Ausgabe 
28 (6.12.1868) 49
 
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Stimme erkannte, herauskam und ganz außer sich darüber war, daß einer seiner Soldatenaas mich gefeuert hatte.

Als ich am nächsten Morgen zu Frau Baz kam, sagte sie mir, daß sie erst umzwei Ubr Nachricht von ihrem Manne haben könne und darauf warten müsse. Ich gingalso zur festgesetzten Zeit abermals hin und erfuhr nun zu meinem Bedauern, daß GeneralBaz am Abend vorher Befehl erhalten hatte, zu General Escobcdo zu reisen, und daßsie mich daher nicht begleiten könne. Sie versprach indessen, einen Boten an PorferioDiaz mit einem Briefe zu senden, in welchem sie bestätigte, daß ich in der That von dempreußischen Gesandten und den fremden Obersten abgesandt sei. Ich gab mir alle Mühe,sie zuni Mitgehen zu bewegen, allein sie wollte nicht. Ich hatte also allein zu gehen.

Oberst Leon und der andere Oberst warteten mit einer Eskorte auf Frau Baz undmich, um uns nach dem Hauptquartier von Porferio Diaz zu bringen. Da ich aber seitdrei Tagen meine Kleidung nicht gewechselt hatte, und nach dem Hauptquartier reitenmußte, welches mehrere Meilen von Tacubaya entfernt war, so ging ich zuerst nach demHause der Frau Hübe. Da ich ihr nicht sagte, was ich vorhabe, so war sie sehr böseauf mich, denn man hatte ihr die närrischsten Berichte über mein Thun und Treiben ge-macht. So leid mir das Mißfallen der guten alten Dame auch that, so hielt ich esdoch für bester, sie einstweilen glauben zu lasten, was ihr gefiel und ihr nur zu sagen,daß ich nach dem Hauptquartier gehe, worauf sie mir mittheilte, daß ich ihren Mann dortfinden würde.

Oberst Leon war so freundlich, mir seinen schönen mexikanischen Rappen zu leihenund ich kam bald nach Guadalupe, dem Dorfe, in welchem sich das Hauptquartier befand.Bei demselben warteten gewiß fünfzig Personen, die den liberalen General zu sehenwünschten und unter ihnen Herr Hübe, der mich mit einem sehr ernsthaften Gesichteempfing. Als ich ihm jedoch sagte, daß ich als Abgesandte der fremden Offiziere komme,um mit Porferio Diaz wegen der Uebergabe zu unierhandetn und ihn ersuchte, meinDolmetscher zu sein, veränderte sich plötzlich sein ganzes Wesen und er pries mich weitüber Verdienst.

Ich sandte dem General meine Karte nnd wurde sogleich vorgelassen. Der Generalist ein Mann von mittlerer Größe mit einem hübschen Gesicht und glänzend schwarzen,sehr intelligenten Augen. Er trug einen blauen Uniformrock mit gelben Metallknöpfen,blaue Beinkleider nnd hohe Stiefel.

Er empfing mich sehr artig, gab mir die Hand und sagte, ihm sei van seinen Offizierenmitgetheilt worden, daß ich wegen der Uebergabe von Mexiko Bedingungen von den fremdenTruppen zu überbringen habe, und daß er bereit sei, dieselben anzuhören. Ich fragteihn, ob er nicht einen Brief von Frau Baz erhalten habe, was er bejahte; allein erwünschte mehr detaillirte Vorschläge zu hören.

Herr Hübe sprach nun zu ihm mit großer Beredtsamkeit und viel Gefühl. Er be-schwor den General, die vorgeschlagenen Bedingungen anzunehmen, was sogleich das Blut-vergießen enden würde. Er wies auf alle Folgen und Vortheile hin, welche ein solchesVerfahren mit sich bringen würde und der alte Herr war von dem, was er sagte, selbstso überzeugt und ergriffen, daß er Thränen in den Augen hatte.

Dem General wollte der vorgeschlagene siebentägige Waffenstillstand gar nicht ge-fallen und er traute mir nicht, wie ich später erfuhr. Er glaubte, ich wollte nur umjeden Preis nach Qucrctaro, um dem Kaiser Nachrichten von Mexiko zu bringen, welcheeinen Angriff gegen die Liberalen zur Folge haben möchten. Auch hatte er die vollstän-dige Ueberzeugung, daß Marquez die gewonnene Frist zur Befestigung der Stadt an-wenden würde.

Der General antwortete daher, daß cS über die Grenzen seiner Macht hinaus läge,i» Bezug auf den Kaiser und die Truppen in Qucrctaro irgend welche Versprechungenzu machen. Er befehligte nur die Hälfte der Armee und könne nur allein in Bezug auf