Nro. 3.
17. Januar 1869,
Im Auslegen seid frisch und munterLegt ihrs nicht aus, so legt was unter.
GSthe.
Gerächt und gerichtet.
(Fortsetzung.)
Obwohl Nose dem Bauer Stillschweigen gelobt, war sie doch nicht WillcnS, es zuhalten. Zwar freute sie sich, daß Georg durch die Liebe zu Mariannen in ein solchesUnglück gestürzt worden, aber sie gönnte der Letzteren auch nicht ihren guten Ruf; dieHeuchlerin, die ihr so schlau den Geliebten entrissen, sollte nicht ihre Schande verheiln-lichcn dürfen, dafür mußte sie sorgen. Sie wollte die Sache geschickt unter die Leutebringen, und machte deßhalb am andern Tage, da es Sonntag war, bei ihrem einzigenVerwandte», den sie im Dorfe hatte, einen Besuch. Es war der arme Leinweber, deram Morgen jenes schrecklichen Tages noch nüchtern gewesen, wie sein Freund gesagt.Der Leinweber war nicht allein, seine beiden Freunde waren bei ihm und alle Dreispielten Karten. Nose wurde mit jener völligen Nichtbeachtung empfangen, wie sie esschon gewohnt war. Niemand dankte auf ihr „guten Tag," es wurde ruhig weiter ge-spielt und die Kleine hockte still auf die Ofenbank und betrachtete mit Aufmerksamkeit dasSpiel. Schade, sie hatte gehofft, die Frau des Leinewebers zu treffen, die, eine Hebamme,am geeignetsten schien, ihren Bericht unter die Leute zu bringen, und sie wartete mitUngeduld auf deren Kommen, dabei horchte sie ausmcrlsam auf das abgerissene Gesprächder Spieler.
„Ich frage," rief der Weber, — „ich paffe," der junge Mensch. — „Ja, ich paßauch, daß sie mit dem Kerl ein Ende machen," bemerkte der Maurer.
„Oh, das kann nicht mehr lange dauern," cntgcgncte der junge Mensch, „spiel TuauS, Weber, es war doch ein Glück."
„Er kann doch noch loskommen," — meinte der Weber, — „und es wäre auchschrecklich —"
„Alter Narr," rief der Maurer, „kannst Du das Winseln nicht lassen, der Georg
muß daran glauben und darf nicht loskommen — spiel nur aus!"
„Aber er ist doch unschuldig," ließ sich Rose von der Ofenbank aus vernehmen.Alle Drei blickten halb verwundert, halb entrüstet auf den KobKd, der sich in ihr Gesprächzu nnschcn wagte. „Was weißt Du, Haidclcrchc!" rief der Maurer und lachtegezwungen. «»
„Doch, ich weiß es," cntgcgncte das Mädchen keck, „er ist gewiß nicht der Mörder,denn er ist bis die Nacht um 1 Uhr bei seiner Geliebten gewesen."
Rose hatte ein neugieriges Weitcrforschcn nach Namen, und wie sie zu dieser
Wissenschaft gekommen, erwartet, und schlenkerte sorglos ihre Füße hin und her; statt
besten fühlte sie sich Plötzlich von zwei derben Fäusten am Halse gefaßt, und ei» Paarwuthfunkclndc Augen ruhten durchbohrend auf ihr. Es war der Maurer, der ihr mitbebenden Lippen ein „schweig" zudonnerte, und sie vielleicht mit seinen nervigen Fäusten