Ausgabe 
28 (13.12.1868) 50
 
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bie mich, wir mir später der Kaiser sagte, für Juarez gehalten hatten. Als ich den Hügel ,

hinunter nach der Hacienda de Hercules fuhr, die Herrn Rubio gehörte, an den ich einen

Empfehlungsbrief hatte, erwartete ich stets eine Kugel aus den Batterien der Stadt zuerhalten, denn wir waren überall in Schußweite.

Das Hauptquartier des Generals Escobedo war auf der anderen, der Nordseite desRio blanco, am Abhänge des Hügels La Cantera. Da ich Briefe an ihn abzugeben

hatte und auch wissen wollte, woran ich war, so kleidete ich mich sogleich um und ritt f

hinüber. Ein Pferd war leicht zu haben- allein ein Damensattel war nirgends aufzu»treiben, und so hatte ich als solchen einen gewöhnlichen, hölzernen mexikanischen Sattelzu reiten, was keineswegs angenehm war und auch feine Schwierigkeiten hatte.

Der Herr, der mich von Mexiko begleitet hatte, war mir schon vorausgeeilt undmeine Ankunft angemeldet. Als ich bei demselben ankam und General Escobedo meineKarte hineinschickte, trat aus einer Gruppe von dort versammelten Offizieren ein blonderKapitän hervor, der mich als alte Bekannte aus den Vereinigten Staaten begrüßte, dessenich mich aber nicht erinnerte. Es war ein Hauptmann Enkling, welcher Artillerie-Lieu-tenant in General Blcnker's Division gewesen war, und der einst, als ich dessen Lagerbesuchte, als Eskorte gedient haben wollte.

Dieser junge Mensch hatte sich, wie ich später hörte, gerühmt, daß er mich sehr genaukenne, während ich mich nicht einmal seines Gesichtes erinnern konnte. Er benahm sichauch später in der verächtlichsten Weise und schien sowohl bei seinen Kameraden als beiseinem General in sehr geringer Achtung zu stehen, denn als er sich erbot, demselben alsDolmetsch zu dienen, lehnte es derselbe ziemlich kühl ab, und ließ zu diesem Ende einenMexikaner rufen, der englisch verstand.

Herr Enking stand bei der amerikanischen I,6§ion ok konor, und als Queretaro genommen wurde, brach er mit seinen Leuten in Privatwohnungen und vergriff sich andem Privateigenthum von Offizieren, weßhalb er von General Escobedo mehrere Tagein Arrest geschickt wurde.

Bei einer späteren Gelegenheit, als ich den General ersuchte, mir einen Offizier alsBegleiter mitzugeben, ließ er diesen Hauptmann Enking holen, dessen Bemerkungen in Be-zug auf mich mir mitgetheilt waren. Ich wies diese Begleitung mit Entrüstung zurückund drückte mein Erstaunen aus, daß der General mir die Gesellschaft eines solchenMenschen, den er als einen Schurken kenne, zumuthe. Hauptmann Enking zog sich sehrverwirrt zurück, und Escobedo entschuldigte sich. Er schien eine besondere Absicht gehabtzu haben, diesen Herrn mir gegenüberzustellen und zu erwarten, daß ich ihn refüsirenwürde.

General Escobedo empfing mich in einem sehr kleinen, ganz außerordintlich elendenZelt, welches überall mit Stöcken gestützt und aus Brettern und Leinwand in sehr dürf-tiger Weise zusammengeflickt war. Es stand darin ein von rohen Bretter» zusammen-geschlagener Tisch, und eine hölzerne Kiste diente als Sitz. Der General trug eineUniform, ähnlich der von Porfcrio Diaz, nur daß etwas mehr Treffen und Knöpfe daranwaren.

Escobedo empfing mich sehr freundlich. Ich sagte ihm, ich hätte gehört, daß meinMann verwundet sei, und bat ihn um Erlaubniß, in die Stadt zu gehen und ihn zupflegen. Der General erwiderte, daß er nichts von einer Verwundung meines Manneswisse und mir die gewünschte Erlaubniß nicht geben könne. Alles was er thun könne sei,mir einen Brief an Präsident Juarez nach^an Louis Potosi zu geben, der vielleicht meinenWunsch erfüllen werde.

Er äußerte, daß er meinen Mann sehr wohl kenne, machte mir viele Komplimentem Bezug auf ihn und sagte, derselbe sei ein außerordentlich tapferer und kühner Offizier,wie er zu seinem Schaden erfahre» habe. Er versprach, ihn freundlich zu behandeln.