Ausgabe 
28 (27.12.1868) 52
 
Einzelbild herunterladen

sechsreihigcm Gedränge gegenseitig zu zermalmen, und diese unzähligen Arten von genial,je für ihre Zwecke gebauten Wagen dies Alles zusammen bildet ein alltägliches Wunder,über welches unsere deutschen Kutscher am meisten erstaunen würden. Auch die auf derThemse wie Schwalben umherfliegenden Dampf-OmnibuS setzen uns, wenn auch zumhundertsten Male gesehen, in Erstaunen. Doch sind sie ebenfalls etwas Altes und selbstmit den über der Stadt uud den Straßen immerwährend hin und her donnernden Eisen-bahnzügen und ihren mehr als hundert Stationen in der Stadt ist der Welt weit uudbreit längst bekannt. Sogar die große unterirdische Eisenbahn ist durch Beschreibungenund Abbildungen aus dem Bereiche interessanter Neuigkeiten verdrängt worden. Wer aberlange nicht in London gewesen und keine neuesten Schilderungen darüber gelesen, wirdgewiß gestehen, daß das jetzt sich bildende und zum Theil schon vollendete unterirdischeGewinde von festgemauerten Dampfvcrkchrsstraßen unter den hundert Gcviertmcilen derStadt zu den neuen Weltwundern erster Klaffe gerechnet werden muß. Wir wollen aberdiese noch nicht vollendete Unterwelt nicht weiter schildern, sondern uns begnügen, eineHerzkammer derselben, eines der neuesten von Stein und Eisen gedichteten Ricsenmärchcnsim Mittelpunkt der Stadt, etwas näher zu betrachten. Es ist her neue Schmithfild-Flcischmarkt, genau auf der Stelle des alten, unter welchem unterirdische Eisenbahnenvon den verschiedensten Bahnhöfen her sich in riesigen Gewölben treffen und kreuzen unddurch allcrqand hydraulische Hcbelmaschincn mit dieser neuen Welt in unmittelbarer Ver-bindung stehen. Dieser neue Smithfieldmarkt wird wahrscheinlich bereits feierlich eröffnetsein, ehe d cse Zeilen gedruckt sind. Er bildet ein großes, längliches Viereck von der-selben Ausdehnung, wie der unterirdische Centralbahnhof gerade darunter und bedecktbeinahe drei Morgen in seinem würdigen römisch-dorischen Baustile, seinen Haupt- undNebenstraßen, seinen Läden und zweistöckigen Gebäuden. In den Ecken des Platzes er-heben sich fünfundzwanzig Fuß im Geviert hohe Glockenthürme mit kupfergedccktcn spitzigenhohen Domen. Die Hauptstraße, von siebenundfünfzig Fuß Breite, läuft, von sechs18 Fuß breiten Qucrwegcn durchschnitten, in der Mitte dahin. Die dadurch gebildetenrechtwinkeligen Plätze sind mit 162 offenen Verkaufsstellen vou je 35 Fuß Länge nnd15 Fuß Breite ausgefüllt und wie die Straßen dazwischen, durch luftigen, lichten Ueber-bau gegen Wind und Wetter geschützt; aber von allen Seiten ist der Lust der srciestcZutritt und Abgang offen gelassen. Die Verkaufsstellen haben blos feste Hinterwände,da die beiden Seiten aus luftigen, durchbrochenen Eiscngittern bestehen und die vor derFront nur durch riesige Keulen und ganze Hammel an den Seiten und von oben herabsehr zweckmäßig und einladend in ihrer sonstige» Offenheit etwas beschränkt werden. Ueberjeder dieser Musterbuden befinden sich noch von mehr als tausend zierlichen Eiscnsäuleugetragene Räumlichkeiten für Privatzwccke, Buchführung, zur Noth auch Wohnung derFleischhündlcr. Ueberall sieht man blanke Hähne, die, geöffnet, frisches Wasser sprudelnoder schmutziges ableiten. Innerhalb der vier Thürme kann man das beste Fleisch inallerhand appetitlicher Zurichtung genießen und hinterher trinken, lesen und rauchen.

Der ganze ungeheure Marktplatz ist von der Mitte her aus einer Höhe von 54 Fußdurch ein von luftigen, leichten eisernen Bogen getragenes Dach geschützt; aber das Lichtdringt von allen Seiten durch 92 7 Fuß hohe und breite zierliche eiserne Arabcs-kenvergitlcruiigcn im lustigen Wettspiele mit der Luft aus und ein. So hat der Eng-länder mit seinem praktischen Sinn der besten Fleischvertilger aller Nationen, für seinetägliche Hauptnahrung einen wahrhaften Niesentempcl geschaffen, den wir anständigerweisedurchaus nicht mehr Markt nennen dürfen. Den soliden lebendigen Unterboden, auswelchem die Flcischmaffen gewissermaßen wie durch Zauberei hervorquellen, besuchen wirwohl ein andermal. Jetzt bewundern wir nur noch die solide Holzpflasterung unter unserenFüßen, den sehr praktischen Parquctboden, auf welchem die Füße viel elastischer tretenund die hindurchsahrenden Wagen leichter und geräuschloser paffircn, als auf dem bestenSteinpflaster. Das Knattern und Donnern draußen mildert sich hier z« einem molligen