Ausgabe 
28 (6.12.1868) 49
 
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Mexiko zu werden, wenn die Stadt genommen werden sollte. Diese Dame sei in be-ständiger Verbindung mit dem Feinde, und in der That dessen Spion in Mexiko .Wenn man sich in dieser Angelegenheit an sie wende, so würde es ihr ein Leichtes sein,ihrem Manne mitzutheilen, daß ich ein Abgesandter des Ministers und der fremdenObersten sei.

Der Baron und ich fuhren zu Frau Baz und nahmen den Kanzler des Gesandten,Herrn Schalter, mit, der vortrefflich spanisch spricht und als Dolmetscher dienen sollte,um der Dame Alles klar und deutlich auseinander zu setzen, so daß Versehen und Miß-verständnisse möglichst vermieden wurden.

Diese Frau Baz war eine berühmte Persönlichkeit, die in der liberalen Partei ingroßer Achtung stand, da sie derselben sehr wesentliche Dienste geleistet hatte. Schon zurZeit, als die Franzosen noch im Lande waren, war sie unter den mannigfachstenVerkleidungen häufig im Lager des Feindes gewesen, und ihre Nachrichten und Warnungenwaren immer so richtig und rechtzeitig gewesen, daß man sie bei den Liberalen nur denSchutzengel nannte. ,

Sie war eine Frau von etwas über dreißig Jahren, schlankem, nicht großem Wuchs,schmalem, länglichen Gesicht, schönen Zähnen, hoher, breiter Stirn und außerordentlichlebhaften, ausdrucksvollen Augen. Sie war sehr ruhig und anspruchslos in ihremWesen, allein aus ihrer ganzen Erscheinung leuchtete Energie und das Bewußtsein derselben.

Baron Magnus erklärte ihr den Gegenstand unseres Besuchs und theilte ihr eben-falls die Vorschläge mit, welche ich zu machen hatte; auch erklärte er sich bereit, alleetwa entstehenden Kosten, für Reisen, Eskorten oder andere Zwecke, zu irgend welchembeliebigen Betrage übernehmen zu wollen. Frau Baz ging sofort auf meinen Plan einund erbot sich, mich selbst zu Porfcrio Diaz zu begleiten und den Versuch machen zuwollen, ihn zur Annahme der vorgeschlagenen Bedingungen zu bewegen, doch könne sieerst am nächstem Tage gehen, da sie Nachrichten von ihrem Manne abwarten müsse.

Da ich Oberst Leon versprochen hatte, in das feindliche Lager zurückzukehren, sobaldich die Ansicht der Obersten gehört haben würde, und befürchtete, daß mein langes Aus-bleiben ihm Verdacht gegen mich einflößen möchte, so verließ ich einstweilen die Stadtund ging nach der Casa Sän Iago Collorado, wo ich den Obersten fand.

Er sagte mir, daß er Porferio Diaz gesprochen, diesem meinen Plan mitgetheiltund daß dieser die Angelegenheit in die Hände des Obersten .... gelegt habe, dem ichdie Bedingungen der fremden Obersten mittheilen sollte. Ich sagte zwar Oberst Leon,daß Frau Baz am nächsten Tage mit mir zu Porferio Diaz selbst gehen werde; alleintrotzdem drang er darauf, daß ich den erwähnten Obersten sehe, und wir fuhren nachbesten Hauptquartier in Tacubaya.

Der Oberst erwartete mich; als ich ihm jedoch sagte, daß ich am nächsten Tage miFrau Baz zurückkehren würde, gestattete er mir, wieder nach Mexiko zu gehen, wo ich vorNacht einzutreffen versprochen hatte. *

Es war Unterdessen dunkel geworden, und als ich, Margaretha und Jimmy an dieGarita kamen und die Schildwache mir unerwartet einWer da!" entgegen donnerte,machte ich in meiner Ueberraschung ein arges Versehen und rief mit Entschlossenheitenemi^o!" (Feind) anstattami^o!" (Freund). Die Schildwache antwortete ebensoentschlossen mit einem Schuß, dessen Kugel jedoch harmlos vorüberpfiff. Da ich einewirksamere Wiederholung der Dosis fürchtete, so flüchtete ich mich hinter einen Bogen, dernahe dabei liegenden Wasserleitung, und Margaretha, die ebensowenig wie Jimmy einFreund von Schießpulvcr war, kniete nieder und rief in ihrer Angst sämmtliche Heiligedes Kalenders um Hilfe an.

Um den Soldaten am Thor begreiflich zu machen, daß ich keineswegs ein enemiKOsei, rief ich mit lauter Stimme zu: ,.viva Maximilians!^ Zu meinem guten Glückbefehligte ein Bekannter von mir am Thor, der alte Oberst Campos, der nun meine