404
er es annehme, diene er seinem Vatcrlande am Besten. Der Tod des Kaisers würdedie ganze Welt gegen Mexiko bewaffnen, entfliehe aber der Kaiser, so würde er das Landverlassen und keine europäische Macht würde sich ferner in die Arrangirung seiner innernAngelegenheiten mischen. Ich redete vielmehr und er hörte mit Aufmerksamkeit zu. Ander wechselnden Farbe in seinem Gesichte sah ich, daß er in sich einem harten Kampfkämpfte.
Ich schwieg und er nahm das Wort. Er legte die Hand auf sein Herz und ver-sicherte, daß er wirklich die größte Theilnahme für Maximilian fühle und daß er in derThat glaube, es sei das Beste für Mexiko , ihn entfliehen zu lassen. Er könne jedochüber eine so wichtige Sache nicht in fünf Minuten entscheiden, allein wenn er daraufeingehe, wolle er doch den Wechsel nicht annehmen. Er nahm denselben jedoch in dieHand und betrachtete ihn mit Neugicrde. Der Indianer konnte wahrscheinlich nicht denGedanken bemeistcrn, daß in solch kleinen! Stückchen Papier, worauf etwas gekritzelt war,ein sorgenfreies Leben für ein Weib und ein Kind enthalten sein sollte; ein Beutel mitGold würde weit überzeugender geredet haben. Er reichte nur den Wechsel zurück undsagte — nein, er könne ihn nicht annehmen. Er wolle in der Nacht darüber nachdenkenund mir morgen das Resultat sagen. Ich zeigte ihin den Siegelring des Kaisers, sagt«ihm, was derselbe meine und bat ihn, denselben dem Kaiser noch heute Abend zuzustellen.Er nahm den Ring und steckte ihn an seinen Finger. Nach einer Weile zog er ihn
wieder ab und sagte, daß er ihn nicht annehmen könne. Er müsse Alles überlegen. Er
verwirrte sich und sprach von seiner Ehre, von seiner Frau und seinem Kinde. „Nun,Oberst," sagte ich, „ich sehe, Sie haben sich noch nicht entschlossen. Denken sie darübernach und erinnern Sie sich Ihres Ehrenwortes und Ihres SchwnrS. Sie wissen, cSkaun nichts ohne Sie geschehen und cS würde ganz zwecklos sein, mich zu verrathen."
Oberst Villanueva, der natürlich sehr begierig war, das Resultat meiner Unterredunggleich zu kennen, erschien nach neun Uhr und etwas später kam Dr. Basch, jedoch ohne5000 Dollars, um sich zu erkundigen, wie die Unterredung ausgefallen sei. Als Pa-
lacioS gegangen war, sagte ich dem Doktor, daß die Flucht heute Nacht nicht stattfinden
könne, ich morgen aber Bestimmtheit haben werde, und nicht ohne Hofsnug sei. Zugleichhändigte ich dem Doctor den Siegelring des Kaisers ein. Palacios scheint über meineVorschläge bis Mitternacht nachgedacht zu haben. Dann hatte er seinen Entschluß gefaßt;er ging zu Escobedo und verrieth ihm Alles. Ehe ich am Morgen aufgestanden war,wurde mein Haus bereits bewacht. Es wurde einem Jeden gestattet hineinzugehen; alleinein Jeder, der es verließ, wurde verhaftet. Dieses Schicksal hatte der nichts Böses ahnendeDr. Basch, der vom Kaiser abgeschickt war, welcher sürchtcte, daß mau mir meine zweiWechsel abschwindeln möchte, um sie zu Präsentiren, wenn er erschossen wäre. Um einensolchen Betrug unwirksam zu machen, sendete er mir solgendes, von seiner eigenen Handgeschriebene Papier, welches ich aks Autograph im Original am Schluß beigcbc. „Querc-taro 13. Jan. 1867. Die beiden Wechsel von cinhundcrttausend Pcsos, die ich heuteausgestellt habe für die Obersten Palacios und Villanueva, und die von dem Hanse undder kaiserlichen Familie von Oesterreich in Wien bezahlt werden sollen, sind nur giltig,an dem Tage, an welchem ich durch die oben erwähnten Obersten vollständig gerettet feinwerde. Maximilian," Zwei Diener des Kaisers kamen mit der Botschaft, daß derKaiser mich sogleich zu sprechen wünsche. Ich wußte bereits, daß Palacios sein Ehrenwortund Schwur gebrochen hatte, und daß Dr. Basch arrctirt war, denn ein Offizier vonEscobedo's Stab theilte es mir in einer Note mit, die ich sogleich vernichtete."
Die Prinzessin wurde wegen ihrer Mitwirkung an diesem Fluchtplan als Gefangenenach Sän LuiS Potosi gebracht. Dort machte sie noch die letzten Anstrengungen, dieBegnadigung der bereits Berurtheiltcn von Juarcz zu erwirken. Sie erzählt:
Der letzte Tag vor der Hinrichtung kam; am nächsten Morgen sollte der Kaisererschossen werden. Obwohl ich wenig Hoffnung hatte, so wollte ich doch noch einen Per-