Ausgabe 
28 (6.12.1868) 49
 
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Sowohl er als Frau Hübe trauten dem Frieden aber keineswegs und da sie be-fürchteten, daß ich mich während der Nacht davon machen möchte, so wurde das äußereThor nicht allein wie gewöhnlich verschlossen, sondern Herr Hübe zog auch den Schlüsselab und nahm ihn mit in sein Schlafzimmer.

Das war allerdings ein Strich durch meine Rechnung; allein ich wußte, daß daSHaus Morgens sechs Uhr geöffnet wurde, um die auswärts schlafenden Stalllcute ein-zulassen und als dies wie gewöhnlich geschah, schlich ich mit meinem KammermädchenMargarethe und meinem treuen vierfüßigcn Begleiter Jimmy zum Thore hinaus. HerrHübe war jedoch auf der Lauer, trat Plötzlich hinter einer Ecke hervor und sagte ingroßer Erregung:Nun, Prinzessin?"Guten Morgen, Herr Hübe", antworteteich ganz kühl und ging den Weg nach dem Bahnhof.

Herr Hübe schlug jedoch eine nähere Staße ein und als ich auf dem Bahnhofankam, fand ich ihn bereits dort.Wohin wollen Sie?,, fragte er.Nach Mexiko ,natürlich, wie ich Ihnen gesagt habe,,, antwortete ich, ohne jedoch etwas von meinenTräumen und Absich cn zu erwähnen, über welche er nur gelacht haben würde.

Er stürmte nun aufs Neue mit Gründen und Vorstellungen gegen mich ein. Er

sagte, daß ich getödtct werden könne, oder mich anderen Gefahren unter den rohenSoldaten aussetze und erschöpfte zwei Stunden lang Alles, was ihm sein gesunderMenschenverstand eingab, mich von meinem Vorhaben abzubringen; allein es versteht sichvon selbst, daß er nicht den geringsten Eindruck auf mich machte, da ich einmal fest ent-schlossen war, meinen Willen zu haben. Ich dankte ihm herzlich für alle Freundlichkeit,

die er mir erwiesen hatte und für die Mühe, die er sich meinetwegen gab, erklärte ihm

aber mit aller Bestimmtheit, daß ich gehen wolle und muffe. Der gute alte Herr wurdeganz blaß und sagte weiter kein Wort, mich zurückzuhalten.

Ich hatte nun mit Margarethe und Jimmy eine Legua nach Chapnltepec zu gehe».Die ganze Straße war mit feindlichen Offizieren und Soldaten bedeckt; allein sie hattenmich bei Herrn Hübe gesehen, der zur liberalen Pattei gehörte, und alle grüßten michachtungsvoll und ließen mich ungehindert Passieren.

Als ich in Chapnltepec ankam, fragte ich nach dem kommandirendcn Offizier, einemObersten Leon, welcher zwei Jahre in Nordamerika gewesen war und ziemlich gutenglisch redete. Er wurde aus einer Restauration geholt, wo er eben frühstückte, undempfing mich ganz außerordentlich höflich und liebenswürdig. Ich sagte ihm, daß ichwegen der Lage des Kaisers und meines Mannes in großer Sorge sei und daß ich nachMexiko gehen wolle, um zu versuchen, ob die fremden Obersten vielleicht geneigt wären,sich Porferio Diaz zu ergeben, wenn derselbe sich verpflichtete, daß das Leben des Kaisersund der fremden Offiziere geschont werden sollte, wenn dieselben gefangen würden.

Der Oberst sagte mir, daß Queretaro sich nicht viel länger würde halten können.Die Stadt sei auf das engste eingeschlossen und die Garnison dem Hungertode nahe. Ergab mir gern die erbetene Erlaubniß gegen das Versprechen, augenblicklich zurückzukehren,wenn ich die Meinung der fremden Befehlshaber gehört haben würde. Er gab mirseinen Arm und ging mit mir drei Viertel Leguas bis zu seinen äußersten Vorposten.

Hier verließ er mich, und ich schritt, gefolgt von Margaretha und Jimmy, überdas freie Feld auf die Garita zu, welche durch eine Batterie vertheidigt wurde. Derkaiserliche Offizier, der dort befehligte, kannte mich und ich hatte keine Schwierigkeiten.Die Soldaten legten Bretter über den Graben der Schanze und halfen uns über dieBrustwehr.

Ich ging sogleich zu Baron von MagnuS, den ich zu Hanse traf, der mich aberetwas kühl und steif empfing. Er hatte es nämlich übel genommen, daß ich gegen seineAnsicht in dem Hause des Herrn Hübe meinen Aufenthalt nahm, gegen den er, ichweiß nicht aus welchem Grunde, ziemlich eingenommen war.

Ich that jedoch, als bemerke ich seine diplomatische Förmlichkeit «iht, und sagte