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wenn er in seine.Händc fallen sollte, und mir zu gestatten, ihn im Fall einer Verwundungzu Pflegen.
Der General überließ es mir, ob ich mit der am andern Morgen nach Sän LuiSPotost abgehenden Diligence reisen, oder bis zum Abgang der nächsten bei Herrn Rubiobleiben wolle. Ich entschied mich für das erstere, da mein Bleiben vor Queretaro garkeinen Zweck hatte. Herr Parra, der mich von Mexiko begleitete, bot sich an, mich auchbis Sän Luis zu eskortiren; allein ich lehnte sein Anerbieten dankbar ab und ersuchteGeneral Escobedo, nur einen seiner Offiziere mitzugeben, worin er freundlich willigte.
Bis hieher sind wir der Prinzessin Schritt für Schritt gefolgt, und wir hoffen,dadurch die Geduld der geehrten Leser nicht ermüdet zu haben. Da wir aber unmöglichdas ganze interessante Buch abdrucken können, so wollen wir jetzt von den „Fragmenten"Abschied nehmen und daraus nur noch kurz erwähnen, daß die Prinzessin, welche thatsächlichrastlos bemüht war, den unglücklichen Kaiser zu retten, sich äußerst wegwerfend über dieGesandten ausspricht. So schreibt sie wörtlich:
„Die österreichische und belgische Regierung müssen am besten wissen, ob ihre Ge-sandten nach ihren Jnstruktioucn handelten, aber uns und selbst den Mexikanern erschien,deren Benehmen wunderbar, aber keineswegs bewunderungswürdig."
Für das Folgende müssen wir aber der Prinzessin die volle Verantwortung überlassen.Sie erzählt nämlich, daß General Escobedo, welcher bekanntlich in Queretaro nach derEinnahme das Kommando führte, die Gesandten „Feiglinge" nannte, welche machen sollen,daß sie fortkommen. Darauf bemerkte die Prinzessin, daß dann der Kaiser vollkommenverlassen sei. „Was können solche alte Weiber einem Manne nützen" — brach Escobedolos — «schönes Bock, diese Gesandte! Zwei von ihnen sind schon davon gelaufen undhaben ihre Bagage im Stich gelassen."
Diese zwei furchtsamen Repräsentanten waren natürlich, wie uns die Prinzessin ver-sichert, der österreichische und der belgische. Alle Offiziere Escobcdo's machten sich übersie lustig, und der General selbst sagte mir später in Mexiko , „daß, wenn einer von diesen.Feiglingen ihn ersucht hätt, den Kaiser sehen und von ihm Abschied nehmen zu dürfen,er es nicht verweigert haben würde."
Aber die Herren machten nicht einmal den Versuch, und Baron Lago hatte so gänzlichden Kopf verloren, daß er das Codicill zum Testament des Kaisers ununterschriebcn mit-nahm! — Ich habe natürlich — fährt die Prinzessin Salm fort — nicht das allerge-ringste Bedenken, zu sagen, daß ich das Benehmen dieses Herrn so erbärmlich als möglichfand; sollten Sie aber, oder sonst Jemand, daran zweifeln, daß General Escobedo sich soundiplomatisch über diese Diplomaten ausdrückte, dann berufe ich mich auf den Generalselbst, der nicht der Mann ist, zu verleugnen, was er sagte, und auf seinen ganzen Stab,der zugegen war, namentlich auf Oberst Darin.
Zum Schlüsse sei noch einer Aeußerung Erwähnung gethan, die ein grelles Streiflichtauf die mexikanischen Zustände wirft. Die Prinzessin versuchte es, um den Kaiser zu retten,auch mit der Bestechung. Leider gebot man aber über keine Baarsummcn und die Wechselschienen den Herren Mexikanern ein unsicheres Geschäft. Als nun die Prinzessin wiedermit dem Justizministcr der Liberalen, mit Herrn Jglesia, sprach, bemerkte dieser, er wissesehr wohl, daß sie in Queretaro manche Schufte hätten, die zu bestechen wären, und ermeinte auch, daß der Fluchtplan gelungen sein würde, wenn die Prinzessin baares Geldstatt Papier gehabt Hütte. Uebrigens gestand auch Herr Jglesia, daß er im Innerstenseines Herzens froh gewesen wäre, wenn Kaiser Maximilian glücklich entflohen wäre, undselbst der Präsident Juarez gab nicht undeutlich zu verstehen, daß ihm die Flucht desKaisers nicht eben sehr unangenehm gewesen wäre. — (Ueber diesen Punkt werden wiruoch Einiges nachtragen. Die Red.)
(Fortsetzung folgt.)