Ausgabe 
28 (27.12.1868) 52
 
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Gaben dcs VatcrS, Sohncs und Geistes zusammenfaßten. Und was insbesondere den ^Erlöser anging, so setzte man in der Auffassung seiner Person und seines Wortes dieErlösung vorzugsweise in seinen Tod und feierte in den Festen nur die Vollendungseines Werkes durch Tod und Auferstehung Dazu kam, daß in den ersten Jahrhunder-ten der christlichen Acra unter dem Drucke der blutigen Verfolgungen, da das Trachtender Christen mehrein Suchen der zukünftigen Stadt" und ein Warten auf die Zukunft >

des Herrn war, das irdische Leben überhaupt geringer gewürdigt und nicht sowohl der

Eintritt in dasselbe als der selige Ausgang gilt ja doch der Todestag der Märtyrerals deren eigentlicher Geburtstag gefeiert wurde. Wenn aber die Gläubigen es bei >

sich und in Anschlag ihrer eigenen Geburt so hielten, so mochten sie auch weniger ver-

anlaßt sein, den Eintritt des Erlösers in das arme Leben, seine Geburt in Niedrigkeitzum Gegenstände der Feier zu machen. Das Aufhören der Verfolgungen aber, derSieg der Kirche im vierten Jahrhundert mußte hier nothwendig eine Aenderung mit sichbringen. Man gewöhnte sich, das irdische Leben, das nun auch andere Aufgaben fürdas Gottesreich, als Uebung im Leiden stellte, in selbstständigerem Werth und dieGeburt in dasselbe nicht mehr so geringschätzig anzusehen, und die Gläubigen mußtenselbstverständlich dann von der höheren Bedeutung des menschlichen Lebens überhaupt aufdie höhere Würdigung der Geburt Christi geleitet werden. Dem zur Seite ging nunauch eine Fortentwicklung oder Erweiterung des dogmatischen Gedankens. Man würdigtedie Geburt des Erlösers mehr aus seiner Person und seinem Werke selbst. Schon an-gesehene Kirchenlehrer des zweiten Jahrhunderts hatten, einer einseitigen Schätzung seinesTodes zuvorkommend, in tieferer Erfassung des Werkes der Erlösung dieselbe in dasgotlmenschliche, durch Tod und Auferstehung gekrönte Leben des Herrn gesetzt. Sobaldsich diese Gedanken mehr Bahn brachen, mußte auch die Feier der Geburt Christi beiweiterer Entwicklung der nun schon systcmatisirtcn Fcstorduung als nothwendiges und ^zwar zeitlich erstes Glied sich dieser einfügen. Steht nun seit dem vierten Jahrhundert idie Feier dcs Wcihnachtsfestes am 25. Dezember fest, so mag außer den entwickelten ^christlichen Motiven bei den Römern die heidnische Feier des 25. Dezembers, als Geburts- ,tag der unbesiegten Sonne,äiss nnlulis invioti", nicht ohne Einfluß auf die chrono- !logische Bestimmung des Tages gewesen sein; ihre selbstständige Wurzel hatte aber auchdiese in der Anknüpfung anden Tag der Menschwerdung oder Verkündigung Mariä,"den 25. März. Der 25. März aber ist nach dem Kalender des Julius Cäsar der Tag ^der Frühlingsnachtgleichc. Auf diese hat man die Menschwerdung Christi gelegt, abernicht sowohl wegen dieses Jabrpunktes, sondern um der Weltschöpfung willen, die an demTage ihren Anfang genommen haben sollte. Ebenso galt derselbe 25. März als derTodestog deS Herrn. Und so wurde der 2i. Dezember aus dem 25. März abgeleitet,d. h. der Anfang des Lebens Jesu sowohl rückwärts mit der Schöpfung der Welt, als i

vorwärts mit dem Ausgang seines Lebens, mit Tod und Auferstehung, chronologisch >

zusammengeschaut. (Der Einbürgerung des Weihnachtsfestes bei den neubekehrten §Germane» und Kelten mag endlich besonders der Umstand förderlich gewesen sein, daß >sich gleichwie bei den Römern auch hier ein heidnisches Naturfest, die Julfeier, !vorfand, das fröhliche Bcgängniß der Wintersonnenwende, der wicdererwachendcn Natur > ein Fest, dessen Symbolik auf die christliche leicht umzudeuten war. So baute sich !denn auf den verwitternden Trümmern dcs Sonncnkultus, den die Bekehrung schwerlich ^

so vollständig auszurotten vermocht hätte, allmählich und ganz unmerklich die christliche >

Weihnachtsfeier auf, und ehe das Volk es nur gewahr wurde, war dem ursprünglichen !

heidnischen Festgcdankcn ein anderer Begriff substituirt, vor dessen milder Lieblichkeit die s

bachantische Feier dcs Julfcste» mehr und mehr verblaßte. (Ein letzter Abglanz derFreude über dieWiederkehr dcs Lichtes" ist uns im Kerzenschimmer des Weihnachts-Baumes erhalten geblieb«.)