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Don den Bewohner« des Meeres.
* Unter dem Titel: Seltsame Strandungen, schreibt man nnS aus London :Während der letzten Stürme sind eine große Menge „Portugiesischer Kriegsschiffe* ander Küste von Lancashire „gestrandet," in den meisten Fällen, ohne sich viel Schaden zuthun. Es sind dies die von den Seeleuten unter jenem Spitznamen gemeinten Physaliä,eine Moluskenart aus der Familie Hydropea. Sie besteht aus einem Windbalg, vonwelchem zahlreiche Zöpfe, gleichsam als Ballast, herabhängen; jeder dieser Zöpfe mit einemversteckten Stachel versehen, der im Zorn vorgeschnellt werden kann, und — währendkleinere Geschöpfe dadurch sofort getödtet werden — auch dem Menschen höchst schmerz-hafte Verletzungen beibringt. Dieses kleine Ungcthüm bewegt sich in stillem Wasser nurin der Weise fort, daß es fortwährend kopfüber schießt, wenn überhaupt bei demselbenvon einem Kopfe die Nede sein kann. Die Physaliä sind sonst der Laune des Windesund des Wellenschlages hüls- und stcuerlos preisgegeben, sollen aber einen starken Gcsellig-keits-Jnstinkt besitzen, in Folge dessen sie im stillen Ocean und in den wärmeren Breiten-Graden des atlantischen Oceans in zahlreichen Gruppen angetroffen werden. Sie sindso leicht und zart, daß der letzte Sturm im irischen Kanal sie wie große Flocken an'sUfer wehte — als äußerst seltene Gäste an britischem Gestade. Ihre Farbe ist sehrschön. Der Windsack, dessen atmosphärischen Inhalt das Thier weder vermehren nochvermindern kann, blaß-grün mit indigoblauem Schimmer an der Oberfläche, über welche,einem erhabenen Rückgrat gleich, ein gezackter Kamm läuft, dessen Spitzen tief carmoisingefärbt sind. Die Zöpfe oder Füße hängen vom unteren Körperthcil herab und sindtheilweise dunkelblau vermischt mit blaugrün oder auch von glänzendem Gelb an denEnden. Der „Stachel" ist in spiralförmiger Zelle cingehülset, ungefähr nach der Manierdes — Zündnadcl-Gewehrs, wie ein englisches Blatt das Ding beschreibt. Herr Moore,der Custos des freien öffentlichen Museums in Liverpool, — macht auf diesen Besuchbesonders aufmerksam, um daraus Ausschlüsse über manche Geheimnisse in der Richtungder Meeresströmungen zu schöpfen.
M i s c c l l e n.
(Frauenlist.) Auf der Burg Hohcnschwangau befindet sich unter Anderen ei«Gemälde, welches den Herzog Ludwig, Sohn des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach —darstellt, wie er zu Füßen der schönen Böhmin Ludmilla um Liebe fleht. Dies Bild
stützt sich auf eine merkwürdige historische Thatsache aus dem Jahre 1203. Die kluge
Frau (sie war die Wittwe Adalberts von Bogen) ließ nämlich drei Ritter auf einespanische Wand malen, und als nun eines Tages der Herzog wieder zu ihren Füßenkniete und um Erhörung flehte, sagte sie: er solle ihr vor den drei Rittern die Ehe ver-sprechen. Ludwig glaubte sich vor drei gemalten Männern keine besondere Verpflichtungaufzuerlegen und leistete das Versprechen. Da plötzlich traten drei lebendige Ritter hinterder spanischen Wand hervor, welche als Zeugen seines Ehcvcrsprechens galten. Wüthend
entfernte sich der Herzog, nach einem Jahre aber kam er doch und löste sein
Versprechen ein.
(Das erste Fiasko.) Das Dresdener Journal erzählt als Entstchungsnrsachedes Wortes „Fiasco" folgenden Vorfall: „Ein Deutscher sah einst einem italienische«Glasbläser zu und meinte, was sich so leicht ansähe, müsse Jeder, also auch er, können.Er sing denn auch an zu blasen, aber das Erste, was er herausbrachte, war eine birn-förmige Hohlform, ein Fläschchen (liäsco), der zweite Versuch ergab wieder ein solchesFläschchcn, und so machte er mit steigendem Verdruß noch manches „Fiasco", und indieser Art soll, wie mau meint, die noch heute gebräuchliche Redensart ihren Ursprunggenommen haben.
Druck, Verlag und Redaction des itNcrarischcn Justin,» von Ur. M. Hultlcr.