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er betete nicht mehr zu Gott und glaubte sich von ihm verlassen, und damit war seineletzte Widerstandskraft dahin; im bittern Gefühl seines unabwendbaren düstern Schicksalsbekannte er sich im nächsten Verhör für schuldig.
Der alte Justizrath sprang freudig in die Höhe und rief mit unheimlich funkelnde«Augen: „Hab' ich Dich mürbe gekriegt. Du Wetterkcrl! Ja, daS hat Arbeit gemacht!Du bekennst Dich also zum Mörder des Müllers?"'
„Ja, ich bin mürbe geworden," entgegnete Georg mit mattem Lächeln, „ich sehnemich danach, den Kopf auf den Block zu legen, damit ich doch weiß, daß ein Teufel dieWelt regiert, der sich an unseren Qualen ergötzt."
„Schwatze nicht solche Blasphemien," bemerkte der Justizrath freundlich, der diegute Stimmung seines Jnkulpaten nicht vorübergehen lassen wollte. „Weißt Du auch,was Du sagst? Daß hier kein Widerruf mehr gilt? Du bekennst Dich schuldig?"
„Ich bekenne mich schuldig," war die tonlose Antwort.
„Du erklärst zu Protokoll, daß Du der Mörder des Müllers?"
„Nein, das bin ich nicht," entgegnete Georg mit wieder erhobener Stimme.
„Mensch, Du bleibst der abgefeimteste Schurke, der je vor Gericht erschienen! HaftDu dies nicht erst bekannt?" brauste der Justizrath auf.
„Ich bekenne mich schuldig, weil ich —"
„Willst Du mich verrückt machen?" unterbrach ihn der Justizrath. „Du hast Dichzum Morde bekannt und mußt noch gestehen, wie Du ihn vollführt!"
„Muß ich das auch noch?" fragte Georg bitter.
„Sei vernünftig," redete der Justizrath zu, „mache ein offenes Geständniß; eS istja doch nun Alles vorbei."
„Ja wohl, es ist Alles vorbei; aber was soll ich denn bekennen?"
„Wie Du das Ganze eingefädelt. Du hast ihn gerufen, ihn herausgelockt — aberwie? Nur heraus mit der Sprache! Nicht wahr? Du riefst: Diebe! Mörder!"
„Ich rief so."
„Und als der Müller erschrocken hinausstürzte, stelltest Du Dich hinter die Thür,«in einziger Schlag mit dem Beile, der nichtswürdige Nebenbuhler war todt. — Ist'«nicht so?"
„Es ist so."
„Und wo ließest Du das Beil? — Daß man Dir auch Alles abfragen muß? —Warfst Du es in's Wasser?"
„Ja wohl."
Der Justizrath rieb sich vergnügt die Hände; die ihm schon längst lästige Unter-suchung war nun doch glücklich beendigt; er diktirte seinem Schreiber, dem Herrn Meyer,das Protokoll, in dem er so klar und ausführlich das Bekenntniß und den Thatbestandauseinanderlegte, daß Niemandem ein Zweifel an der Schuld Georg's bleiben konnte.Es erfolgte seine Verurtheilung zum Tode, und da er auf Einlegung eines Rechts-mittels verzichtete, auch die Bestätigung des Urtheils durch den Landesfürsten. „SiehstDu, armer Bursche, was schlugst Du Dich mit zarten Empfindungen herum! Wassagtest Du nicht bald die Wahrheit? Was ist denn an dem Rufe einer Bauerndirneviel gelegen? Bauern dürfen nicht Bücher lesen und ein solch' Gefühlsleben haben; Dirgeschieht schon recht. Du bist gerichtet!"
IV.
In dem Heimathdorfe Georg's jubelte Alles über das endliche Geständniß desVerbrechers, das ja zu dem Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung die Aussicht böt.Nur ein Mann schien von dieser Nachricht tief erschüttert, es war der lustige Weber,der au jenem Morgen vor der Mühle so still gewesci's und seit jener Zeit wie umge--wandelt schien. Er lachte und scherzte nicht mHr, ein ewiger Trübsinn ruhte über seiner