Von dort ging ich nach Tacubaya. Gleich bei meiner Ankunft bemerkte ich an derArt der liberalen Offiziere gegen mich, daß irgend Etwas nicht war, wie es sein sollteund als ich zu Hube's kam, fand ich sie alle in Thränen und in großer Angst. Ichweiß nicht genau, was während meiner Abwesenheit vorgefallen war; allein am 24. Aprilerließ Porferio Diaz eine Ordre, in welcher gesagt wurde, daß alle Personen, die unterdem Vorwande von Unterhandlungen von Mexiko kommen würden, erschossen werdensollten, und da ich in dieser Lage war, so sahen mich Hube's bereits in meinem Sarge.
Ich wollte augenblicklich zum General gehen, um meine lange Abwesenheit zu ent-schuldigen; allein Frau Hübe wollte mich nicht gehen lasten und hielt mich mehrere Stundenzurück. Es hielt darauf vor der Thüre ein vierspänniger Wagen und es erschien einOffizier, der mir ankündigte, daß er den Befehl habe, mich augenblicklich in das Haupt-quartier zu bringen. Der Jammer bei Hube's war groß; allein ich hatte Folge zuleisten und nachdem ich einige nothdürftige Kleidungsstücke zusammengepackt hatte, stieg ichmit Margaretha und Jmmy in den Wagen.
Als ich beim Hauptquartier angekommen war, theilte mir ein Adjutant des Generalsmit, daß ich augenblicklich Mexiko verlassen müsse. Er gab mir einen Paß und ersuchtemich, einen Hafen zu nennen, von welchem ich absegeln wolle und wohin ich durch eineEskorte gebracht werden sollte
Dieses ganze Arrangement paßte mir durchaus nicht und ich beschloß, daß nichtsdaraus werden sollte. Ich verlangte daher, den General Porferio Diaz zu sehen, dairgend ein Mißverständniß obwalten müsse, welches ich aufklären wolle. Der Generalwollte mich jctoch uicht sehen, und der Adjutant bestand darauf, daß ich abreisen solle.Ich erklärte ihm jedoch auf das Bestimmteste, daß ich freiwillig nicht gehen würde. Siemöchten mich in Fesseln legen oder erschießen, aber sie sollten mich nicht dazu bringen, dasLand zu verlassen.
Meine Entschlossenheit setzte sie in große Verlegenheit und sie wußten nicht, was siemachen sollten, denn ich blieb von 6 Uhr Nachmittags bis 12 Uhr Nachts im Haupt-quartier und ging nicht von der Stelle. Endlich ließ ich es mir gefallen, daß man michin einem Privathause bei einer mexikanischen Familie unterbrachte, die mich sehr freundlichbehandelte; allein man stellte mir eine Wache vor die Thüre.
Am 26. April Morgens kam wieder meine vierspännige Equipage vorgefahren undder Offizier, der mich cskortiren sollte, bestand auf meiner Abreise. Ich bewegte michindessen nicht von der Stelle, und sandte General Porferio Diaz meine Empfehlung mitder Bitte, mich nach Querctaro gehen zu lassen; ich erhielt indessen eine abschlägige Antwortund blieb entschlossen wo ich war.
Am Nachmittag kam Frau Hübe, brachte mir einige Kleider, und mit ihr kam Ge-neral Baz, welcher von Querctaro zurückkehrte und der ein großer Freund der Hubc'schenFamilie war.
General Baz war ein ziemlich wohlbeleibter Herr mit einem angenehmen, wohlge-nährten Gesicht, hellen, braunen Augen, schwarzem, lockigem Haar und hellerem Schnurr-bart und Kinnbart. Er war in seinen Manieren sehr elegant und gewandt und machtemir mehr den Eindruck eines Franzosen als Mexikaners. Er war viel in Europa ge-reist und außerordentlich liebenswürdig und angenehm, mit einer gewissen Würde in seinemWesen. Trotzdem, daß er durch und durch Liberaler war, genoß er doch die Achtung undLiebe beider Parteien.
Der General war sogleich bereit, zu Porferio Diaz zu gehen und sich zu erkundigen,was eigentlich der Grund seiner großen Strenge gegen mich sei.
Wir erfuhren denn auch bald den Zusammenhang. Porferio sagte, ich hätte meinWort gebrochen und versucht, seine Offiziere durch Geld und schöne Worte zu bestechen,welches ein großes Verbrechen sei. Ich sei eine zu gefährliche Person, als daß mau michin Mexiko lassen könne.