408
besuchten Gasthaus „zum grünen Baum" "an der Isar in München . König Ludwigerfuhr dieses und überraschte die Gesellschaft noch um 11 Uhr Nachts. Frau Cramersaß mit dem Nucken gegen die Thüre und konnte den eintretenden König nicht sehen;schnell ging er auf sie zu und hielt ihr mit beiden Handen die Augen zu und sprachmit seiner bekannten etwas stotternden Stimme: „Wer ist das?" — „Ach, das sindSie wieder, L . . .," sprach unter Lachen Frau Cramer, „Sie kopiren den König Ludwigprächtig! ' — „So," rief erstaunt der König, — „Er kopirt mich, daS möcht' ich aucheinmal hören; vorwärts L . kopiren Sie mich." — „Majestät, ich bitte es mir zuerlassen," erwiederte der erschrockene Komiker, doch der König ließ nicht ab, und nachlangem Weigern endlich sprach er: „Ich wünsche es, und Ihr König befiehlt es."
Der Schauspieler verbeugte sich, setzte sich au ein Sciicntischchen und rief — unterder angenommenen Manier König Ludwigs: „Kabinetsrath Niedl soll heraufkommen!"„Bravo!" — rief der König, „Er kopirl mich vortrefflich!" — „Majestät, wünschen?"fuhr der Künstler mit näselnder St mme fort. „Ah, bravo: Ausgezeichnet!" — riefwieder der König, „Er kopirt meinen Niedl eben so gut, ist ein vorzüglicher Menschen-darstellcr, wie Zffland sagt." — „Niedl," fuhr der Komiker in der Rolle fort, „Niedl,schicken Sie morgen aus meiner CabinctSkasse 200 Gulden dem Komiker L. . ., weil erso gut kopirt." — „Spitzbube!" rief der König lachend, „hören Sie auf, brachen michnicht mehr zu kopiren, — doch dieses Mal sollen Sie für Ihre Gastrolle D „grünenBaum" daS Honorar ehalten, — von Ihrem wohlgeneigten König."
Die gebräuchlichsten Redensarten der Völker sind oft ein Spiegelbildihres Charakters. Der Russe sagt „Nilschewo", thut nichts! Der Türke „jok, jvk", istmir glcichgiltig! Beide sind faul und trüge. Der Spanier sagt nins vr mono«, mehroder weniger! Er ist zu schlaff zum Denken. Der Italiener meint: Ilii !o sn! Werweiß! Wissen ist nicht meine Sache, er darf nur glauben. Der Grieche spricht: Eswird wohl noch gehen! und tröstet sich damit, wenn er still steht. Aber der Amerikanersagt: Oo nlimrck! Vorwärts! — spricht fast niemals: ich glaube oder meine, sondernanlculat«;, ich rechne! Und dürfte diese Dreistigkeit wohl nur durch den Mangel anDynastien zu entschuldigen sein, wodurch ihm daS Gefühl der Ehrfurcht vor anderenMenschen gänzlich abgeht, -ll! ringt! — sagt der zähe Engländer, es ist Alles inOrdnung, ich werde schon durchkommen! O'ast In müiiin cliORt;! — das ist dasselbe,meint der Franzose, — Tugend und Laster, v'ust In mama clinso! Wissen und nichtwissen desgleichen, ein Weib ist wie das andere. Alles o'nst In müm« cliosn! — Wirsind doch ^rniuln »ntio»! Am besten charaktcrisirt sich der Deutsche, der „seine liebeNoth hat," in der gangbarsten Kinder-Redensart: „Ich spiele nicht mehr mit!" DerErwachsene machl's ebenso; — wenn ihm persönlich etwas nicht mehr paßt, läßt er dasGanze aus dem Auge. „Ich spiele nicht mehr mit," denkt er, und singt zur eigenenBeruhigung: „Was ist des Deutschen Vaterland?"
Ein Advokat, der, wie man allgemein wußte, ein Feind der Geistlichen war, wolltein einer Gesellschaft einem Pfarrer Eins versetzen, indem er zu ihm sagte: „Sie, geist-licher Herr, sagen Sie uns gefälligst, wenn der Teufet und ein Geistlicher einen Prozeßmiteinander hakten, wer würde wohl denselben gewinnen?" — „Ohne Zweifel derTeufel," sagte der Pfarrer, „denn der hat alle Advokaten auf seiner Seite.
Frage: Welchen Thaler bringt man in kein Portemonnaie?
Antwort: 'aszvhsurtjH UZE
Druck, Verlag und Sted.ickien d,s Rterarijckcn Instituts von l)r. M. Huttlcr.