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Der Wald.
Die meteorologische Katastrophe, die einen Theil der Schweiz so schwer heimgesucht,hat veranlaßt, nach den Ursachen zu forschen, durch die jene Katastrophe herbeigeführtworden, und die Mittel aufzusuchen, durch die künftigen ähnlichen Verheerungen vorge-beugt werden kann. Ganz abzuwenden werden die Wasscrfluthen niemals sein. „Wennman beobachtet" (schreibt Ingenieur Salis aus Chnr dem „Bund"), „wie die WolkenTage, oft Wochen lang stetsfort in der Richtung von Südwcst hoch über die Spitzender Alpen herflicgen, wie sie sich immer dichter und dichter drängen, bis sie wie einschwebendes Meer erscheinen, zu dem der erfahrene Beobachter mit Sorge ausblickt, dadarunter fast gleich endlos das Eis der Gletscher liegt, an dem das Dunstmeer sich jedenAugenblick zu einer Wasscrfluth kondensircn kann," so sind das Erscheinungen, gegenwelche schützende Kunstbauten nicht aufgeführt werden können, und man begreift, wiefrohbcwegt der Bewohner des Gebirges ist, wenn er durch einen Riß des Wolkenvorhangcsbemerkt, daß es „angeschneit," daß das Dunstmcer in Schnee sich verwandelt, von demeine Ueberfluthung nicht zu befürchten ist. Nach solchen Katastrophen erkennt man rechtden Nutzen der Wälder und es ist nur eine Seite dieses Nutzens, wenn Schiller demSohne Teils die Frage:
„Vater, ist's wahr, daß auf dem Berge dorbDie Bäume bluten, wenn man einen StreichD'rauf führet mit der Axt? Die Bäume seienGebannt, sagt man, und wer sie schädiget,
Dem wachse seine Hand heraus zum Grabe",
«nd dem Vater die Antwort in den Mund legt:
„Die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit.
Die Schlaglawinen hätten längstDen Flecken Altdorf unter ihrer LastVerschüttet, wenn der Wald dort oben nichtAls eine Landwehr sich dagegen stellte."
Im Walde erzeugt sich eine Moosdecke, die in Verbindung mit der Erdkruste dieWirkung eines Schwammcs hat; der hemmt den Stoß des stürzenden Wassers, saugt esauf, und gibt es nur langsam wieder ab. In den Gebirgen ist der Wald aber auchSchutz gegen die Wuth der Stürme. Auf dem entwaldeten Gebirge mangelt es derLuft an der erforderlichen Feuchtigkeit dergestalt, daß auf der bayerischen Hochebene, wovor 8 —10 Jahrhunderten noch Getreidebau in einem ganz flachgründigen kiesigenBoden möglich war, jetzt kein Halm mehr gedeihen kann. Auf dem Westerwald war derBau landwirthschaftlicher Gewächse ganz unsicher geworden; seit nun zur SchutzwehrWaldstreifen angelegt sind, hat sich dies wesentlich gebessert. Katastrophen, wie wir siein der Schweiz kennen gelernt, sind im Orient, sind in Griechenland, Spanien , seit denletzten Jahrzehnten auch im südlichen Frankreich, in Italien keine Seltenheit. Daß dieschonungslose Entwaldung der Höhen der Grund davon sei, darüber herrscht unter Fach-leuten nur eine Stimme.
Der Bürgermeister eines Ortes erließ folgende Bekanntmachung: Es istz» den diesseitigen Ohren gekommen, daß das Vieh in den Ställen mit brennende»Cigarren und Pfeifen gefüttert wird, was künftighin mit 30 kr. bestraft werden soll.
Druck, Dtrlaz und R«:aet!,n d«S iiterarischen Instituts von vr. M. Huttler.