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allein der Kaiser sagte: „Ich verstecke mich nicht", — und Lopez ritt wieder zurück.Plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, stand der Schecke des Kaisers an der Hand»seines mexikanischen Reitknechts vor uns, wie ich vermuthe, von Lopez selbst mitgebracht,der augenscheinlich nicht die Freiheit und das Leben des Kaisers in sein Verbrechen deSVerraths mit einschließen wollte. Während der Kaiser auf das Festungswerk Oorro ckstu Osmpana (Glockcnhügel!) flüchtete, traf Lopez noch einmal mit einem feindlichenBataillon auf ihn; allein als die Offiziere desselben den Kaiser sahen, verkürzten sieihren Schritt. So gelangte Maximilian unbehelligt auf den Hügel: allein da seinemeisten Truppen zum Feinde übergingen, und es ganz unmöglich war, mit dem schwachenNeste durch Escobedo's Heer zu brechen, so blieb ihm nichts übrig, als sich zu ergeben.Der letzte Akt des Trauerspiels ist noch frisch in Aller Gedächtniß.
Lopez hat am 31. Juli 1867 in Mexiko eine Flugschrift drucken lasten, um sichvon dem Vorwarf des Verraths zu reinigen. Es ist ihm Das aber sehr übel bekommen.Wenige Tage nach dem Erscheinen der Flugschrift veröffentlichten 41 Stabsoffiziere deSkaiserlichen Heeres aus ihren: Gefängniß in Morclia eine Entgegnung, die die vollständigenBeweise für den geübten Verrath brachte. Auch Prinz Salm, obschon im Gefängniß zuQucretaro und noch in Todesgefahr schwebend, unterließ nicht in einem Briefe vonr
4. Oktober 1867 dem schmählichen Menschen die Thatsachen vorzurücken, die Jeden vonseiner Schuld überzeugen mußten. Aus diesem Brief erfahren wir unter Anderem, daß.Lopez das Eindringen der Republikaner dazu benutzte, vor Allem das Archiv des Kaisersund dessen silberne Waschtoilctte zu stehlen. Maximilian's Charakter tritt in dem Buchedes Prinzen Salm auf das Günstigste hervor. Er war in der That eine wohlwollende,menschenfreundliche Natur, und hoch erhebt ihn die Ruhe, Milde, freundliche Gelassenheit,mit der er bis zum letzten Augenblick die Härte seines Geschickes trug. Er hatte sich inder kurzen Zeit seiner Herrschaft viele Liebe gewonnen, und selbst bei seinen Feinden er-warb er ungetrübte Hochachtung, die sich öfters bis zur Anhänglichkeit steigerte. Am
Morgen seiner Hinrichtung sagte ein mcxicanischer Oberst zum Prinzen Salm: „Ich
wollte, ich hätte Maximilian nie kennen gelernt! Ich war sein erbitterter Feind; aberdurch seine heitere, erhabene Ruhe im Unglück und durch seine Liebenswürdigkeit gewanner mich ganz. Als ich ihn so eben sah, brach mir das Herz, und ich schäme mich nicht,zu gestehen, daß ich in ein Nebenzimmer ging und weinte." Es waren eigentlich nurder Präsident Juarez und General Escobedo, die auf der Hinrichtung Maximilians be-standen; ersterer aus Gründen der Politik, der Letztere, weil Zwecke persönlichen Ehr-geizes ihn antrieben. Erst vor wenigen Monaten, als Miramon die Stadt Sän LuiSde Polosi, wo Juarez damals verweilte, überfiel und einnahm^ hatte Maximilian seinemGeneral befohlen, wenn er Juarez gefangen nehme, ihn mit aller möglichen Milde zn.behandeln. Mit Maximilian ließ der General Escobedo, wie bekannt, auch Miramonund Mejia zur Gesellschaft erschießen. Der Letztere hatte einmal in früheren ZeitenEscobedo gefangen genommen, aber, als diesen das Kriegsgericht zum Tod vcrurthcilte,ihm die Mittel zur Flucht verschafft und Reisegeld gegeben. Escobedo lohnte ihm jetztnach seiner Art. Die Freunde Maximilian's und deren waren nicht wenige, selbst imLager der Republikaner , hatten die Zeit zwischen seiner Gefangennahme und Hinrichtung,zu benutzen gesucht, um ihm zum Entkommen zu verhelfen. Aber die wohlangelegtenPlane mißlangen, und zwar durch die Schuld der diplomatischen Vertreter von Belgien und Oesterreich. Maximilian hatte, als er vor,s Kriegsgericht gestellt ward, von Mexicozwei Rechtsbeistände begehrt und auch die Gesandten und Geschäftsträger ersuchen lassen,sich in Querctaro eiiizufindcn. Die Anwälte kamen; von den diplomatischen Vertreternstellten sich die der beiden verwandten Höfe ein, also der belgische und der österreichische,Baron Lago, der preußische und italienische. Der französische Gesandte Dano bliebselbstverständlich aus. Baron Lago zeigte in seiner ganzen Wirksamkeit nichts, als einegrenzenlose Furcht vor dem Galgen. Der Prinz Salm und seine Gemahlin hatten die