Ausgabe 
29 (7.3.1869) 10
 
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llro. 10.

7. März 1869.

Augsbur^er

Man kann eS nickt genug sagen: Mensch, existire für deine Zeit an deinem Orte; sei,was du sollst! Dann verdienst du die Bewunderung und Liebe aller Zeiten-

I- v. Müller.

Die Entsagenden.

(Fortsetzung.)

Der Wucherer trat ein und auf den Wink ihres OheimS entfernte sich Angelika.Ihr kommt zu früher Stunde," redete der Direktor den Fremden an,gewiß habtIhr eine Sache von Wichtigkeit?"

Allerdings," erwiederte der Wucherer,und da ich gerade eine kleine Reise beab-sichtige, so wollte ich diesen Weg nicht aufschieben. Ich habe einen Schatz für Sie,Herr Direktor; o, einen wahren, unbezahlbaren Schatz," fügte er grinsend hinzu.

Einen neuen Wechsel," den der tolle Verschwender Duroy ausstellte und den Ihrmir anzubieten kommt, nicht wahr?" fragte Fleischer.

Wohl aber nicht einen Wechsel, wie der Herr Direktor ihn in verschiedenenExemplaren besitzt, die ich nach Ihrem Wunsch stets auf das Verlangen des Barons zuprolongiren bereit bin, sondern einen Wechsel ganz eigener Art, der wenn mich nichtAlles täuscht. Jemanden gewiß in's Zuchthaus bringen wird."

Der Direktor horchte auf.Erzählt," sagte er kurz,was habt Ihr mir anzu-bieten?"

Es können reichlich acht Tage sein," - begann Lindenau,als sich in späterAbendstunde der Baron von Duroy bei mir einfand; es war Verfallzeit eines von ihmausgestellten Wechsels, aber statt ihn einzulösen, bat er mich um Prolongation und zugleichum neuen Vorsckuß. Ich bewilligte die erste, das zweite Verlangen wies ich von derHand, da ich Ihre Meinung darüber noch nicht eingeholt hatte. Der Baron schien ingroßer Verlegenheit zu sein, er theilte mir mit, daß er dieser Summe dringend bedürfe,und entfernte sich in höchster Bestürzung. Am anderen Morgen stellte er sich wiederein. Sein Gesicht war verstört und bleich. Ich bedarf fünftausend Thaler, Lindemann,

sagte er hastig, ich biete Ihnen die höchsten Zinsen und dieses Papier als Deckung, daS

ich binnen einem halben Jahre aus Ihren Händen einlösen werde. Ich warf einenBlick auf den Inhalt des Dokumentes", fuhr Lindenau fort,es war ein Wechsel.voneinem bedeutenden nordischen Hause ausgestellt und lautete auf zehntausend Thaler. DerFall erschien mir sonderbar, und ich konnte mich eines forschenden Blickes nicht erwehren,als ich daS Papier dem Baron zurückgab, der es mit zitternden Händen empfing."

Trauen Sie mir nicht?" fragte er, den Blick zu Boden senkend.

Und in der That traute ich ihm nicht, ich begab mich in ein Nebenzimmer, um

den Wechsel zu prüfen, die Signatur dcS Hauses war ächt, aber nicht die Summe.Die Hand eines Schülers im Fälschen hatte die ZahlTausend", worauf der Wechsellautete, inZehntausend* verwandelt."

Und Sie nahmen den Wechsel nicht an sich?" unterbrach ihn Fleischer mit demAusdruck der gierigsten Spannung.Sie zahlten nicht den dafür geforderten Preis?"

Allerdings that ich dies," erwiederte Lindenau,denn ich hoffte, Sie würden michin jedem Fall schadlos halten, und mir ferner ein gütiger Gönner bleiben."