Ausgabe 
29 (31.1.1869) 5
 
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welch' ein Anblick bot sich ihr dar! Ihr Mann lag, in seinem Blute schwimmend, amBoden, und schien dem Verscheiden nahe. DoS Fenster und der Laden waren zertrümmert,ein Paar dunkle Gestalten flohen über das vorn Monde weit erhellte Feld. Die Weberinstieß einen furchtbaren Angstschrei aus und warf sich laut jammernd über den Körperdes Erschlagenen.

Bald füllle sich die Stube mit Menschen aus der Nachbarschaft, die von demwilden Geschrei der armen Frau herbeigezogen worden. Ein Gerichtsmann war zufälligunter ihnen und ordnete unterdcß das Holen des Arztes und des Justizrathes au. DerWeber war schwerlich zu retten, er blutete aus mehreren Stirnwunden, die ihm wahr-scheinlich mit einer stumpfen Axt beigebracht sein mußten, auch sein übriger Körper warschrecklich verstümmelt. Den rechten Arm hatten ihm die Mörder völlig zerschmettert, undan der Schulter klaffte eine Wunde. Es war ein schrecklicher Anblick und stimmte selbstdie rohesten Herzen zum Mitleid. Der Weber mußte mit den Mördern einen hartenKampf bestanden haben, dafür zeugten seine Wunden, und die Unordnung in der Stube,alles Hausgeräth war verrückt, bunt herumgeworfen und zertrümmert. Wer konnten dieMörder sein? Und zu welchem Zweck war die gräßliche That geschehen? Diese Fragenbeschäftigten alle Gemüther. Der Weber war, wie allgemein bekannt, arm und imGrunde ein friedfertiger Mann, der im ganzen Dorfe keinen Feind hatte. Zu welchemZwecke sollte man ihn erschlagen haben? Uud dies Geheimniß vermehrte noch das Grauenund Entsetzen über die blutige That. Die Frau des Webers raffte sich zuerst auf, siebat sich die Hilfe einiger Umstehenden aus und ließ den blutenden Körper auf ihr Betttragen, dann verband sie ihn, so gut wie ihre zitternden Hände es vermochten, undlegte ihm kühlende Umschläge um die Stirn. Ein mattcS Augenausschlagen ihres Manneslohnte ihre Mühe. Schon nach einer halben Stunde kam der Arzt; seinen Bemühungengelang es, den armen Mann noch einmal zum Bewußtsein zu bringen. Etwas späterlangte auch ein GerichtSbcamtcr an; nicht der alte, polternde Justizrath, sondern einjunger Assessor, ei» Hilfsarbeiter des Rathes, den er zur Ermittelung des Thatbestandesabgeschickt hatte. Trotz der Schwäche des Webers ließ es sich der Assessor nicht ver-drießen, zu seiner Vernehmung zu schreiten, da ihm der Arzt bekannt gemacht, daß dieAugenblicke des Verwundeten gezählt. Nur nach längeren, oft Viertelstunden dauerndenPausen, vermochte der Weber seine Aussage hervorzulispeln. Sein Bekenntniß war zuAller Uebcrraschung Folgendes:

Der Maurer und sein Vetter sind meine Mörder, sie haben meine Frau sort-gelockt und wollten mich erschlagen, damit ich still sei. ... Ich kann's nicht längerGeorg ist unschuldig er hat den Müller nicht ermordet, wir Drei waren es. DerMaurer hatte mir so lange zugeredet, do.t einzubrechen- ich wußte nicht, daß sieAexte mitnahmen bei Gott, Herr Assessor, ich wußte es nicht. Der Maurer hatteerfahren, daß der Müller viel Geld zu Hause habe und mit der Mutter fortgcrcist sei,und wir sollten die Gelegenheit benutzen. . . . Als der Maurer zuerst in die Kammerstieg, sah er das Gesicht des Müllers. Er wollte, erschrocken, sich eben so leise zurück-ziehen, wie er gekommen; aber er zerstieß eine Scheibe und der Müller erwachte. Kaumdaß der Maurer wieder auf dem Boden, öffnete sich schon die Thür der Mühle und derMüller stürzte im Hemd heraus, unS zu verfolgen ... der Acrmste verließ sich aufseine Riesenkräfte ... er war dem Maurer am nächsten auf der Ferse, und nur nochwenige Schritte von ihm entfernt da drehte sich der Maurer Plötzlich um und schwangseine Axt noch stand der Müller aufrecht. . . aber schon eilte der Vetter des Maurersherbei und führte den zweiten Schlag . . . wir wurden aus Dieben Mörder! Gott , ichhab' es schwer gebüßt! Und Georg sollte noch der Verbrecher bleiben der Maurerhatte recht, was er damals frevelnd gesagt:die Sonne bringt es an den Tag," nunsterb' ich gern nun wird mir wieder leicht,, e. . "

Der Weber mußte seine Aussage eidlich bcth'cücrn, und trotzdem ihm der Assessor