Ausgabe 
29 (24.1.1869) 4
 
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und, verbunden mit den Drohungen des Maurers, hatte das kluge Mädchen die Ueber«zeugung gewonnen, daß der Mörder des Müllers ganz wo anders zu suchen sei, dennochhatte sie die Furcht vor dem Maurer schweigen lassen, aber sie suchte auf anderem Wegefüran den Taglcgung" von Georg's Unschuld zu wirken. Nose war in neuester Zeitoft zu dem Weber gekommen und hatte ihm in's Gewisien zu reden gesucht, nicht geradedirekt, aber der Weber hatte sich förmlich erleichtert gefühlt. Jemand zu haben, der voneiner unbekannten Schuld, die ihn drückte, zu wissen schien. Heute jedoch, wo es dieEntscheidung galt, ging Nose in ihrer eigenthümlichen Weise auf ihr Ziel los. DieLiebe für den ihr noch immer theuren Georg verscheuchte die geringe Furcht, die sie nochvor ihrem Vetter hatte.Ihr müßt ihn retten!" rief sie gleich bei ihrem Eintritt inwilder Aufregung.

Was willst Du? Ich?" fragte der Weber bestürzt, und augenblicklich wissend,was sie wollte.

Ja, Ihr müßt es, denn er ist unschuldig, das wißt Ihr am besten, ja, ja, Ihrmüßt ihn frei machen," wiederholte Nose und sprang in gewohnter Weise wie ein Koboldvor ihm herum.

Ich weiß nicht, Rose," eutgegnete der Weber stockend.

O, thut es, macht Euch selbst frei" sie hielt mit Tanzen innc, sprang aufeinen Stuhl und, ihn mit ihren unruhig funkelnden Augen tief und lange ansehend, alskönne sie in seinem Herzen lesen, fügte sie, den Arm nach dem Fenster ausstreckend,hinzu:Die Sonne bringt es an den Tag!"

(Fortsetzung folgt.)

Die Vögelcin au die Menschen.

Der Schnee liegt tief kein Futter mehr!Nun kommen wir zu Euch

Wir sind an Trost und Hoffnung leer,

An Liedern sind wir reich!

Wir armen, armen Vögelein,

Wir bitten Euch um Brod,

Und sollt' eS nur ein Krümchen sein

Wie groß wird's in der Noth!

Wir armen, armen Vögelcin,

Wir waren reich vordem

Ach, wenn nach LenzessonnenschcinDoch nicht der Winter käm'!

Euch Menschen geht's wohl ebenso!

O daß in Winterszeit

Nicht Eure Jugend lieb und froh

Dereinst wird zugeschneit!

Ihr Kindlcin, spart den Bissen Brod,

Spart ihn für uns und Euch,

Er thut so wohl uns in der Noth,

Er macht den Armen reich.

Streut uns vor Euer Fcnsterlcin,

Was Euch in Fülle blüht

Bald wird es wieder Frühling sein.

Dann dankt Euch unser Lied!