Ausgabe 
28 (6.12.1868) 49
 
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bereitete, Porfcrio Diaz entgegen zu ziehen, der mit einer liberalen Armee gegen Pueblv «marschirte.

Die Vorbereitungen waren endlich vollendet und die kaiserlichen Truppen marschirteuvon Mexiko ab; es blieben zur Bewachung der Stadt nur einige mexikanische Truppenzurück, deren Anzahl so ungenügend war, daß sie den Feind nicht abhalten konnten, bisAber die Garitas hinaus sich der Stadt zu nähern. Kleine Scharmützel fanden täglich ^in und um Tacubaya statt.

Drei Tage nach dem Abmarsch der Armee verbreitete sich in Mexiko das Gerücht,daß Marqucz einen großen Sieg erfochten, Porfcrio Diaz vollständig geschlagen unddessen Armee zersprengt habe. Dies Gerücht hatte jedoch nicht lange Bestand, dennschon am nächsten Tage kam der kaiserliche Feldherr, nur von einem Dutzend Reiter be-gleitet, als Flüchtling in die Stadt, seiner geschlagenen Armee um zwölf Stundenvorauseilend. Er hatte am 8. April bei Sau Lorenzo eine schmähliche Niederlage erlittenund seine ganze Artillerie verloren.

Wäre Porfcrio Diaz im Stande gewesen, einigermaßen gleichen Schritt mit seinenvor ihm fliehenden Feinden zu halten, so würde er, ohne Widerstand zu finden, inMexiko haben einrücken können. Er erschien jedoch erst drei Tage später in der Näheder Stadt, als sich unsere demoralisirte Armee wieder einigermaßen von ihrem Schreckenerholt hatte.

Die Avantgarde der Liberalen zog bei unserm Hanse in Tacubaya vorüber und ichbewunderte ihre schönen Pferde und Uniformen, die sie meistens von unseren Truppenerbeutet hatten. Tacubaya und Chapultcpec wurden von den Liberalen ohne Widerstandbesetzt und die Vorbereitungen zur Belagerung von Mexiko begonnen.

In der folgenden Nacht träumte niir, daß ich meinen Mann dem Tode nahe sah.

Der Kaiser beugte sich über ihn, hielt seine Hand und sagte traurig:O, mein theurerFreund, Sie dürfen mich nicht allein lassen." Mein Mann rief laut meinen Namen; ^rings um ihn wurde gefochten und überall sah ich Blut und alle Schrecken einer Schlacht. ^

Derselbe Traum wiederholte sich in der nächsten Nacht. Ich sah meinen Mann

mit dem Tode ringen und hörte ihn meinen Namen rufen. Die Schlacht raste ringSum, Alles war in Finsterniß gehüllt und Blitze leuchteten dazwischen. Derselbe Traumwiederholte sich auch in der dritten Nacht und mein Mann rief lauter nach mir alsfrüher.

Tiefe dreimal wiederholten Träume machten mich um so unruhiger, als ich an

Träume glaube, und ich kam zu dem Entschluß, nach Mexiko zu gehen, um dort mit

dem preußischen Gesandten, Baron von Magnus, und den Befehlshabern der fremden s

Truppen zu berathen, ob nichts geschehen könne, den Kaiser und meinen Mann zu retten,die mir in der größten Gefahr zu sein schienen.

Als ich Herrn Hübe mittheilte, daß ich nach Mexiko gehen wolle, war er durchaus !

dagegen und ereiferte sich sehr. Er sagte, daß er Alles, was in seiner Macht stehe, ^

thun wolle, um mich von einer solchen Thorheit zurückzuhalten. Er sei für meine ^

Sicherheit verantwortlich; mein Mann habe mich ihm anvertraut und er werde nicht k

leiden, daß ich eine solche offenbare Unbesonnenheit begehe. ^

Herr und Frau Hübe hatten mich in ihrem gastfreien Hause mit der größten ^

Freundlichkeit empfangen und mich mit einer Liebe und Theilnahme behandelt, als sei s

ich ihre eigene Tochter; es that mir daher außerordentlich leid, irgend etwas zu thun,was ihnen so sehr mißfiel; allein es gibt Impulse, denen man eben nicht widerstehen !

kann, und gegen welche alle Vernunftgründe ohnmächtig sind. Es war mir, als ob ^

mich eine unwiderstehliche Gemalt antriebe, jder Stimme meines Herzens zu folgen, undich kam zu dem unwiderruflichen Entschluß, meinen Vorsatz unter allen Umständen auszu-führen, wenn ich auch für gut hielt, mir den Anschein zu geben, als ob Herrn Hube'sVorstellungen auf mich Eindruck gemacht hätten.