Ausgabe 
29 (17.1.1869) 3
 
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rrwürgt und ihr die Kehle für immer zugeschnürt haben würde, wenn nicht der Weberdazwischen gesprungen wäre.

Bist Du verrücke, was kann das Kind dafür?" rief der Weber.Laß sie los,sie erstickt ja!" Der Maurer schien sich zu besinnen und gab die Kehle des überraschtenMädchens frei. Jede Andere würde von diesem Plötzlichen wilden Anfall außer Fassung«nd ohnmächtig zusammengebrochen sein; Rose aber sah sich kaum aus den Händen ihreswilden Gegners erlöst, als sie, wie sie es gewöhnt, die Flucht ergreifen wollte. DerMaurer war jedoch schneller als sie, er stürzte rasch auf sie zu und hielt sie fest.Hier bleiben, Kobold!" herrschte er ihr zu,Du wirst kein Wort sagen von dem, wasDu weißt oder!" er machte eine drohende Bewegung.

Laß sie doch, das schadet ja nichts, und der arme Kerl käme wenigstens kos,"bemerkte der Weber. Der Maurer warf ihm nur einen halb verächtlichen, halb drohen-den Blick zu, und wandte sich wieder an sein armes Opfer.Nose, wirst Du.schweigen?"

Ich will es," stotterte das Mädchen.

Nun, es wird auch Dein Glück sein; kommt etwas heraus, so drehe ich Dir denHals herum!"

Ich werde gewiß nichts sagen," betheuerte das Mädchen eingeschüchtert, und krochfurchtsam hinter die Hölle, während die Freunde sich wieder an den Spieltisch setzten.

Nose hatte ein eigenes Unglück mit ihren Mittheilungen, es war fast rüthselhaft undsie grübelte lange darüber nach, beschloß aber, nun doch zu schweigen.

Von dem Verlaufe der Untersuchung drangen nur wenige, und noch dazu höchstverworrene Nachrichten in's Dorf. Bald hieß es, Georg habe Alles gestanden, bald, ermüsse freigesprochen werden, denn man bekomme aus ihm nichts heraus, und endlich verlorsich daS Interesse an der ganzen dunkeln Geschichte. Nur Marianne horchte mit fieber-hafter Spannung auf jedes Wort, das über das Schicksal des Angeklagten verlautete.Sie war seit jenem fürchterlichen Morgen nicht mehr zur Ruhe gekommen, ihre Seeleschien sich in den peinlichsten Kämpfen abzuquälen. Sie hatte ja Niemand, dem sie sichvertrauen, den sie um Rath fragen durfte, selbst ihren Vater nicht, und doch lastete esso schwer und vcrhängnißvoll auf ihrer Brust und drängte zu einer Entscheidung. Wieoft halte sie mit einem Bekenntniß aus den Lippen vor ihrem Vater gestanden, aberseine strengen, finsteren Züge bannten jedes Wort. Marianne war eine schwankende,schüchterne Natur, die sich unter den rauhen Händen ihres Vaters wie ein schwaches Rohrbeugte. Uud jetzt sollte sie es wagen, eine Mittheilung zu machen, die ihren Vater indie höchste Wuth versetzen mußte? Eigentlich war sie kein echtes Baucrmädchcn, nichtderb und frisch, nicht voll Gesundheit und Leben strotzend, sie war das echte Kind ihrerMutter, einer zarten, hübschen Städterin, die ihr Vater, vielleicht vvm Gegensatze ange-zogen, aus Liebe gchcirathet seinen Eltern zum Trotz. Aber die Ehe war keineglückliche gewesen, und die junge Frau nach wenig Jahren gestorben. Da hatte dennder Bauer Konrad die Erfahrung gemacht,baß es mit der Liebe nicht weit her, daßdas Alles dummes Zeug" und es besonders nicht gut thue gegen den Willen derEltern zu heirathen, darum hatte er auch so entschieden bei der Wahl seiner Tochterseinen Willen durchgesetzt, den freilich der Tod, oder vielmehr ein fürchterliches Ver-brechen, durchkreuzt.

War Georg wirklich der Mörder? Hatte er sich von Haß und Eifersucht so weithinreißen lassen, seinen Nebenbuhler einen Tag vor der Höchst aus dem Wege zuräumen? Der alte Bauer glaubte es und es brannte tief in seine Seeledie Schmach,baß um seiner Tochter willen ein Mord geschehen; aber kein Laut kam über seine harten,jetzt mehr als je geschlossenen Lippen.

Wohl war Marianne inzwischen auch vernommen worden, sie hatte Georgs Unschulddarlegen, so Manches zu seiner Vertheidigung anführen wollen, aber der eigensinnige und