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29 (7.2.1869) 6
 
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war Deiner nicht werth, der schlechte Mensch; sie haben Alle Mitleid mit Dir, daß erDich so hintergangcn, Du bist ja unschuldig, Du konntest es nicht wissen."

Nicht wissen? Nein, nein, es ist doch nicht möglich!" Marianne strich mit derHand über die Stirn, als müsse sie alle unheimlichen Gedanken verscheuchen.Nein, injener Nacht hat er keinen Mord begangen, wohl kam er mit finstern, schwarzen Gedanken,ich mußte lange mit seiner Verzweiflung kämpfen, aber als er fortging, hatte er dochFrieden, er ist unschuldig." Sie sank auf ihre Knie und rief in tiefster Inbrunst:OGott, sende Du einen Netter in unserer höchsten Noth."

Bertha blickte verwundert auf ihre cxaltirte Freundin und wollte eben mit einemnüchternen Trosteswort dazwischen fahren, da polterte Jemand die Treppe herauf, dieThür wurde heftig aufgerissen und der kleine Protokollführer stürzte herein. Er zoghastig die von der Stubcnwärme angelaufene Brille von der Nase und gewahrte nun erstseine Braut und ihre Freundin.

Was ist Dir?" fragte die Nähterin erschrocken und umarmte den Geliebte«zärtlich.

Nichts, ich muß nur Athem holen, die zwei Treppen wir wohnen einmalParterre eigentlich hab' ich der Marianne etwas zu sagen," setzte er flüsternd hinzu,

Soll er schon heut?"- fragte diese leise zurück.

Gott bewahre! Denke Dir er ist unschuldig!"

Nicht möglich!"

Gewiß, nur vorsichtig!"

Marianne war bei dem Kommen des Protokollführers aufgestanden und hatte sicherschöpft in eine Ecke des alten gebrechlichen Sophas geworfen. Der Protokollführer gingjetzt freundlich auf sie zu und sagte:Marianne, seien Sie nicht mehr traurig, derHimmel kann noch Alles zum Besten lenken."

Sie schüttelte den Kopf:Ich sehe keine Hilfe."

Und Ihr Licblingsspruch" er kannte ihn durch die öfteren Besuche bei seinerBraut und sprach ihn jetzt mit tiefem Gefühl:

Er sijzt dort hoch in stiller Einsamkeit,

Und sinnt aus unser Wohl,

Den großen Schooß von Wohlthat weit und breitUnd beide Hände voll."

(Fortsetzung folgt.)

Jesuiten und Luther.

(Gegen zwei Zeitungslügen.)

DieN. Fr. Presse" hat in der Nummer vom 13. Novemb. v. I. folgendeBehauptungen aufgestellt, welche seitdem von allen fortschrittlichen Blättern colportirt werden.-

1) Der Jesuit Mariana habe mit Bewilligung seiner Obern den Königsmord ver-theidiget;

2) Die Reformatoren des 16. Jahrhnndertes hätten dagegen Gehorsam gegendie von Gott gesetzte Obrigkeit gcprediget.

Das erste ist eine Lüge. Zum Beweise dessen citiren wir aus einem kürzlich erschie-nenen Buche*) folgende Stelle:

Die Lehre vom Tyranenmord gesteht der Bevölkerung, in gewissen Fällen das Rechtzu, sich aus dem Joche eines Regenten, der seine Macht mißbraucht, durch Gewalt zubefreien, ja auch ihn zu tödten. Diese Lehre existirte lange, bevor es Jesuiten gab,und fand an den meisten Universitäten ihre Vertreter. Zu ihren Anhängern gehörten

*- Die Jesuiten. Frei nach dem Französischen des I. D'Arsac. Wien bei Sartorie, 1LS7 'S. 39 und 40. .