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dem Streurechen in der Hand anrichtet. Die feindlichen Gewalten der Naturkräfte, dieInvasion der Würmer zerstören die Bäume; aber der Mensch, der dem Walde die Boden-decke nimmt, zerstört die Grundlage; die Existenz des Waldes. Die Bodendecke ist derDünger, er gibt dem Baume die Aschenbestandthcile; die Bodcndecke gibt die Feuchtigkeit,die manchmal die Hälfte der Bestandtheile eines Baumes ausmacht; die Bodcndecke gibtdem Walde die Kohlensäure, die er durch seine Lungen, die Blätter, einsangt. Siebenfachist der Wassergehalt, den die Blätter am Boden festhalten können, und Moos ist bis-weilen nur ein mit Wasser angefüllter Schwamm. Da wo dem Walde seine natürlicheNahrung zukommt, da stehen kraft- und saftstrotzcnde Bäume, da ist das dunkelste Grün,der tiefste Schatten, die balsamischste Luft; da öffnet sich die Brust des Menschen, datrinkt er, dem Sänge der befiederten Sänger lauschend, mit gierigen Zügen die würzigenDüfte; da gibt der Wald das grüßende Lied mit freudigem Echo wieder. Da wo derBoden entblößt ist, da stehen kahle Stämme und niedrige Sträucher; öde Flächen biete«keinen Schatten, der Wald gibt nicht einmal mehr Holz, er stirbt an Abzehrung. Aberer nimmt eine fürchterliche Rache am frevelnden Geschlechte, mit dem hinsiechenden Waldevertrocknet die Luft, die Quellen versiegen und je trockener die Bäche sind, mit um sogrößerem Bangen sieht der schuldbewußte Mensch dem herannahenden Gewitter, demSchncegang, entgegen. Die fallenden Regengüsse schießen, durch keine Bodendecke aufge-halten, vom kahlen Waldabhang herab; die vertrockneten Bäche werden zu reißendenStrömen; sie versanden fruchtbares Land und schwemmen tragbaren Boden fort; dieWogen brechen die Dämme und dringen in die Wohnungen der Menschen. Und jetzt,am Grabe seiner Habe, erinnert sich der Mensch der Frevel, die er am Walde begangen.(Ebene, wohlangcbautc Landstrccken, welche keinen Wald in der Nähe haben, in dem sichFüchse und Raubvögcl aufhalten können, leiden in regenarmcn Sommern nicht blos angrößerer Trockenheit, sondern auch der Mäuscfraß ist viel verheerender, da die Mäuseallein Herr sind und vom Raubwild nicht wcggcfangen werden.) Jetzt müssen Millionenauf Millionen aufgewendet werden, um die Sünden gut zu machen, die ein habgierigesGeschlecht, um weniger Groschen willen, begangen. Gar manchmal ist der Nachtheil einbleibender und die Landwirthschaft sinkt von Generation zu Generation. In Griechen-land, in Unteritalicn und Sicilien, in Spanien und Portugal sind nur noch 9 ProcentWaldungen zu finden; manche wichtige Stelle kann auch mir dem größten Aufwande nichtmehr bestockt werden, und mit dem Walde stirbt immer mehr die Tragkraft des Bodens.Bayern gehört noch zu den bestbcwaldeten Ländern Europas ; allein viele seiner Wal-dungen leiden unter Streu- und -Weide-Scrvitutcn und in den Privat-Waldungen siehtes zum Theil traurig und untröstlich aus. Es ist hohe Zeit, daß das Gesetz seineschützende Hand über den Wald ausstrecke. Dichtung und Tonkunst, Malerei und Bau-kunst in den gothischen Domen haben das Lob des Waldes gesungen, seit eS denkendeund fühlende Menschen gibt; die Pulse des frohen Menschen schlagen nie höher als
Im Wald,
Im frischen, grünen Wald,
Im Wald, wo 's Echo schallt.
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Schließlich wiederholen wir eine Notiz, welche wir unlängst aus Aegyptcn gebrachthaben. Als Mchemed Ali das Nildelta mit 20 Millionen Bäumen zu bepflanzen befahl, da zählte man dort im Jahre durchschnittlich 5—6 Regentage; seit jene Bäume zu' Wäldern geworden sind, hat sich die Zahl der Regentage auf 40 vermehrt.