Nr. SS.
27. Decbr. 1868.
Augsbrrrger
Wehe Dem, der zu sterben gebtUnd Keinem Liebe ges i-enkt batDem Decker, der zu Scherben gehtUnd keinen Durst'gen getränkr bat.
Weihnachtsbilder.
1. Des Festes Ursprung.
Wir befinden uns soeben mitten in der schönsten, wonnereichsten Festzeit des Jahres,in der lieben, frohen Weihnachtszeit. WeihnachtS -Gedanken erfülle» jetzt die großen und diekleinen Herzen, Weihnachtsbilder treten Einem jetzt allenthalben entgegen; möge maneS darum nicht verwunderlich finden, auch hier welchen zu begegnen. Sie sind v»n ver-schiedensten Orten geholt, von je nach Land und Sitte anders gestalteten Nahmen einge-faßt, aber Alle bestrahlt von dem hohen Glanz des Festes, dessen Gewalt sich überallgeltend macht, wo Christen Den bekennen, dessen Ankunft in der Welt jenes feiert. Seitwann aber kennt die Christenheit solche Feier? Wir dürfen eS wohl als allgemeinbekannt voraussetzen, daß das Weihnachtsfest nicht zu den ersten und ältesten der christ-lichen Feste gehört. Wie es aber gekommen, daß ein solches Hauptfest, das uns sonatürlich und unentbehrlich geworden ist, dem wir so gern ei» leitendes Ansehen zuge-stehen, den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung entbehrlich scheinen konnte, DaSdürfen wir wohl als eine passende Einleitung unseren Weihnächtsbildern voranstellen. —Die älteste Urkunde, welche deS WcihnachtsfesteS am 25. Dezember ermähnt, ist einwichtiges, chronographisches Sammelwerk aus Rom vorn Jahr 354, -— das diesen Tagzweimal, als geschichtliche Epoche wie als Festtag, anmerkt. Diese Sammlung enthältnämlich unter Anderem ein Verzeichnis der römischen Consuln vom Jahr 245 der Stadtbis 354 n. Chr., in welches zugleich einige wenige geschichtliche Angaben aufgenommensind, namentlich folgende zu den Jahren: 1 v. Chr.: „Unter diesem Consulat (desCäsar und Paulus) ist der Herr Christus geboren am 25. De,cmber, einem Freitag,dem 15. des Mondes." 2S. n. Chr.: „Unter diesen Consuln (den beiden Geminis)hat der Herr Jesus Christus gelitten, an einem Freitag, den 14. des Mondes." Fernerkommt dort ein Verzeichniß der in der römischen Kirche gefeierten Feste vor, und diesesfängt an: „25. Dezember; Christus geboren in Bethlehem in Judäa ." Vom Abend-land ging dann das Fest erst nach dem Orient über, der bis dahin die Geburt Christi gleichzeitig mit dem Fest seiner Taufe am 6. Januar gefeiert hatte; —- aus einer imJahre 386 zu Antiochia gehaltenen Predigt des hl. Chrysostomus ersieht man, daß dasWeihnachtsfest damals noch keine zehn Jahre dort bestand, aber schon mit allgemeinsterTheilnahme, wenn auch nicht »hne Einwendung, gefeiert wurde. Es fehlt uns hier derRaum, zu diesen frühesten Zeugnissen von der Weihnachtsfeier noch solche Aeußerungenaus früherer Zeit, welche dieselbe geradezu verwerfen, hinzuzufügen, sondern wir gehe»gleich zu der schon oben angedeuteten Frage über, wie die Kirche des WcihnachtsfesteS solange entbehren mochte. DaS erklärt sich aus der ccntralen Bedeutung ihrer anderenhohen Feste, Paschah und Pfingsten, — in denen sich ihr damals im Wesentlichen alle