Ausgabe 
29 (28.3.1869) 13
 
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Dieses Mittel?" drängte Rudolph.

Deine Hcirath mit Angelika, seiner Nichte!" flüsterte Duroy kaum vernehmbar.

DaS Blut stieg dem jungen Manne in die Wangen.Träume ich," rief er,oder ist es die Wirklichkeit, daß Sie, mein Vater, dem ich so eben die heiligsten Gefühlemeines Herzens geoffenbart, mir zumuthen können, einer Frau meine Hand zu reichen,die beinahe meine Mutter sein könnte? Nimmermehr!"

Ich wußte wohl, daß es so kommen würde," seufzte Baron Leopold mit demAusdruck der Verzweiflung.

Und wenn ich wirklich Thor genug wäre," fuhr Nudolph fort,auf diesesAnsinnen einzugehen, glauben Sie, daß Angelika jemals in diese Verbindung, die siewie mich selber zur Zielscheibe des Hohnes von Stadt und Land macht, willigen würde?"

Sie wird es," unterbrach ihn sein Vater,denn sie liebt Dich."

Rudolph bedeckte sein Antlitz wie ein Chaos von Gedanken stürmte cS aufihn ein und drohte seine Brust zu sprengen. Aber bald faßte er sich er fuhr sichwiederholt über die Stirn und athmete tief auf, als wolle er den Alp abwälzen, der sichzentnerschwer auf seine Brust gelagert hatte. Dann zog er einen Sessel neben dem seinesVaters, und sagte in herzlichem Tone:

Laßt uns vernünftig reden, mein Vater, wie eS Männern zukommt, die sich nichtvon Einflüssen des Augenblicks darniederbcugen lasten. Ihr Verhältniß zu Fleischer istmir nicht klar. Hat jener Mann die Macht, Ihnen das Vermögen zu rauben, dessenErhaltung die höchste Sorge Ihres Lebens war?"

Der Alte nickte stumm.

So sorget nichts," fuhr Rudolph fort.Auch ohne mich schimpflichen Bedingun-gen Preis zu geben, werde ich im schlimmsten Falle Ihre letzten Tage vor jedem Mangelzu schützen misten. Ich bin jung und rüstig, und"

Umsonst, umsonst!" --- unterbrach ihn der Vater,das Verlangen jenes Mannesist unwiderruflich."

Rudolph erglühte.Wie, mein Vater," rief er,und um Ihr Vermögen zuretten, willigen Sie in das Ansinnen eines Mannes, der einen Gatten für seine verwelkteNichte erlangen will? Um Ihren Egoismus zu befriedigen, verkaufen Sie das LebenS-glück Ihres Sohnes?"

Noch hatte der junge Mann diese Worte nicht beendet, als der Baron sich erhobund sich zu den Füßen seines Sohnes warf.

Rudolph," flüsterte er,so wie ich jetzt zu Deinen Füßen, so lag ich auf meine»Knien vor jenem entsetzlichen Manne und flehte um Gnade für Dich. Umsonst, es hilftkein Weigern, Du mußt mich retten, denn vernimm das entsetzliche Geheimniß, jenerMann har nicht allein die Macht, um mein Vermögen zu rauben, er ist auch im Besitzmeiner Ehre."

Großer Gott," schrie der Jüngling entsetzt auf,ist es Wahrheit, mein Vaterein Verbrecher?"

Gnade, Rudolph!" flehte Duroy noch immer auf seinen Knien,ich bin schuldloser,als Du denkst, aber er ist unerbittlich, entweder Du vermählst Dich mit Angelika, oderDein Vater wandert in's Zuchthaus!"

Eine Todtcnblässe hatte sich auf Nudolph'S Zügen gelagert. Seine Lippen bebte»wie im Fieber und seine Stimme klang rauh und heiser.

Stehen Sie auf, mein Herr," sagte er endlich mit gebrochener Stimme, denAlten erhebend und zu seinem Sessel führend.Der Sohn verlangt ein offenes Be-kenntniß von seinem Vater."

Aber der Alte vermochte nichts zu erwidern, die furchtbaren Auftritte hatten seineKräfte erschöpft. Eine tiefe Ohnmacht bemächtigte sich der Sinne des Greises und leblostrugen ihn die Diener auf sein Lager, während Rudolph starr und unbeweglich an seiner