Izrn. 14.
4. April 1869.
Bleib' auf dem Weg, den du dir vorgenommen,
Kebr' nie zurück zur Unbeständigkeit!
So wirst du sicher immer weiter kommen,
Zuletzt zum Ziele der Glückseligkeit.
Max Stägmeyr.
Die Entsagenden.
(Fortsetzung)
Aber mit dem Ausdruck tiefsten Schmerzes blickte Angelika verstohlen auf die ver-störten Zuge des jungen Mannes, dessen Lebensglück durch sie vernichtet werden sollte,und dennoch fühlte sie im Innern, daß sie den Jüngling niemals mehr geliebt hatte —als eben jetzt. Wie mit magnetischer Kraft zog es sie zu ihm, und indem sie aufrichtiggenug gegen sich selber war, das Loos seiner Zukunft zu beklagen, jubelte es doch in ihrwie mit tausend Frcudenstimmen: „Er ist Dein!"
Aber ein Anfang mußte gemache werden, die Zeit verstrich — und mit Schreckenerinnerte sie sich der Drohung ihres Oheims, im Fall die Unterredung ohne das ge-, wünschte Resultat bleiben würde. Sie näherte sich leise dem Sessel Nudolphs und mitsanfter, melodisch tönender Stimme fragte sie:
„Sie sind so bleich, Herr Baron, so angegriffen. Befehlen Sie nicht eine Kleinig-keit zur Stärkung?"
Der junge Mann dankte durch eine Handbcwegung, sein Mund, blieb stumm.
„Herr Baron!" fuhr Angelika mit zunehmender Angst fort, „zürnen Sie meinemOheim nicht, er ist hart — aber gerecht. O, glauben Sie mir, ich bedauere Sie vomGrunde meines Herzens."
Ein Lächeln des Zweifels überflog für einen Moment das Antlitz Nudolphs, aberer blieb schweigsam wiel vorhin. Das Mädchen zitterte, ihre mühsam erkünstelte Fassungdrohte zu schwinden.
„Herr Baron," sprach sie, „ich muß Ihnen lächerlich, — egoistisch, fast wahnwitzigerscheinen, aber bei dem ewigen Gott, der in das Mcnschenhcrz blickt, Ihre Verachtungverdiene ich nicht!"
Der Ton, mit dem Angelika diese Worte sprach, war so eindringend, ihre Stimmeso melodisch, daß Nudolph zum ersten Mal das Auge zu ihr erhob. Die Aufregungder verflossenen Stunden hatten dem Mädchen geschadet, denn in einem gewissen Alterwirken — namentlich bei dem weiblichen Geschlecht — starke Ncrvcneindrücke schädlich aufdas Acußcre ein. So auch bei Angelika. Ihre Wangen waren eingefallen und bleich,ihr Auge von Thränen geröthet und die Spur einer Falte schlängclte sich vcrräthcrisch«m den Winkel des Mir. >-es.
„Ich verachte Sie n.ast, mein Fräulein," erwiderte der junge Baron in bitteremTone, „im Gegentheil, ich bewundere Sie und erstaune über die Energie, mit der Siegeheime Pläne und Absichten mit dem Mantel der Justiz und der Nothwendigkeit zuverbergen wissen."
„Sie thuen mir wehe, Herr Baron," erwiderte Angelika sanft und würdig, „ichgebe Ihnen mein Wort, daß nie der entwürdigende Gedanke einer Intrigue mein Herz