Ausgabe 
29 (17.1.1869) 3
 
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gegen Georg auf's Höchste erbitterte Jupizrath hatte sie stets zur Ruhe gewiesen und ihraus's Strengste befohlen, nur seine kurzen Fragen ohne alle Umschweife zu beantworten.Trost- und rathlos saß sie seitdem daheim, vergeblich sich zu dem Entschlüsse aufraffend,ihrem Vater die Vorgänge jener Nacht zu bekennen, und damit Georgs Unschuld zu be-weisen. So waren einige für Marianne quäl- und Pcinvolle Wochen vergangen; da kameines Tages die Schneiderin Bertha Perry die Anfertigerin des nutzlosen Hochzeits-kleides aus der Stadt znm Besuch. Sie war, wie immer, recht bescheiden und zu»thunlich, wie es alle Dorf-Schneiderinnen sie arbeitete meist auf dem Lande seinmüssen, und nachdem sie von allem Möglichen geplaudert, begann sie endlich:WeißtDu, wie es dem armen Georg geht?"

Nein," entgegnete Marianne hastig, und ihr Auge glühte in Erwartung frohererNachrichten.Kommt er los?"

Warte nur, ich muß Dir Alles erzählen," entgegnete die Schneiderin,aber Dumußt zu Niemand davon sprechen, das ist noch ein Geheimniß."

O, ich wzll gewiß schweigen," bemerkte Marianne eifrig,ich versprech' Dir'sheilig."

Die Schneiderin rückte mit ihrem Stuhle ganz dicht an Marianne und begann ge-heimnißvoll zu flüstern:Du kennst doch den Herrn Protokollführer, der immer mitdem Gerichtsralh herauskommt?"

Den kleinen Bucklige»? freilich kenne ich ihn!"

Nun, bucklig ist er wohl gerade nicht," entgegnete Bertha Perry empfindlich,erhat nur vom vielen Sitzen eine hohe Schulter bekommen; das schadet nichts, er ist eingrundgcschcidtcr Mensch und"

Aber Du wolltest mir ja von Georg erzählen?" unterbrach sie Marianne unwillig.

Warte nnr, das kommt Alles," fuhr die Nätherin mit Wichtigkeit fort.Ver-gangene Woche hatte ich Arbeit in der Stadt denke Dir bei einem Land- undStadt-Gerichts-Canzlci - Assistenten, dorthin kam der Herr Protokollführer denn dassind gute Freunde "

Weißt Du wirklich etwas von Georg," unterbrach sie Marianne von Neuem,sosag' mir'S, aber marl're mich nicht länger; wüßtest Du, wie mir die Ungeduld amHerzen zehrt."

Ach, Du läßt Dir nichts ordentlich erzählen," entgegnete die Nätherin gekränkt,ich muß es Dir doch sagen, wie Alles gekommen, wie glücklich ich bin, der Herr"

Nein, nein! nur von Georg! was geht mich der bucklige Schreiber an."

Doch, Marianne, doch! Denn ohne den Herrn Protokollführer Meyer meinenBräutigam erfährst Du nichts," dabei blickte die Nätherin triumphirend aufMarianncn's Gesicht, um sich an ihrer grenzenlosen Ucberraschung und Verwunderungüber eine solche Nachricht zu weiden. Marianncn's Antlitz aber blieb nach wie vor nurängstlich gespannt auf die erwarteten Berichte, und deshalb entgegnete sie nur kurz:So, das ist ja recht hübsch, ich gratukirc also von dem hast Du's erfahren, wie'Sdem Georg geht?"

Ja wohl, er sagt mir Alles," entgegnete die Schneiderin, und sie freute sich jetzt,dem reichen, stolzen Baucrnmädchen, das sich über ihr Glück nicht einmal verwunderte,dafür auch eine recht trübe Nachricht bringen zu können.O, dem Georg geht's schlecht,er sitzt jetzt im finstersten Loch und ist schon gepeitscht worden." . '

Das junge Mädchen sprang wie von einer Natter gestochen auk und rang dieHände:Gepeitscht! o, er ist unschuldig, sie müssen ihn loslassen," jarsi','erte sie.

Ja, das hilft ihm nichts," entgegnete die Nähtcrin,der Henx Protokollführer,mein Bräutigam, hat mir's gesagt, so lange er nicht gesteht, wo er Abend gewesen',

so lange kommt er nicht loS, es sind zu vieleWindezichen" sie meinte Jndicicn_

wie mein "