Ausgabe 
28 (20.12.1868) 51
 
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Mitbürger deS SandwirtheS in Passeicr «nd namentlich der Kordonisten Peter Jlmerund Alois Non in St. Martin wahrheitsgetreu berichtigt und als Vcrräther Franz Nasflunter nachfolgender Darstellung des Sachverhalts namhaft gemacht. Wie bekannt, suchteHafer einen bergenden Versteck in der Alpenhüttc des Pfandler, Bauern am BrantacherBerg, wo er durch Vertraute mit allem Möglichen versehen wurde. Bereits am5. Jänner 1810 kam Franz Rasfl, ein übel beleumdeter, in seiner Wirthschaft verkom-mener Bauer und Nachbar des SandwirtheS, zu den vorgenannten beiden Kordonisten,und lud sie ein, gemeinschaftlich den auf Hofcr's Kopf gesetzten Preis von 1500 fl. mitihm zu verdienen, da er besten Versteck wisse, und denselben bei dem General Huardanzeigen wolle. Jlmer widerrieth es ihm und wies ihn an den Landrichter AndreasAuer in St. Leonhard. Letzterer schenkte jedoch der Angabe Nasfl's keinen Glauben,zumal durch Hofcr's Freunbc Briefe des Sandwirthes in Umlauf gesetzt worden waren,wornach derselbe glücklich in Wien eingetroffen und geborgen wäre. Ungefähr vierzehnTage darauf ging Nasfl mit einem Schlitten, angeblich um von seinem Alpcngadcn Heuzu holen, zur Pfandler Alpenhüttc und traf mit Hofer, welcher über diesen Besuch äußerstbetroffen war. zusammen. Hofer bot dem Vcrräther einen bedeutenden Geldbetrag,um sein Stillschweigen zu erkaufen, den übrigens Nasfl zurückgewiesen haben soll. Nacheinigen Tagen verfügte sich Naffl neuerdings zum obgcnanntcn Landrichter welcher ihnnun mit einem amtlichen Schreiben an den General Huard in Meran sendete. Vorseinem Aufbruchc dahin rühmte sich Naffl gegen Jlmer, daß er nun die 1500 Gulden sogut wie im Sacke habe. Unverzüglich wurde Hofer gewarnt und zur schleunigstenFlucht ermähnt, allein er wollte an einen so niedrigen Verrath nicht glauben, und ließsich erst nach längerem Widerstreben herbei, am folgenden Tage sein Versteck zu verlassen.Das war am 27. Jänner und leider schon zu spät. Denn an diesem Tage warbereits eine starke französische Colonue von Nasfl geführt, aufgebrochen, und umzingelteam 28. Jänner um 4 Uhr Morgens die Sennhütte, überraschte Hofer im tiefen Schlafeund schleppte ihn unter empörenden Mißhandlungen nach Besten, und von dort weiternach Mantua, wo der edle Volksheld bekanntlich am 20. Februar erschossen wurde.Für die volle Wahrheit dieser Angaben ist erst in neuester Zeit ein neuer Zeugeausgetreten, indem ein Pasteirer einem Scelsorgspricstcr weinend entdeckte, daß er an demVerrathe des Sandwirthes unbcdachtsamer Weise Mitursache gewesen sei, denn er habe' damals noch Gaisbube dem Naffl den Versteck auf besten listige Fragen ver-rathen, und bald darauf sei der Sandwirth gefangen genommen worden. Es geht darausmit ziemlicher Gewißheit hervor, daß Naffl den Gang zur Pfandler Alpenhüttc nur inder Absicht unternahm, sich die volle Gewißheit über den durch die Mittheilung deSGaiSbuben ihm bekannt gewordenen Versteck Hofcrs zu verschaffen, und daß der Vcrrätherdurch längere Zeit mit allem Vorbedacht sein schmachvolles Vorhaben betrieb. DiePasteirer waren übrigens von der Schuld Naffl's schon vom Anbeginn derart überzeugt,daß derselbe bei der allgemeinen Verachtung, der zu Folge er sich nirgends mehr sehenlasten durste, es gerathen fand, nach Bayern auszuwandern, wo er nach einigen Jahren,allgemein mißachtet, in den kümmerlichsten Verhältnissen gestorben sein soll.

(Gcm.-Ztg.)

Miseelle«.

(Anekdote anS dem Leben Königs Ludwig l. von Bayern.) KönigLudwig schätzte sehr die dramatische Kunst, und sowohl die Künstler als die Künstlerinnen.Als die berühmte Schauspielerin Cramer fünfzig Jahre bei der Bühne war, bewilligteihr der König ein Benefiz, wozu sie in dem StückeDie Jäger" von Jfsland, eineihrer besten Nolleu, die Obersörstcrin, gab. Nach der Vorstellung, die übcrzahlrcichbesucht war, gaben ihr ihre Collcgen ein kleines Fest in dem damals von Künstlern so