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Mexiko unterhandeln. Die Uebergabe der Stadt wolle er unter keinen Bedingungen an»nehmen; er sei sicher dieselbe zu bekommen und wolle nicht Marquez und andere Mexikanerentwischen lassen, die gehängt zu werden verdientem Wenn aber die fremden Truppenherauskommen und sich ergeben wollten, so wolle er ihnen Leben Freiheit und Alles be-willigen, was sie mit sich nehmen könnten, mit Ausnahme der Waffen. Er wollte sieauf Kosten der Regierung nach irgend einem ihnen beliebigen Hafen bringen lasten, vondem sie nach Europa zurückkehren sollten. Wenn ich indessen nach Queretaro gehen wolle,so wolle er mir einen Paß und einen Brief an Escobedo geben, dem er es überlastenmüsse, ob er mir den Eintritt in diese Stadt gestatten wolle.
Es war gegen vier Uhr Nachmittags und nachdem ich mit dem General eine TasteKaffee getrunken hatte, stieg ich zu Pferde, um nach Mexiko zurückzukehren und zu hören,was die fremden Offiziere auf die Vorschlage von Diaz zu sagen hatten.
Da die Garita, durch welche ich Mexiko verkästen hatte, mehrere Leguas von Gua»dalupe entfernt war, so beschloß ich, in die nächst gelegene einzureitcn, da es überdiesHeller Tag und kein Mißverstandniß zu befürchten war. Eine Eskorte brachte mich bisan die äußersten Vorposten, und nachdem ich mein Taschentuch als Parlamentärflagge anmeine Reitpeitsche befestigt hatte, ritt ich im Galopp nach der Garita zu.
Als ich auf eine kleine Brücke in Front der Thorbattcrie und derselben so nahe kam,daß ich die Gesichter unserer Soldaten sehen konnte, feuerte der Postcu auf mich, was ichfür einen Wink nahm zu halten. Ich hielt also in der Erwartung, daß man einenKorporal und einige Mann herauSschicken werde, um mich zu examiniren. Ich sah auchdie Soldaten auf die Brustwehr kommen, und ehe ich noch darüber nachdenken konnte,was sie wohl beabsichtigten, erhielt ich eine volle Lage. Die Kugeln pfiffen mir um denKopf und eine streifte mein Haar; andere schlugen in der Nähe meines Pferdes indie Erde.
Ich war mehr ärgerlich als erschrocken, denn es war wirklich zu einfältig, auf eineeinzelne Frau zu schließen, als ob ich im Stande gewesen wäre, die Batterie zu nehmen kMein erster Gedanke war, auf die dummen Kerle loSzurciten und ihnen meine Reitpeitschenm die Ohren zu schlagen; allein ich hörte hinter mir daS Klappern der Hufe der libe-ralen Eskorte, die auf die Schüsse mir zu Hilfe eilen wollte; sah die Soldaten in derSchanze in aller Eile laden, und wollte Niemand meinetwegen einer Gefahr aussetzen.Ich machte daher Kehrt; mein kleiner mexikanischer Rappe schoß dahin wie ein Pfeil undich legte meinen Kopf auf seinen Hals. Die Elenden sandten mir in der That noch eineSalve nach, aber glücklicherweise wurden weder ich noch mein Pferd getroffen.
Später hörte ich, daß die Schanze am Thore mit ganz rohen indianischen Rekruten
besetzt gewesen war, welche wahrscheinlich keine Ahnung von der Bedeutung meines weißenSchnupftuches hatten, und daß ihr Offizier im Augenblick meiner Ankunft sich in einemnaheliegenden Wirthshaus gütlich that. Es kam Marquez zu Ohren, daß man auf einen
Parlamentär gefeuert habe, ohne daß er jedoch wußte, wer derselbe gewesen sei, und der
nachlässige Offizier wurde in Arrest geschickt.
Fünf oder sechs liberale Offiziere kamen mit 25 Mann mir entgegen; alle zeigtensich sehr besorgt und wollten kaum glauben, daß ich nicht verwundet sei.
Da ich mich nicht nochmals einem Pelotonfeucr aussetzen wollte, so beschloß ich, indas Thor zu reiten, an welchem Oberst Campos befehligte, und General Porferio Diazwar so freundlich, mir eine Eskorte von zehn Mann mitzugeben. Ehe wir jedoch diemehrere Leguas entfernte Garita erreichten, übe, siel uns ein Gewitterregen, der mich bisauf die Haut durchnäßte, so daß ich es vorzog, nach Tacubaya zu gehen, wo ich vonFrau Hübe nun mit offenen Armen empfangen wurde, da ihr Mann ihr erzählt hatte,auf welche Art von Abenteuer ich ausgegangen war.
(Fortsetzung folgt.)