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Heimathdorfe um so mehr; ihr Ruf war für immer befleckt, und geschäftige Zungen gernbereit, ihn noch tiefer in den Koth zu treten.
Mariannens Vater war außer sich; er hatte noch immer gehofft, seine Tochterwürde nicht einen solchen Wahnsinn begehen, und jetzt hatte sie es doch gethan, und dengrößten Schimpf über sich und ihn gebracht. Er fühlte sich davon tief niedergedrückt,aber noch mehr davon, daß Marianne nicht mehr zu ihm zurückkehrte. Mit seinerDrohung war es ihm doch nicht Ernst gewesen, er halte damit nur einen letzten Trumpfausspielen wollen, um Mariannens Vorhaben unmöglich zu machen. Jetzt hatte Marianne,getäuscht von der sonstigen Entschiedenheit und Festigkeit des Vaters, diese immerhin nurleere Drohung für volle Wahrheit genommen und damit dem Allen eine tiefe Wundegeschlagen.
(Fortsetzung folgt.)
M i s e e l l e n.
* Charles Dickens Wochen - Magazin „^11 t I> e V e a r k o u n ck^ enthältinteressante Angaben über „hohe Preise," die in alten Zeiten für Bücher und Musikaliengezahlt wurden. Ein Exemplar des Romans „lm liose" von Guillaum de Morris,das der Herzog von Hereford (später Heinrich lV.) seiner Gemahlin Mary Bohun schenkte, kostete 400 goldene Kronen, nach heutigem Gelde etwa 700 L. - Sterl. DasGebetbuch, welches Karl VI. von Frankreich der Herzogin von Burgund im Zahr 14 t2verehrte, kostete 600 goldene Kronen, und die e Summe mußte aus Befehl des Königsdie Vice - Grasschaft Bayeux ausbringen. Zn 1430 bei der Krönung Hei rieh VI. vonEngland als König von Frankreich in der Notre-Dame-Kirche zu Paris , überreichte eineDeputation Pariser Bürger dem Regenten Bedford drei Werke über Nilterwesen, unddem jungen Monarchen fünf. Der Werth dieser 8 Bände zusammen genommen wurdeauf 2400 Kronen geschätzt, und es heißt, daß der Herzog von Bedford, einst in Geld-Verlegenheit gerathen, dieselben für etwa ein Drittel obiger Summe verkauft hat. EineMusikalien-Rolle, welche 1441 für die St. Stcphans-Kirche zu Caen angekauft wurde.Verursachte eine Ausgabe von 22 Sols (Silberpcnce) — „der Werth von 10 ScheffelnWeizen." Als im Jahre 1426 der Bischof von Poiticrs, Simon de Gramand, dein-Jakobiner-Kloster zu Poiticrs ein zweibändiges lateinisch-französisches Wörterbuch verehrte,wurde im OrdcnSrathe feierlich beschlossen, „als Zeichen der Dankbarkeit für ein soprächtiges Geschenk täglich „nck-porpnluilutnm" Gebete für den Bischof zu recitircnund nach seinem Tode am ersten Sonntag eines jeden Monats in der Kloster-KircheMessen für die Seelenruhe des Verstorbenen zu lesen."
(Wer hat Nager Williams verspeist?) Stcelc erzählt in seinen„14 Wochen in der Chemie" folgenden haarsträubenden Prozeß aus der organischenChemie, der uns so recht an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert und von deinewigen Kreislauf des Stoffes eine schmackhafte Probe gibt: Um dem Gründer desStaates Nhode-Island, Rogcr Williams, ein Paffendes Monument zu errichten, wurdedie Familiengruft nach seiner und seiner Gattin Reiche, resp Skelett durchsucht; doch warabsolut Nichts zu finden, als die verrosteten Nägcl und Sargbcschlüge in dem einen,und ein Stück Haarflechte im andern Grabe. Die Außcnlinien der Sarge konnte manan einem stark kohlenstoffhaltigen Niederschlage erkennen. — In der Nähe der Gräberaber stand ein Apselbaum, dessen beide Hauptwurzcln mitten in die Ruhe der Todtenhinabgestiegen waren. Die größere derselben hatte sich genau an dem Platze durchgear-beitet, wo Rogcr Williams Schädel einst lag, und zeigte eine Krümmung, als ob siesich erst um denselben hcrumgcschlängclt hätte und dann der Wirbelsäule gefolgt märe bisan die Hüflknochcn. — Beim Ansätze des Kreuzbeins theilte sich die Wurzel, und beide