Ausgabe 
29 (21.2.1869) 8
 
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erhalten konnte, um sich an der »Aufschrift dieses außerordentlichen Titels zu erfreuen.Rose war in ihre Dienste getreten und, wie die FrauKontroleur" schrieb, jetzt folgsamund bescheiden.

Der Maurer und sein Vetter büßten ihren Doppelmord mit dem Tode. DerErstere bestieg reumüthig und zerknirscht das Schaffst, der Letztere verlor in diesemAugenblick die so lange keck behauptete Fassung und gewährte in seiner feigen Todesfurchtein klägliches Schauspiel. Er, der jeden geistlichen Zuspruch abgewiesen, rief jetzt ver-zweifelt:Wartet, ich will noch einVater unser" beten," aber seine zitternden Händevermochten sich nicht zum Gebet zu schließen, die bleichen Lippen wiederholten gedankenlosVater unser", mehr vermochte er in der Todesangst nicht hervorzustammcln, da riß demNachrichter die Geduld ein Blitz ein Aufschrei und Alles war vorüber.

Der Justizrath war außer sich über die Begnadigung Georg's.-Man kannalso alte verdiente Justizräthe gemüthlich todtschießen, das schadet nichts." Aber nochmehr war er entrüstet, als bald darauf seine Versetzung in den Ruhestand und die Er-nennung des Assessors in sein Amt erfolgte. Das war die Nemesis, die sich an seineFersen geheftet, sich auch an ihm gerächt und ihn gerichtet.

Die Martyrstätten der beiden Apostel Petrus und Paulus .

N o m. Nach der römischen Tradition sind die beiden Apostel nicht an den Stellengemartert worden, wo sich schon im zweiten christlichen Jahrhundert nach dein ZeugnißdeS römischen Priesters Gajus (bei Kerbel». Ilist. ooo!. Ist 25.) ihre Gräber befanden,und wo dann nachmals über denselben die herrlichen Basiliken errichtet wurden, die überdem Grabe des hl. Petrus von Constantin d. G., die über dem Grabe St. Pauli aberzwei Menscheualter später von ThcodosiuS d. Gr.*) Von diesen Bcgräbnißstälten liegendie .Martyrstätten (nach römischer Tradition) je eine viertel bis halbe Stunde (oderdarüber) ab, und zwar soll Petrus V, Stunde südlich vom Vatikan, auf dem Janiculus ,da wo jetzt 8. lliotro in Nontorio^) steht, gekreuzigt worden sein. Die Kirche selbst,angeblich schon von Constantin d. Gr. errichtet, aber wie sie jetzt ist, ein Werk derRenaissance, von König Ferdinand dem Katholischen von Spanien (Ende des 15. Jahrh.)erbaut, hat nichts besonders bcachtcnswerthcS. Ich sage hat, denn ehemals befand sichhier über dem Choraltar die berühmte Transsiguration von Raphael, sein letztes undwie manche meinen sein schönstes Werk. Das Bild wurde jedoch von Napoleon nachParis gebracht, und als es nach seinem Sturz i. I. 1815 nach Rom zurückkehrte, aufBefehl Pii VII. in der Gallerie des Vatikans aufgestellt, wofür der Kirche S. Pctri inmontorio eine jährliche Rente zuerkannt wurde. Die Kirche ist jetzt im Besitz der Fran-ziskaner. Neben dieser Kirche nun, in dem nördlich an sie anstoßenden Hofe l,sie liegtwie St. Peter mit dem Chor gegen Westen statt gegen Osten), soll Petrus gekreuzigtworden sein und der Platz ist jetzt gekennzeichnet durch einen kleinen sehr schönen Rund-tempel (Kuppelbau) von Bramante im edelsten Renaissancestil i. I. 1502 erbaut (auchauf Kosten Ferdinands des Kath. von Spanien .) Im Souterrain dieses Tempels zeigtman noch die Vertiefung, in welcher das Kreuz Pctri gesteckt haben solle. SeitSixtus V. ist die Kirche 8. kiotro in montorio ein Kardinalstitel. Auf dem freienPlatz vor ihr hat man einen herrlichen Ucbcrblick über die Stadt Rom und die ganzeBergkette vom Sorakte bis nach Albano. Namentlich treten Tivoli, Palcstrina, Colonna,

Nach der römischen Tradition liegt übrigens nicht der ganze Leichnam Petri in St.Peter und nicht der ganze Leib Pauli in St. Paul, sondern die Gebeine beider sind daund dort verbunden (quomoilo in viu, llilexvrunl. s«, >la et in inorii! no» sn»t sepur.Ui.)Ueberdies sind die Häupter beider im Cibvrium der Laterankirche .

**) Abgekürzt aus monis ä'oeo der goldene Berg, so genannt von dem goldgelbenSande, der wenigstens die obern Schichten des Berges bildet.