Ausgabe 
29 (14.3.1869) 11
 
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F. M.-L. Härtung.

^ Wien , Anfangs März. Zu den populären Persönlichkeiten Wiens gehörtauch der so eben pensionirte F.-M.-L. Härtung. Ganz besonders ist er bei den stetsvppositionssüchtigendeutschen Parisern" in der Hauptstadt gestiegen, seitdem er seineDemission genommen. Warum es so ist, das würde mir wohl kaum Jemand hier er-klären können; genug, es ist so und man beginnt bereits die Epochen des tapferenKriegers zu singen: So wird der folgende, in der That ehrenhafte Charaktcrzug des-selben hervorgehoben:

Als Oberst hatte Härtung einen Lieutenant beim Exercieren etwas barsch zurecht-gewiesen. Den Offizier kränkte die vor dem ganzen Regimcnte erlittene Beschämung.Nach dem Einrücken warf er sich in die Gallauniform, eilte zu seinem Obersten und botihm einen Ausgleich der Affaire durch ein Säbel-Duell an. Härtung betrachtete den ^jungen Offizier mit einem durchdringenden Blick und sagte nichts, als:Erscheinen Sienächsten Sonntag beim Negimcntsrapport!"

Der Offizier salutirtc und ging; er dachte nicht anders, als man werde ihm Arrestdiktiren, weil er mit kühner Hintansetzung aller Reglemcnts-Vorschriftcn und Traditionengewagt hatte, den höchsten Vorgesetzten im Regiment, der früher in Oesterreich dasxouvoir eines Halb - Souveräns, z. B. das jus Alnckü besaß, wegen einer Aeußerungim Dienst zum Zweikampf zu fordern.

Am Tage des Regiments - Rapport erschien Oberst Härtung, geschmückt mit denEhrenzeichen, welche er durch persönliche Tapferkeit erworben hatte. Der Lieutenant tratvor seinen Oberst, salutirte und machte sich darauf gefaßt, sein Vergehen in scharfenWorten rügen und eine Strafe dictircn zu hören.

In der That blickte der Oberst grimmig genug dem Subalternen in die Augen,dieser hielt den Blick ruhig aus. Dann nahm Härtung eine freundliche Miene anund sprach:

Meine Herren, ich habe in der Hitze den Herrn Oberlieutcnant beleidigt; ich bitteden Herrn Oberlieutcnant um Verzeihung" und dabei reichte er dem freudig erstaun-ten Offizier die Hand.

General Kleiumichel.

I Vor Kurzem lief dnrch die Zeitung die einfache Notiz: General Kleinmichelist in Petersburg gestorben. Ich habe nirgends einen ausführlicheren Nekrolog diesesMannes gelesen und dennoch gehört er zu den bekanntesten Persönlichkeiten vom Hofe desCzaren Nikolaus. Kleinmichel war ein Liebling des Kaisers, und wußte sich namentlichdurch seinen stummen und unbeschränkten Gehorsam diese Gunst zu erhalten.

Als der russische Ministerrath den Bau der Bahn von St. Petersburg nach Moskau beschlossen hatte, legte man dem Czaren den Plan der Ingenieure vor, und bat ihn,die Oerter zu bezeichnen, durch welche er dieselbe geführt haben wünsche. Nikolaus nahm,ohne ein Wort zu verlieren, die Karte in die Hand, tauchte einen Finger in ein Tinten-faß, Zog sodann eine gerade Linie von Petersburg nach Moskau , und sprach zu denerstaunten Ingenieuren:

So wird die Bahn ausgeführt."

Aber," riefen diese,dieß ist unmöglich! Ew. Majestät werden Niemandenfinden, der sich einer solchen Arbeit unterziehen möchte: das hieße einen Schatz in eineWüste legen!"

Niemand sollte sich dessen unterziehen, wenn ich es befehle!" rief Nikolaus.Wir-werden gleich sehen."

Und als er Kleinmichel m einer Ecke entdeckte, sprach er: