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Dingen eine milde Duldsamkeit aus, die er sich bis an das Ende seiner Tage bewahrte.Er liebte es mit christlichen Geistlichen zu verkehren, und mit ihnen über die Grundsätzeunserer Religion zu Philosophiren. Als ihn unser Landsmann, der Bremer Adolf Bastian ,i. I. 1862 besuchte, begann er mit diesem sogleich ein Gespräch über die verschiedenenFormen, welche der Buddhismus angenommen habe, dabei bemerkend, daß der nepalesischeGlaube an Adi-Buddha der christlichen Anschauung am nächsten komme. Neben theolog-ischen Studien, die durch eine große Bibliothek unterstützt wurden, pflegte er sich mitMusik zu beschäftigen; er spielte Klavier, und besaß ein Laboratorium mit Physikalischenund chemischen Instrumenten. Auch verstand er vortrefflich zu photographircn.
Aus dieser beschaulichen Zurückgezogenheit riß ihn das Jahr 1851. Er hatte eszu den höchsten geistlichen Würden gebracht und dachte nicht mehr daran, nochmals sichmit weltlichen Dingen befassen zu müssen. Da starb Kromkluat, der den Thron usurpirthatte und Mongkut wurde sein Nachfolger. Am 18. März 1851 nahm er die Titeleines Königs von Siam an, die hochtönender und zahlreicher sind als selbst diejenigendes Kaisers von Oesterreich. Als die gewöhnlichsten darunter erwähnen wir Phra MahaKrasat (der erhabene Herr und Kaiser); Maha Chakrophatiraxa (der mächtige Kaiser desdrehenden RadeS); Chao-Pendin (der Herr des Erdkreises); Phra-Chom-Klao-Ju-Hua(der heilige Scheitel, welcher gebietet); Chao xivit (der Herr des Lebens). Als Trägerder Krone übte er nun unbegränzte Vollgemalt aus, er wurde göttlich verehrt, und seineUmgebung rutschte nur auf den Knieen zu ihm hin. Was ihn umgab war heilig, so gutwie die Nase Sr. Majestät, die in der Paliform Phra-Nasa heißt. Alle von ihm ge-brauchten Gegenstände und die Möbel des Palastes empfingen vornehme Titel, selbst einwesentliches Toilettenstück des'Schlafgemachs Mo-Long-Phra-Bangkhom in ur>um imßsi»ciominu8 lrullöus!). In der Vielweiberei machte König Mongkut keine Ausnahme vonandern orientalischen Herrschern; außer zwei ihm rechtmäßig angetrauten Gattinnen(Akamahesi) besaß er noch 600 Concubinen. Anfangs noch der siamesischen Kleidungzugethan, liebte er es später sich in einer Art von gemischter Tracht zu zeigen. Ex trugeine schottische Mütze, Strümpfe und Pantoffeln, dazu einen Säbel und Stock mit golbcnemKnopf. Während seine Gemahlinnen Roben aus Paris bezogen, exercirlen seine Truppennach europäischer Weise, trugen die Garde-Amazonen — eine alte siamesische Einrichtung —-vollständige schottische Hochlandstracht mit Kilt, Purse und Bonnct.
Neben solchen Acußerlichkeiten, wohin wir auch die Porträte europäischer Potentaten,die den Palast des Königs zieren, rechnen müssen, suchte aber Mongkut das abenländischeWesen in der That zu erfassen, und daß es hierbei sich nicht um bloße Spielerei handelte,geht schon daraus hervor, daß er bis an das Ende seiner Tage den gelehrten Neigungentreu blieb. Die englischen Zeitungen las er regelmäßig, und seine Bibliothek, der einbesonderer Archivdirektor (Phra Alak) vorstand, wurde wirklich benutzt. Bastian sah inderselben Abzüge englisch abgefaßter Aktenstücke, die der König aus seiner Privatdruckcreizur Cocrectur dahin geschickt hatte. Jährlich wurde im Palast ein Staatskalcnder verfaßt,der ganz Siam mit den wichtigsten Ereignissen bekannt machte, und der Redakteur dieses„Almanaque de Bangkok" war niemand geringeres als Se. Majestät König Monkut.Er baute auch Canäle, Festungen, besaß europäische Schiffe und verkehrte gern im philo-sophischen Gespräch mit dem Vorstand der katholischen Mission, Bischof Paillcgoix. Alsdieser ausgezeichnete Mann, dem wir ein vortrefflliches Werk über Siam verdanken, undder auch die Correspondenz zwischen Mongkut und Pius IX. vermittelte, im Jahr 1862zu Bangkok starb, schrieb der König sofort einen Condolenzbricf an die Missionäre, inwelchem er bat zur Erhöhung der Leichenfeicrlichkeit seines verstorbenen Freundes beitragenzu dürfen „soviel die Bräuche der christlichen Religion dergleichen statthaft erscheinen lassen."Dankbar nahm man dieses Anerbieten an. Da der Begräbnißzng auf dem Menamstrome,der Hauptverkehrsstraße Bangkoks, sich bewegen mußte, so sandte Mongkut sein Palast-Dschunke zur Aufnahme der Leiche, ließ die königliche Flagge zum Trauerzeichen auf hal-