar, daß die Franzosen die Absicht hatten, dem Kaiser das Ver-bleiben in Mexiko möglichst zu verleiden und für den Fall, daß er dennoch beharrte,dafür zu sorgen, daß er sich nicht lange halten könne. Der napoleonische Plan einesmexikanischen Kaiserthums war von Haus aus auf die Voraussetzung gebaut, daH dieamerikanische Rebellion siegreich sein werde. Prinz Salm geht ohne Zweifel zu weit,wenn er sagt, Napoleon habe eS mit der Gründung dieses Reiches gar nicht ernst ge-meint, und als Beweis dafür den Umstand anführt, daß andernfalls der französischeHerrscher die Conföderation der rebellischen Südstaaten kräftigst unterstützt haben würde.Napoleon that Dieß einfach deßhalb nicht, weil er das Wagniß zu kühn fand. AberRecht hat der Prinz darin, daß die Unternehmung der Franzosen mehr eine Finanz-Operation als eine politische That sein sollte. Napoleon wollte die mexikanische ProvinzSonora gewinnen, und die Männer in seiner Umgebung, Morny und seine Genossen,wollten ungeheure Summen in die Tasche stecken. Es war den Meisten, "vielleicht mitAusnahme Napoleon's und Maximilian's bekannt, daß die Spekulation auf die Millionender Iccker'schen Forderung der eigentliche Ausgangspunkt des mexikanischen Abenteuerswar. Wie der Beginn unwürdig, so der Fortgang schmachvoll. Maximilian mußte sichvon seinen französischen Helfern die ärgsten Demüthigungen gefallen lassen; MarschallBazaiue schrieb ihm unverschämte Briefe; die Franzosen mißhandelten auf's Aergste dieMexikaner der Kaiscrpartci und übten gegen die Republikaner die empörendste Grausam-keit. „Sie stahlen Alles, was sie nur konnten, und von den Anleihen flössen nur ncun-zehn Millionen in den Staatsschatz." Wohin die übrigen Millionen kamen, darüberhätten Morny, Rouher und andere Große des Bonapartismus wahrscheinlich gute Aus-kunft geben können. Jede Rücksicht schwand aber bis auf's Letzte, sobald der Sieg derVereinigten Staaten über die Rebellion den Franzosen eine ungesäumte Heimkehr auf-erlegt hatte. Maximilian's Krone sollte das Gepäck auf ihrem Rückzug bilden. Essollte ihm. klar gemacht werden, daß er ohne sie nichts sei. So weit ihre Wirksamkeitreichte, schnitten sie ihm nicht nur die Hilfsmittel ab, sondern bereiteten auch Alles zuseinem Verderben. Marschall Bazaine setzte jeder Organisation eines mexikanischen Heeresdie erdenklichsten Schwierigkeiten entgegen; die Franzosen , die in demselben Dienst ge-nommen hatten, bemühte er sich, zur Rückkehr in die Heimath zu verleiten, und wahr-scheinlich von ihm angetrieben, thaten die Vertreter Oesterreichs und Belgiens ähnlicheSchritte bei ihren Landsleuten. Die belgische Legion, bereits im Januar aufgelöst, hattedamals eine gezogene Batterie und ihre ausgezeichnet guten Gewehre dem französischen General Douai überliefern müssen, und Prinz Salm fand später diese Waffen in denHänden der feindlichen Truppen unter Porfirio Diaz wieder! Uebrigcns war es schonvor dem Erscheinen dieses Buches bekannte Sache, daß die Franzosen vor ihrem Abzugmit den Feinden Maximilian's unter Einer Decke spielten; sobald sie nicht mehr bleiben