Ausgabe 
29 (7.3.1869) 10
 
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Die siamesischen Zwillinge noch einmal.

DasBritish Medical - Journal " theilt eine Vorlesung des schottischen Professorsder Medicin, Sir James Simpson , über die siamesische» Zwillinge mit. Changund Eng Buukcr, sagt er, sind jetzt 58 Jahre alt; sie haben noch mehre Geschwister,die aber alle natürlich geformt sind. Als Kinder standen sie sich mit den Gesichtern

gegenüber, aber ihren beiderseitigen Anstrengungen von Jugend an ist es gelungen, dasverbindende Band so zu verlängern, daß sie sich jetzt fast nebeneinander stellen können.Es sind kleine, aber zäh aussehende Männer; Eng, der größere, ist 5 Fuß 2>/a Zollgroß, Chang einen Zoll kleiner. Sie stützen sich mehr auf den nach auswärts gerichtetenBeinen, die in Folge dessen mehr ausgebildet als die inneren sind. Die Herzen undandere Organe derselben befinden sich in derselben Position wie bei anderen Menschen;der Athmungs-Prozcß und die Circulation des Blutes ist bei den Zwillingen nicht gleich.Als sie bei ihrer Anwesenheit in Edinburg anInfluenza " litten, fand Dr. Aitken, daßbei dem Einen der Puls 24 Schläge in der Minute schneller, als der des Andern war.Zwei andere Londoner Aerzte fanden eine Verschiedenheit von 4 Schlägen in der Minute.Sir James Simpson hat bewiesen, daß sie hinsichtlich physischer Verrichtungen zweivöllig getrennte und verschiedenartige Individuen sind. Sie können gehen, laufen undschwimmen, sind leidenschaftliche Jäger und gute Schützen, intelligent, belesen und tüchtigeGeschäftsleute. Ihr Zustand macht es natürlich, daß sie in einem und demselben Gesprächeverflochten sind, aber Jeder von ihnen kann auch ohne Schwierigkeit eine Conversationmit zwei verschiedenen Individuen führen. Oft liest ein Jeder für sich; öfter jedochliest Einer dem Andern laut vor. In der That ist ihr Gemüth viel dualistischer, alsihr Körper; letztere sind vereint, erstere nicht Das sie vereinigende, theilweise durchVerlängerung deS Knorpels des Brustknochcns gebildete Band ist 4'/^ Zoll lang und hatZoll Umfang. Von Krankheiten, die dem Blutsystem angehören, wie Pocken, Masern,Fieber und dergleichen wurden die Bruder gleichzeitig ergriffen. Trotzdem schließt SirJames Simpson aus Experimenten, die derselbe mit Arzneien an ihnen vorgenommen,daß die Verbindung ihrer Gefäße verhältnißmäßig sehr gering ist. Ueber die Frage der

Möglichkeit einer Operation, behufs der Separation der Brüdcr von einander, sagt derProfessor: Chang und Eng selbst wünschen gar keine chirurgische Theilung, aber einigeihrer Anverwandten wünschen dieselbe sehr, wenn eine Möglichkeit des Gelingens vor-handen ist! Diese Operation ist nicht allein möglich, sondern würde auch mit gar keinen,oder nur sehr geringen Schwierigkeiten verbunden sein; aber dieselbe würde so gefährlichsein, daß die Zwillinge, der Meinung des Professors zufolge, sich derselben nicht unter-werfen sollten, und daß kein Chirurg gerechtfertigt wäre, dieselbe zu vollziehen. Changund Eng sind an zwes Schwestern verheirathet, Töchter eines amerikanischen Geistlichen.Jeder Bruder hat 9 Kinder: Eng 6 Söhne und 3 Töchter, Chang 3 Söhne und6 Töchter. Ihre ersten Kinder wurden je 3 4 Tage von einander geboren, dieanderen in unregelmäßigen Zeiträumen. Chang's neuntes Kind wurde vor drei Monatengeboren. Der berühmte Arzt, Sir James Fcrgufson, hat ebenfalls die Zwillingegenau untersucht, und seine Meinung ist auch, daß eine chirurgische Theilung der Brüdcrtödtlich sein würde, nicht so sehr wegen der Struktur des sie verbindenden Bandes, alswegen deS moralischen Effektes, welchen dieselbe auf die Zwillinge ausüben würde.

Der grösste Feind des Waldes

ist der unverständige habgierige Mensch. Nicht der Blitz, der die Eiche zersplittert; nichtder Sturm und der Schneedruck, der die stolzesten Stämme wie Rohr knickt; nichtMyriaden von Insekten; nicht der Frost, der ganze Culturen tödtet; nicht die Axt; nichtder erste Paragraph des communistischen Revolutionsgesetzes:Laß mir das Meine undgib mir das Deine!" können dem Walde die Unheil zufügen, welches der Mensch mit