Ausgabe 
28 (20.12.1868) 51
 
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Der Weihnachtsabend

Schon schied der letzte SonnenstrahlDom schneebedeckten Hügel,

Schon senken sich über Berg und ThalDer Nacht schwarzdüstre Flügel.

Sie nahet, sie nahet die heilige Nacht,Bald wird die Stunde erscheinen;

Was hat euch das Christkindchcn mitgebracht?Ihr Kinder, ihr lieben, ihr Kleinen!

In der heimlichen Stube, vom Christbaum

erhellt.

Sich schaarct der Kinder Gewimmel;

Doch draußen ists still in der weiten Welt,Es glänzen die Sterne am Himmel.

Wer weilt in stiller AbcndruhAuf freiem Feld noch so späte?

ES eilt dem friedlichen Dorfe zuDie kleine Margarethe.

Sie friert so sehr, kalt pfeifet der Wind,Kein Ofen winket der Armen.

O eile zum Dorf arm Waisenkind,

Vielleicht hat dort einer Erbarmen.

Ins piUe Dörfchen tritt sie einUnd schwankt zur nächsten Schwelle;

Die Fenster, sie geben so glänzenden Schein:Warum ist es heute so helle?

Zum niedern Fenster tritt sie hinUnd luegt*-) neugierig eine,

Da sieht sie des Christbaums dunkles GrünIn der Lichter hellflackcrndcm Scheine.

Sie schauet der Eltern fröhlich GesichtAn der Kinder Freude sich labend;

Ich arme Waise ich wußte eS nicht,

Heul ist ja der heilige Abend!"

*) schaut.

O heut vorm Jahr, da wars nicht kaltAm liebenden Mutterherzen,

Ein Bäumchcn brachte der Vater vom Wall»Und zündete an viele Kerzen.

Ach Gott ! ja Gott jetzt sind sie todtDie Eltern lieb und bieder!

Ich bettle um ein Stückchen BrodUnd singe keine Lieder."

Jetzt pocht sie an der Thüre sachtEin Almosen dort zu erbitten,

Jetzt hat sie schüchtern aufgemacht.

Ist leise hineingcschritten.

Da lachen vom strahlenden Baume herabViel Acpfcl mit rosigen Wangen,

Hei, Nuß und Lebkuchen, wie viel es da gab kWie schwer ist die Tanne behängen!

Und sehnsüchtig blicket das WaisenkindNach dem strahlenden herrlichen Baume;Von ihrem Aug' eine Thräne rinntUnd sie schaut es nur wie im TraumeArm Waisenkind, so mußt du dortIn dunklem Winkel stehen;

Die Kinder tummeln fröhlich fortUnd du bleibst ungesehen!

Und wieder schleicht sie zur Thüre geschwindIch Arme, hier darf ich nicht weilen!

Ich bin ein verkästen Waisenkind,

Darf der Fröhlichen Freude nicht theilen!Und sie eilet hinaus in die finstere NachtWo die Sterne dem Acrmstcn auch scheinen.Wo der Mond allein mit den Sternen noch

wacht.

Einsam zu den Sternen zu weinen.

H. v. Ow.

Der eigentliche Verräther Andreas Hofer's .

Bekanntlich behauptete Freiherr v. Hormaier in seiner Geschichte des JahreS 1809,daß der edle Hofer von dem Pfarrer Donai in Schlanders verrathen wurde, ohneübrigens hicfür irgend einen Beweis beigebracht zu haben. Obwohl nun Donai dieserBeschuldigung mittelst einer Erklärung des französischen Generals Huard und einer ener-gischen Vertheidigungsschrift entgegentrat, so gelang eS ihm nicht, sich von dem regegemachten Verdachte gänzlich zu reinigen, und mißmuthig verließ er Tyrol, kränkelte undfand, wie man sagt, aus Kränkung einen frühzeitigen Tod. Erst in l»r. Napp's Geschichtedes JahreS 1809 wurde der Verrath Hofer's auf Grund der Aussagen der Gemeinde-