General Baz brachte indessen die Angelegenheit in Ordnung und rang Porferio Diazdie Erlaubniß für mich ab, nach Qucretaro gehen zu dürfen, doch wollte er mir keineEskorte geben. Escobedo möge thun, was ihm gefiele, er möge mir erlauben, nach Quere-taro hineinzugehen, oder mich weiter senden.
General Baz, der wirklich außerordentlich gütig war, that Alles, was nur immermöglich war, mir den Weg nach Qucretaro zu ebnen. Er gab mir nicht weniger alssieben und dreißig Empfehlungsbriefe an Hacienda-Befitzer, Postmeister, Gastwirthc undOffiziere. Herr Smith, ein Kaufmann und Direktor oder Obcraufseher der Eisenbahn,gab mir vier sehr gute Maulthiere und seinen Kutscher und dazu bekam ich noch einesehr auffallend hellgelbe Kutsche, die wahrscheinlich schon seit der Eroberung als Fiacerin Tacubaya gedient hatte.
Die Straße zwischen Mexiko und Qucretaro ist durch Räuber sehr unsicher gemachtund die vier Tage dauernde Reise eine ziemlich gefährliche. Mein gutes Glück ließ michindessen nicht im Stich. Es war da ein Herr von der liberalen Partei, Herr Parra,der drei Tage gereist war, um Porferio zu sprechen, ohne daß er seine Absicht erreiche»konnte, und der nach Hause zurückkehren wollte. Er erbot sich, mich zu eskortiren, wasich um so lieber annahm, als er einen bewaffneten Diener zu Pferde bei sich hatte undauch einen Kutscher. Porferio hatte nichts dagcgegen einzuwenden, daß mich der Herrbegleitete.
Unter vielen Thränen nahm ich von Hubes Abschied und trat am 27. April meineReise an. Margaretha und Jmmy begleiteten mich natürlich und auch mein kleiner, sieben-schüssiger Revolver, den ich stets bei mir trug.
Die Empfehlungsbriefe, welche mir General Baz so freundlich gegeben hatte, warenvon dem allerhöchsten Werth. Ich wurde überall mit der größten Freundlichkeit undGastfreiheit empfangen und mit einer "tchiung und Aufmerksamkeit behandelt, als sei icheine Königin. Für mich, meine Begleiter, Diener und Maulthiere wurde überall auf dasSorgfältigste gesorgt und Bezahlung wollte man nirgends annehmen, was unter den ob-waltenden Umständen gar nicht unangenehm war, da ich nur drei Unzen in der Taschehatte.
Eines Morgens auf dieser Reise verließen wir Sän Francisco vor Sonnenaufgang.Nachdem wir eine kleine Strecke gefahren waren und die Sonne eben aufging, sah ichrechts am Wege einen Gegenstand an einem Baum, den die Strahlen der Sonne vollbeleuchteten. Ich steckte den Kopf aus dem Wagen, um zu sehen, was eS sei und er-kannte zu meinem Entsetzen einen liberalen Offizier in Uniform, mit Reitstiefeln an denFüßen und einer schwarzen Kappe über Kopf und Gesicht. Das Blut lief von demKörper an die Erde hinunter, was bewies, daß er seinen Tod nicht allein durch Hängengefunden hatte.
Als ich mit Abscheu und Entsetzen meinen Kopf zurückzog und schnell zu der andernSeite des Wagens hinaussah, erblickte ich dort ebenfalls einen Baum, an dem ein andererliberaler Offizier hing, dessen Anblick noch abschreckender war.
Wie ich erfuhr, waren diese ein Oberstlieutenant und ein Major, welche ein Ver-brechen gegen ein junges Mädchen begangen hatten, und die den außer sich gerathendenVater, als er sein Kind zu rächen versuchte, niederwarfen, ihm die Zunge ausschnittenund endlich ermordeten. Nach mexikanischer Sitte waren sie auf der Stelle erschossenworden, wo sie das Verbrechen begangen hatten und zum warnenden Beispiel hier füreinige Zeit an Bäume gehängt worden.
Es dauerte lange, ehe ich den Eindruck los werden konnte, den diese scheußliche Szeneauf mich machte, und ich schaudre noch jetzt, wenn ich daran denke.
Wir langten endlich in Queretaro an. Von der Höhe der Cncsta China konnteman die ganze Stadt übersehen; aber man wurde ebenfalls von dort gesehen und meineglänzend gelbe Equipage mit vier Maulthiereu und Eskorte entging den Kaiserlichen nicht.