Aus England . Britische Blätter berichten vom Cop Trevose (Cornwallis) folgende-Drama: Dort erhebt sich ein halbmondförmiger, auf seinem Gipfel ganz kahler Fels, dessenWurzel nur zur Ebbezeit zugänglich ist, ihm gegenüber eine alte Ritterburg, gen. das rotheSchloß, bewohnt von einem sehr vermögenden Alten, dessen beiden ältesten Söhne wegen ihrerVerwegenheit und Wildheit gefürchtet waren. Schon seit Langem hegte die Zollbehörde Ver-dacht, daß hier großartig geschmuggelt werde, allein sie konnte nicht auf die Spur kommen.Ein Zollbeamter theilte diesen Verdacht einem im Schloß auf Besuch anwesenden Ingenieurmit, und diese beiden Männer besuchten nun den Halbmondfels, wobei der Jngenier mitseinem Spazierstock an die Steine klopfte, und mehrere Stellen hohlklingend fand. Abends imSchloß erzählte er ohne Arg den Vorfall, wobei der Schloßherr in großen Zorn gerieth, undunter anderm ausrief, es sei schändlich, die braven Schiffer der Umgegend verdächtigen znWollen, dieselben seien immer ehrliche Leute gewesen u- s. w. Der von da an nicht mehrgern gesehene Ingenieur reiste des andern Abends ab zum nächsten Bahnhof der ^Londoner Route und zwar zu Fuß und über die Felsenhöhe- Von dort sah er plötzlich ein grelles Lichtuns dem Innern des Felsens strahlen. In demselben Augenblick stand aber auch Einer dervbenbezeichneten Söhne des Rothschlofses bewaffnet vor ihm, und hieß unter Todesdrohungcnihn schwören, Niemanden etwas von diesem Vorfall zn sagen, und überhaupt diese Gegend fürimmer zu meiden. Der Ingenieur schwur und ging weiter. Bald darauf begegnete er demjüngsten Sohne des Schloßherrn, dem Gegentheil seiner Brüder, einem sanften liebenswür-digen Menschen, der, unbekannt mit den Vorgängen im Schloß und auf dem Felsen, sich zumBegleiter bis an die Station anbot. Der Jngenier trug einen Paletot von ausfallend hell-gelber Farbe und da der leichtgekleidete junge Mann fror, und noch einen ziemlichen Wegmach Hause hatte, hing er dieses Kleidungsstück demselben um, mit dem Auftrag, es des an-dern Tags nach London zu schicken. Dem Jüngling kam der unglückliche Gedanke, über denFelsen heimzukehren; kaum dort angelangt, fiel er mit zerschmettertem Schädel zu BodcrlSein älterer Bruder, im Wahn, den neugierigen und eidbrüchigen Ingenieur vor sich zusehen, hatte den tödtlichen Schuß abgefeuert. Verzweiflungsvoll lief der Brudermörder uacherkanntem Irrthum zum Richter und bekannte Alles, darunter den vieljährigeu und äußersteinträglichen Schmuggelhaudel seiner Familie.
Amerika. Die „Pacifischc Eisenbahn" geht mit raschenSchritten ihrer Vollendung ent-gegen. Das Riesenunternehmen, ein Schienengeleisc von 3060 englischen Meilen zulegen undeine Strecke fahrbar zu machen, die nicht viel geringer ist, als die Entfernung zwischen demeuropäischen und dem amerikanischen Coutinent, ist mit dein Schluffe des Bürgerkriegs aus denUranfängen heraus so weit gefördert worden, daß vor Schluß des kommenden Jahres vonder einen Meeresküste bis zur andern der Verkehr vermittelt werden kann. Von den weitenLänderstreckev, die der Schienenstrang durchschneidet, ist fast die Hälfte unangebautes Wüste-Land. Omaha City, eine neue Stadt, ist der Gränzpuukt der westlichen Civilisation, und dieHauptschwicrigkeiten des Unternehmens liegen auf der Strecke von 1781 Meilen, die OhmahaCity mit Sacramento verbindet. Ohne Bewohner sind die Landstriche rechts und links vondieser Linie allerdings nicht, aber die Bevölkerung besteht aus wilden Jndianerhorden, die dasVordringen des Dampfes in ihre Jagdgründe mit Wehr und Waffen zu hindern suchen, undGeneral Sherman , der mit Unionstruppen eine Art Bahnpolizei in der Wildniß übt, vielzu schaffen machen. Trotz ihres Widerstandes indessen ist von Omaha aus eine Streckevon 1000 Meilen fast bis an das Mormonenland fahrbar; von Sacramento aus sind weitere400 Meilen fertig geworden, uud es wird nicht lange mehr dauern, bis die Arbeiter von hübenund drüben zusammentreffe.
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