Nr. 4S.
6. Decbr. 1868.
Laß dich nur für kurze ZeitZum Widerspruch verleiten.
Weise fallen in Unwissenheit,
Wann sie mit Unwissenden streiten.
Maximilian's Ende.
(Fortsetzung.)
(Fragmente aus dem Tagebuche der Prinzessin Agnes zu Salm-Salm .)
(Wir möchten das kürzlich im Buchhandel erschienene zweibändige Werk: „Querctaro" desPrinzen Salm warm cmplehlen und die Aufmerksamkeit der Leser besonders auf die „Tag-buchblätter" der Prin z e s s i n Salm lenken. Indem wir nun das Interessanteste aus diesen„Tagbuchblättern" hier mittheilen, glauben wir sowohl dem Buche als auch unserem geehrtenLeserkreise gleichzeitig einen Dienst zu erweisen.)
Der Kaiser war von den Liberalen in Queretaro belagert und mein Mann war beiihm. Wir hatten seit langer Zeit nichts von ihnen gehört und die widersprechendstenGerüchte cirkulirtcn in Mexiko . Ich wohnte damals nicht in dieser Sladt selbst, sondernim Hause des frühern mexikanischen Generalkonsuls in Hamburg , Herrn Friedrich Hübe,in Tacubaya, ein freundlicher Ort, einige Meilen von der Hauptstadt, in welchem vielereiche Mexikaner Landhäuser besitzen.
Im März 18v7 hörten wir, daß General Marqucz mit 3000 Mann von Querc-taro angekommen sei und ganz Mexiko war in der höchsten Aufregung. Da ich sehr begierigwar, Nachrichten von meinem Manne zu erhalten, so bat ich Herrn Hübe, mich zuGeneral Marqucz zu begleiten.
Der General empfing mich sehr gnädig. Er war nun ein großer Mann und ge-fiel sich außerordentlich in dieser Rolle. Der Kaiser hatte ihn zu seinem Lugartenienteernannt und er benahm sich und sprach von dem Kaiser, als sei dieser gewissermaßensein Zögling und er selbst die Hauptperson in ganz Mexiko Mir gegenüber war erindessen sehr herablassend, und sein böses, braunes Gesicht legte sich in die freundlichstenFalten. Er hatte seinen Bart abgeschnitten, der sonst eine tiefe von einer Schußwundeherrührende Narbe in seiner Wange verdeckte, die ihn keineswegs verschönerte.
Von meinem Mann sprach der General übrigens in sehr anerkennender Weise. Ernannte ihn einen der bravsten Offiziere in Querctaro und erzählte mir, daß er sich erstkürzlich dadurch ausgezeichnet, daß er mit einer Hand voll Leute sechs Geschütze genommenhabe. Für dieses tapfere Benehmen habe er ihu dekorirt, und habe er ihn noch denTag vor seinem Abmarsch zum General ernannt.
Wir machten auch General Wdaurri einen Besuch, der mit Marqucz gekommenwar und welcher es bestätigte, daß Alles in Querctaro trefflich stände und der ebenfallsvon meinem Manne in den anerkennendsten wärmsten Ausdrücken sprach und sagte, daßer ihn wie seinen Sohn liebe.
Die guten Nachrichten von der Armee des Kaisers verursachten großen Jubel inMexiko , und Feste, Bälle und Feuerwerke jagten einander während der folgenden zehnTage, in denen sich Marqucz, wie er sagte, den Instruktionen des Kaisers gemäß vor-