Ausgabe 
28 (29.11.1868) 48
 
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mexikanischen Obersten Villanuova und PalacioS Letzterer führte den Befehl im Ge-fängniß gegen das Versprechen großer Geldsummen gewonnen. Der Kaiser stellteWechsel aus; allein PalacioS wollte wenigstens fünftausend Dollars baare Anzahlunghaben. Das Geld war nicht aufzutrcibcn; die Gesandten konnten oder wollten nichtsgeben. Nun sollten die Wechsel wenigstens von den Vertretern Oesterreichs und Belgiens mitunterzeichnet werden. Aber Herr v. Lago, der vorher es für unmöglich erklärt hatte,daß man den Kaiser erschieße, bekam jetzt Angst, dieses Schicksal möchte gar noch seinegeheiligte diplomatische Persönlichkeit treffen, und verweigerte die Unterzeichnung. Nochin derselben Nacht verrieth PalacioS dem General Escobedo den Plan, und Alles warvorüber. Der Prinz Salm erscheint in diesen Aufzeichnungen als eine tapfere, treueSoldatcnnatur. Als eine wahre Heldengestalt tritt seine Gattin hervor, eine Amerikanerinaus der großen Republik . Man muß in dem Buche ihres Gemahls und in ihrem eigenenAufzeichnungen lesen, welche Wagnisse sie unternahm, welche Gefahren sie kaltblütig be-stand, um den Kaiser und ihren Gatten zu retten. Bald reiste sie nach Mexico zuMarquez, bald nach Sän Luis zu Juarez , bald zu den republikanischen Generalen,mitten durch die Feinde, meist allein und ohne anderen Schutz, als den ihres eigenenMuthes. So eilte sie hin und her, versuchte Unterhandlungen anzuknüpfen, drängtedie feindlichen Häuptlinge mit fast unwiderstehlichen Bitten, mühte sich, unter den FeindenWerkzeuge für die Befreiung des Kaisers zu gewinnen. Hätte Maximilian ein halbDutzend Männer gehabt, wie die Prinzessin Salm, er hätte gewiß ein besseres undschöneres Ende gefunden.

(Fortsetzung folgt.)

Mongkut , Köuig von Siam.

Der Telegraph hat uns das Hinscheiden des ersten Königs von Siam gemeldet,und mit ihm ist jedenfalls der geistig am höchsten stehende, für abendländisches Wesenam meisten empfängliche Herrscher Asiens dahingegangen. War Mongkut auch der unbe-schränkte Gebieter, der über Leben und Tod seiner Siamcscn zu befehlen hatte, wie andereasiatische Despoten ebenfalls, blieben auch seinem Volke die Segnungen unserer Civilisa-tion fern, so herrschte doch an dem üppigen Hofe zu Bangkok neben orientalischer Prachtein reger Geist für die Wissenschaften, die in dem verstorbenen Fürsten einen eifrigenFörderer und Verehrer fanden. Kann man auch nicht behaupten, daß dem in einembudhistischcn Kloster aufgewachsenen Fürsten unsere Cultur ganz und gar zugängig ge-worden sei, blieb er, vermöge seiner asiatischen Abkunft und Umgebung, immer in einergewissen Halbheit stecken, so hat er es doch an redlichem Willen, an eisernem Fleiß nichtfehlen lassen. Wo wäre der europäische Fürst, der so viele Sprachen redete, wie derjetzt verstorbene erste König von Siam sprach? Die Zeit, als er Mönch war, hat ervortrefflich benutzt. Er studirte nicht nur das Pali und die hl. Schriften, sondern lernteauch von französischen Missionären Lateinisch. Seitdem liebte er es sich Uox Liainoii-sium zu unterzeichnen. Später gaben ihm amerikanische Glaubensboten Unterricht imEnglischen. Alle Sprachen Hintcrindicns, Cvchinchinesisch, Birmanisch, Peguanisch, Malayischund auch Hindostanisch, waren ihm geläufig.

Mongkut war am 18. Oct. 1804 geboren. Er war der Thronerbe als sein Vateri. I. 1825 starb, allein durch eine Weiberintrigue gelangte nicht er, sondern sein voneiner Nebenfrau stammender Halbbruder Kromkluat auf den Thron, der nun in echtorientalischer Ueppigkeit ein Viertcijahrhundcrt über Siam herrschte. Diese Zeit benutzteMongkut um in der Zurückgczogcnheit eines Klosters sich ganz den Wissenschaften hinzu-geben; er wurde buddhistischer Mönch, drang tief in die Lehren seiner Religion ein, undversuchte gegen Mißbräuche derselben informatorisch aufzutreten. Ganz verschieden vondem Fanatismus der sonst uns wohl iiu Orient entgegentritt, zeichnete ihn in religiösen

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