Ausgabe 
29 (28.3.1869) 13
 
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Nro. 13

28. März 1869.

Augsburgs?

Ein wahrhaft gottesfücchtiges Gemüth sieht überall Gottes FingerAufmerksamkeit auf seine Winke und Fügungen.

und ist in steterNovalis .

Die Entsagenden.

(Fortsetzung.)

Der Baron warf einen wilden Blick um sich, seine Hände bohrten sich krampfhaftin die Seite feines Herzens.

Und gibt es kein Mittel, der Schande zu entgehen; kein Mittel, die Zukunftmeines Rudolph vor Schmach zu bewahren?"

So lieben Sie Ähren Sohn wirklich?" fragte der Direktor, sich sichtbar an derAngst seines ehemaligen Freundes weidend.

Mehr als mein Leben!" rief der Baron feurig.

Das Auge Fleischers blitzte höher auf.

Hören Sie mich an," sagte er nach einer Pause.Es gibt einen Ausweg fürSie, der Schande zu entgehen, aber dieser Ausweg wird zugleich für Sie ein nagenderStachel des VorwurfS Ihrer Schuld sein, wenn Sie, was ich glaube, wirklich IhrenSohn lieben. Meine dächte Angelika liebt Rudolph; binnen zwei Monaten muß sievermählt sein, oder der Wechsel wandert in daS Criminalgericht."

Rudolph Ähre Nichte heirathcn?" rief der Baron entsetzt.Ein Jüngling einMädchen, daS sich den Vierzigern nähert? Niemals wird er sich dazu verstehen!"

Auch nicht um seines Vaters Schande zu decken?" fragte der Direktor ruhig.

Und einem Vater nmthcn Sie ein solches Ansinnen zu?" rief Leopold glühend.

Entehren Sie mich, bringen Sie mich in's Zuchthaus, aber verlangen Sie nichtsUnmögliches von einem Vater."

Ich will jetzt keine Antwort," bemerkte Fleischer.Ich gestehe, daß diese SacheUebcrlcgung erfordert. Halten Sie Rath mit Ihren eigenen Gedanken, erforschen Siedie Meinung Ihres Sohnes. Ich stelle Ihnen frei, ihm Ihre Schande zu entdecken!Morgen Vormittag erwarte ich Sie bei mir. Bis dahin auf Wiedersehen, Herr Baronvon Duroy!"

Und gibt es keinen anderen Ausweg?" fragte Leopold, sich wie im Fieber inseinem Sessel windend, ohne die Kraft zu finden, sich zu erheben,keine andere Rettung,als dieses furchtbare Mittel?"

Sie beleidigen mich," entgegncte Fleischer,indem Sie diese Verbindung zuknüpfen als eine furchtbare Aufgabe für Sie betrachten. Freilich hat Angelika keinGeschlechts - Register auszuweisen, keinen Stammbaum, der wie vielleicht der Ähre, sich injenen Carl des Großen verliert, aber die Äctztwelt gibt für einen Thaler baar den Standvon zwölf Vergangenheiten hin, und Angelika besitzt eine Million, freilich auch siebenund dreißig Jahre," fügte er ironisch hinzu.

Die Seele des alten Herrn schien ein plötzlicher Entschluß zu durchblitzen. DieBlässe seiner Wangen machte einer hohen Nöthe Platz. Mit Festigkeit erhob er sich.Es sei," nahm er das Wort.Der Kampf mit Ihnen ist zu ungleich, ich nehme dievon Ihnen gestellten Bedingungen an. Morgen Vormittag erwarten Sie mich, ichbringe Ihnen Entscheidung!"