Ausgabe 
29 (7.3.1869) 10
 
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M i s e e l l e n.

(Hausmittel gegen Husten.) Bei allen Dingen muß man stets auf dieGrundursache zurückgehen, um das richtige Mittel zur Abhilfe zu finden. Nun entstehtHusten in der Regel nach crfolgtcr Erkältung, d. h. wenn die durch die äußeren Haut-theile stattfindende Ausdünstung gestört wurde, und daher die Theile, welche dort auS-trcten, auf der inneren Hauptfläche, auf Luftröhre und Lunge, einen Ausweg suchen, undhier eine Entzündung, niit oder ohne Schleimabsonderung, (feuchter, trockener Husten)hervorrufen. Husten und Schleimabsonderung ist aber hiervon nicht die nothwendigeFolge. Im Gegentheil ist hiczu noch etwas Anderes nöthig, nämlich die Einwirkungirgend eines Reizes (einer Schädlichkeit) auf die entzündeten Theile. Einen solchen machtdie Luft, besonders die kalte, und vornehmlich während des Schlafes. Athmet mandaher nur milde, warme Luft, so ist der Husten rasch beseitigt, und die Entzündung legtsich in Kurzem auch, wenn man die Ausdünstung durch warme Kleidung, Reiben derHaut, Hollundcrthce u. a. bekannte Mittel wieder herstellt. In ersterer Hinsicht ist daseinfachste Mittel, Mund und Nase, namentlich während der Nacht, mit Flanell (gleich-sam einem Maulkorb von demselben) zu umbinden. Indem die ausgeathmete Luft durchdenselben gehen muß, wird er erwärmt und sammelt sich innerhalb eine warme Luft-schicht. Die eingcathmcte aber wird beim Durchgang durch denselben ebenfalls erwärmt,und noch mehr, indem sie sich mit der dort befindlichen warmen Luft vermischt. Derhustcnerregcnde Reiz ist daher beseitigt, da die cingeathmetc Luft wärmer ist und ärmeran Sauerstoff, also milder. In zwei Fällen hat dies Mittel dem Einsender dieses über-raschend schnell, d. h. schon in einer Nacht geholfen. In einem ging der Husten vonder Lunge aus, mit SchlcimauSwurf, im andern in Folge eines prickelnden Reizes ander Luftröhre, der nur durch schwaches Hüsteln für ein Paar Minuten gehoben wurde,aber immer durch das Einathmen wieder entstand, und die ganze Nacht nichtschlafen ließ. _

(Lcbensregel eines Seilers an seinen Sohn.)Merke auf, meinSohn, auf die Lehren, die ich dir auf die Wanderschaft geben will, und beherzige sie!Weiche nie ab vom Pfade der Tugend, denn nichts ist so fein gesponnen, cS kommt an'sLicht der Sonne, und ein Galgenstrick nimmt selten ein gutes Ende. Wenn dich dasSchicksal auch manchmal durchhechelt, so verliere nie den Faden deiner Geduld, s-lbstwenn alle Stricke reißen sollten; aber auch im Glücke sei nicht übermüthig, und Hauseniemals über die Schnur! Laß dich nie am Narrenseile herumführen und sei stets kurzangebunden! Halte dich fern von allen politischen Wirren, daß du nicht in arge Vcr-Wicklungen geräthst, denn sei eingedenk, daß du als Seiler stets rückwärts gehen mußt.Wenn dich böse Buben umgarnen wollen, so folge ihnen nicht, sondern halte sie dir miteinem derben Tauende vom Leibe. Sei auch stets auf Ordnung bedacht, daß Alleswas du thust, am Schnürchen geht. Und so leb' wohl, mein lieber Sohn, und nimmmeinen Segen mit und den väterlichen Wunsch, daß dein Lebensfaden sich abspinnenmöge ohne Knoten!"

(Ein abscheulicher Druckfehler.) Einen sehr fatalen Druckfehler enthältein Leipziger Anzcigeblatt vom 12. Januar, indem da ein WirthSauren Kinderbratcnmit Klößen" empfiehlt. (O dergleichen kommt mitunter auch bei uns vor. Anmerkungdes Seper-Lehrlings.)

Ein Freund nur bei Tisch will nur deinen Fisch,

Ein Freund bei der Flasche leert auch deine Tasche.

Druck, Verlag und Redaction des Literarischen Instituts von Dr. M. Huttler.