378
konnten, erachtete Napoleon es für sein Interesse, der ganzen Kaiserposse ein Ende zumachen, damit sie ihm weiter leine Verlegenheiten schaffen könne. Als Maximilian vonseinen Beschützern befreit war, faßte er den Plan, mit dem größeren Theil seiner Truppennach den nördlichen Provinzen zu ziehen, um die feindlichen Abtheilungen einzeln zu ver-nichten. Der Plan war gut, allein er hätte mit entschlossenster Raschheit und Thatkraftausgeführt werden müssen. Statt Dessen zeigte sich unentschiedenes Schwanken undHaltlosigkeit. Man wählte zum Mittelpunkt der Operationen die höchst ungünstig gelegeneStadt Queretaro , ließ sich dort mehr und mehr vom Feind einschließen und aushungern,und benutzte keine der günstigen Gelegenheiten, sich entweder nach Mexiko zurück oder andie Meeresküste durchzuschlagen; ja man versäumte sogar die Besetzung der Höhen umher,die die Stadt beherrschten. Ein europäisches Heer hätte Queretaro in drei Tagen ge-nommen; die Mexikaner unter General Escobedo brauchten dazu drei Monate und dieBeihilfe des Vcrraths. Maximilian war seit dem Tage, da er aus der Hauptstadt ge-zogen, von Denen, die er zurückgelassen, bereits gänzlich aufgegeben. Seine hingesendetenBefehle wurden nicht mehr beachtet; er verlangte, die in Mexiko zurückgebliebenen Truppensollten ihm nachfolgen, seine Minister untersagten es. Er halte Marquez als seinenStellvertreter hingesendet, und auch dieser, trotz seinem feierlich gegebenen Ehrenworte,schickte weder Truppen noch Geld; ja er verschmähte es sogar, dem Kaiser auch nur diegeringste Mittheilung zukommen zu lasten, und benahm sich überhaupt so, als sei er vonnun an allein der Beherrscher von Mexiko . Maximilian hatte am 13. Februar 1867den Marsch nach Queretaro angetreten. Am Morgen des 5. Mai spielte der Verrathdes Obersten Lopez die Stadt dem feindlichen General Escobedo in die Hände, und derKaiser ward gesungen. In dieser langen Zeit von 12 Wochen war Fehler auf Fehlergehäuft worden. Mehr als ein siegreiches Gefecht mit den Truppen Escobedo's bot diebeste Gelegenheit, sich durchzuschlagen; aber sie ward nicht bcnützl, trotz dem dringendenMathe des Prinzen Salm. Und als Maximilian sich endlich zu dem unvermeidlichgewordenen Rückzug entschloß, verschob er ihn nicht nur von einem Tag zuni andern,sondern beging noch dazu den unverzeihlichen Fehler, seine Absicht nicht in das nothwendigeGeheimniß zu hüllen. So gab er selbst durch unzeitige Mittheilung des Vorhabensdem Vcrräther Lopez die Möglichkeit, ihn den Feinden zu verkaufen. Gegen die Zusageeiner bedeutenden Summe führte dieser persönlich am frühen Morgen die Feinde in denihm anvertrauten Posten, das auf einem Hügel gelegene Kloster de la Santa Cruz.Der Entgelt, der einem solchen Dienst gebührte, ward ihm vollständig von den Mexikanern;sie haben ihm von dem vcsprochencn Vcrrätherlohn nicht einen Pfennig gezahlt. Uebrigcnsweist Prinz Salm überzeugend nach, daß Lopez die Absicht hatte, wohl die Stadt,aber nicht den Kaiser dem Feinde zu überliefern; im Gegentheil wollte er ihm Zeit zurFlucht verschaffen. Gleich nach dem Eindringen der Republikaner schickte er seinen Mit-schuldigen Oberstlieutenant Zablonski zum Kaiser, um ihn von dem Erfolg der Feinde zubenachrichtigen; hierauf eilte er selbst zum Prinzen Salm und forderte ihn auf, denKaiser zu retten. Als sodann Maximilian mit dem Prinzen und drei andern Begleiternsein Quartier verließ, traf er sofort auf Lopez und den feindlichen Obersten Don JosöRincon Gallardo; dieser erkannte den Kaiser; allein er wandte sich an seine Soldatenund sagte Lus pssmn sen paisanos. (Können passiren, sind Bürger.) „Die Soldatentraten zur Seite, und wir gingen an ihnen vorbei, — der Kaiser, Castillo, Pradillound ich in voller Uniform und Sekretär Blasio! Der ganze Vorgang war so überraschendund auffallend, daß ich dem Kaiser erstaunt und fragend ins Gesicht sah. Er verstandmeinen Blick und sagte: „Sehen Sie, es schadet niemals, wenn man Gutes thut. DieMutter des feindlichen Offiziers, der uns passiren ließ, war sehr häufig bei der Kaiserin,die ihr viele Wohlthaten erwiesen hat. Thun Sie Gutes, Salm, wann immer Siekönnen. . . Gleich darauf kam Lopez zu Pferde und bewaffnet. Er drang in denKaiser, sich in das Haus des Bankiers Rubio zu begeben, dort werde er sicher sein;