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den Mast hissen, und begab sich selbst in einem Dampfer auf den Strom, um demFreunde die letzte Ehre zu erweisen. Zum Andenken an diesen übersandten die Missionäredem König einen Ring, welchen der Verstorbene getragen. Charakteristisch für ihn istdas Schreiben mit welchem er für diese Gabe dankte. Es ist datirt vom 9. Juli 1862,und lautet: „Der hochwürdige Bischof von Mallos ist 28 Jahre lang mein guter, innigerund aufrichtiger Freund gewesen. Der Inhalt Ihres Schreibens und das Geschenk habenmir große Freude bereitet. Diesen geweihten Ring — ich habe ihn gleich wieder erkannt —trug der Selige als er mich zum erstenmal besuchte. Er trug ihn am Finger, wenn erden Segen sprach über das christliche Volk. Mit Vergnügen vernehme ich den Wunsch,welchen sie mir ausdrücken: daß dieses Erinnerungszeichen an meinen seligen Freund auchfür mich eine Quelle des Segens sein möge."
Mongkut gab hiemit einen Beweis der höchsten Duldsamkeit gegenüber dem Bischofeiner andern Kirche, wie er in ähnlicher Weise von den Beherrschern des Abendlandesuns nicht bekannt geworden ist. Auch die europäischen Kaufleute die sich in Bangkok niedergelassen haben, fanden in ihm einen eifrigen Beschützer. Zweimal schickte er Gesandt-schaften nach Europa, so 1857 nach London, 1861 nach Paris und Rom . Währendin Japan, China und andern Ländern Ostasiens die Europäer oft auf feindselige Ge-sinnungen stießen, ist ihnen in Siam niemals etwas in den Weg gelegt worden. Siekonnten unter Mongkuts Regierung Proselyten machen und Geld erwerben; auch hielter redlich die abgeschlossenen Verträge und gicng solche willig ein mit jeder europäischenMacht die bei ihm anklopfte. So 1860 mit dem Zollverein.
Bei alledem ist König Mongkut doch Siamese geblieben. Er wußte es selbst rechtgut, und hatte es auch zu wiedcrholtenmalen ausgesprochen, daß er in der Halbheit stecke.Die Zustände in Siam waren verwildert und ließen sich Kicht ohne weiters reformircu.Sein Bock konnte er nicht ändern, und die hergebrachte Ordnung durste nicht angetastetwerden. Die Sklaverei uud andere mißbräuchliche Einrichtungen blieben unter ihm nachwie vor. Aber Milde und Gerechtigkeit ließ er walten, soweit es der nothwendigeDespotismus ihm gestattete. Ohne die Verehrung deS weißen Elephanten, die für einenso gebildeten Mann allerdings sonderbar erscheint, ohne 600 Kebsweiber, ohne Prachtund Luxus würde er kein König von Siam gewesen sein. Er trennte daher den Gelehrte»von diesem und war ganz Europäer wenn er sich in sein im floren inischcn Styl erbautesSanssouci zurückzog, über welchem die Worte stehen: ko^al pleasure.
König Mongkut wird immer als eine hervorragende Erscheinung unter den Monarchendes Orients gelten müssen, und wir bedauern nur, daß sein Wirken nicht auch auf dasVolk von Einfluß werden konnte. (A. Z.)
Rothschild heißen und sterben, ist das nicht ein Jammer? fragt der Chronik-schreiber des „Gaulois." Rothschild ! Klingt Euch der Name nicht in's Ohr, wie dasRollen der Goldstücke auf dem Zahlbrctt? War es wohl der Mühe werth, mit Hilfevon Millionen einen Thron zu errichten, dessen Fuß an die höchsten Kronen reichte, diegrößten Könige zu Höflingen zu machen, der reichste Finanzmaun der Welt zu sein, umschließlich wie ein Bettler an Gicht und Gelbsucht zu sterben? Wozu also die Millionen?Hätte Herr v. Rothschild noch das Vergnügen, mich zu hören — kein Zweifel, mit demdeutschen Accent, der seine Worte so sehr charaktcrisirte (mit uns f»i8 —
hören Sie einmal! begann er fast regelmäßig) würde er mich unterbrechen: „Wozu dieMillionen? Nun, um neue daraus zu gewinnen."
Zeichnen wir einen Tag aus dem Leben des scchsundsicbenzigjährigcn Mannes:Um sieben Uhr Morgens, im Sommer wie im Winter, kam der Vorleser an sein Bettmit den Journalen. Die Kammcrberichtc im Mvnitcur wurden bis auf das letzte Wort