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auf einem iw ägyptischen Museum m Berlin befindlichen Gemälde der Sonnengott demKönige Sesustasar an einem grünen Zweige das gehenkelte Kreuz reicht, das Sinnbilddes höheren, deS ewigen Lebens; — wenn auf dem heiligen Baum des alten Indienwunderbare Vögel sitzen, Honig von ihm traust, wie von der Wcltesche deS Nordens,wir Zuckerwerk und Honigkuchen von unserem Weihnachtsbaum, können wir hier einemgcheimnißvollen Anklang des Eine» Gedankens aus dem Wege gehen? Am alterlosenStrom ragt jener indische Baum in die sonnigen Lüfte „seiu Anblick schon macht jung,-singen die heiligen Lieder von ihm. Und thut der Weihnachtsbaum Dies nicht auch? —Werden wir Alten nicht wieder jung in seinem Anschauen, nicht Kinder wieder, schonwenn wir ihn schmücken und dann, wenn der Jubel unserer Kleinen uns umrauscht. —Halten wir also den Baum fest, der aus so uralten Wurzeln — möchten wir sagen, inunser Volksleben hineingewachsen ist, — und möge uns allen sein lieblich Licht nochrecht oft leuchten!
Die sieben neuen Weltwunder Londons .
Die Hauptstadt Englands ist als Mittelpunkt der Erdhalbkugel, welche das meistefeste Land enthält, auch zugleich der HauptschwingungSknoten des Weltverkehrs auf demMaster, und schon deßhalb mit mehr Einwohnern, als sämmtliche von Preußen anncktirteLänder enthalten, weder eine Hauptstadt, noch überhaupt eine Stadt. London ! Aberwas soll es denn sonst sein? Das ist schwer zu beantworten. Als Bauwerk genommenist dieses London bis jetzt die beste Verwirklichung des Ideales einer Weltstadt, welchezugleich auch die von ihr verschlungenen Hunderte von ehemaligen Dörfern verschönertund gereinigt wiedergeboren hat, und deßhalb eine höhere Einheit der Gegensätze vonStadt und Land. Dagegen muß man Berlin eine Stadt in einseitigster, unangenehmsterBedeutung nennen. Sie verschlingt die Dörfer mit ihren Gärten und Feldern umherund zugleich auch alle gesunden Plätze mit Lust und Licht, Rasen, Bäumen und Blumeninnerhalb und gibt ihnen alle Unannehmlichkeiten des Stadtlcbcns, ohne einen ein»zigen Ersatz für die verzehrte Ländlichkeit und Gesundheit zu bieten. Innerhalb derhundert englischen Quadratmeilen, welche London bedeckt, finden wir nicht nur unzähligeTausende von Billas, Häusern und Häuschen für je eine Familie mit Vor- und Hintcr-gärtchen, welche nur durch niedrige Wände oder lebendige Hecken getrennt, nicht seltenmastenweise zusammenhängen und so für alle Bewohner ringsum den Gesundheits- undSchönheitswerth großer Gärten und Parks haben, sondern auch außerdem zusammenhängendeausgedehnte Parks innerhalb der Stadt, auf denen allein das ganze Berlin Platz habenwürde. Diese Parks enthalten alle Wonnen und Schönheiten ländlicher, lachenderGesundheit mit Ausschluß alles Bäuerischen und sonstiger Unannehmlichkeiten des Dorf-lcbcnS. So kann man in London auch mit geringen Mitteln schöner wie auf dem Landewohnen und doch zugleich auch alle Borzüge des kultivirtcstcn, weltstädtischen Lebensreicher und bequemer genießen, als irgendwo. Von jeder Gegend und Entfernung derStadt sind fast immerwährend nach jedem anderen Theile zu Master und zu Lande, unterund über der Erde unzählige Tausende von wirklichen Dampfpfcrdckräften in regelmäßigerlebhafter Bewegung, wie das Blut in den Adern eines gesunden, tüchtigen Menschen,und erhalten durch alle Theile dieses Riescnkörpcrs hindurch einen so raschen und leichtenUmlauf, daß jedes Blutkügelchen, jeder einzelne Mensch jederzeit Gelegenheit hat, dahinzu eilen, wo er sich am nützlichsten und angenehmsten machen und den meisten Vortheildavon beziehen kaun. Unter allen Weltwundern der alten und neuen Zeit bilden dieVcrkehrseinrichtungen Londons gewiß das größte. Die Tausende von Droschken undOmnibus verstehen sich von selbst; aber wie sie fahren und stiegen, besonders die zwci-rädcrigen Sichcrheitsdroschken, sich durcheinander hindurchwinden, ohne sich in vier-, fünf-,