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Datei einem Wucherer als Pfand auf ein Darlehen einhändigte, — befindet sich in d«Händen meines Oheims und dieser Wechsel —"
Sie konnte nicht weiter reden, ihre Stimme stockte und ihre Zunge versagte denDienst.
„Dieser Wechsel" — wiederholte Rudolph kaum vernehmbar.
„Dieser Wechsel ist gefälscht!"
Ein einziger Schrei entwand sich der Brust des jungen Mannes, um ihn lag dieganze Größe seines Unglücks. Er taumelte wie vom Schwindel befallen zurück, undvernichtet sank er auf seinen Sessel nieder.
Angelika beugte sich über ihn und über die kalte Stirn des jungen Mannes, diekalter Schweiß bedeckte, floß eine heiße Thräne.
„Nudolph," flüsterte sie, „und wärest Du arm wie ein Bettler, wärest Du selberentehrt und geschändet, ich würde Alles — Alles vergessen, denn ich liebe Dich."
„Mich lieben?" rief Nudolph wild und seine Augen brannten wie im Feuer —„o Angelika, bemitleiden Sie mich, denn ich bin elender, wenn ich mich meiner Härtevon vorhin gegen Sie erinnere, als jetzt in meinem tiefsten Elend!"
„Angelika!" fuhr er fort, die Hand des Mädchens erfassend, „ist eS wahrhaft IhrWille, mir — dem Sohne eines Verbrechers — Ihre Hand zu reichen?"
„So wahr Gott in mein Herz blickt und die Gefühle kennt, die ich für Sie hege!*erwiderte das Mädchen feierlich.
„Und können Sie mir schwören, daß die Schande meines Vaters unentdeckt bleib«wird, wenn ich mich seinem Willen füge?"
„Ich schwöre es Ihnen. Am Tage unserer Trauung überliefere ich Ihnen nachden Worten meines Oheims, jenes verhängnißvolle Papier," antwortete Angelika. „Ohätte ich die Macht, Ihren Namen zu retten, ohne Sie zu jenem Opfer zu zwingen!*
- „Angelika," unterbrach sie Nudolph, „ich bin es jetzt nicht mehr, der ein Opferzu bringen hat, auf meinen Knieen flehe ich Sie an, mich nicht zurückzuweisen. DennAngelika, ich bin Ihnen Offenheit schuldig und das Schlimmste möge über mich herein-brechen, eher sterben, — als Sie mit Täuschungen hintergehen. „Darf ich offen z«Ihnen reden?"
„Reden Sie!" hauchte Angelika.
„Haben Sie bedacht, welche Zukunft Ihnen an meiner Seite bevorsteht, wenn e»sich doch von selbst versteht, daß Sie nie über meine Vernachlässigung zu klagen hab«werden. Haben Sie den Unterschied der Jahre bedacht?"
„Alles," unterbrach ihn Angelika — „Alles habe ich bedacht. Wir haben genugder Thränen für die Gegenwart, warum schon die Zukunft beweinen?"
„Und nun lasten Sie mich Ihnen das letzte gestehen," fuhr Rudolph bebend fork^„frei und offen wie es dem Manne ziemt. Angelika, ich würde verzweifeln müssen,wenn Sie jetzt meine Hand zurückstoßen würden; aber mit dieser Hand, die ich Ihnenweihe, die ich Ihnen anbiete als ein Pfand treuer unverbrüchlicher Freundschaft, weiheich Ihnen nicht mehr mein Herz — denn ich liebe, Angelika, und diese Liebe wird niein meinem Busen erlöschen, da sie hoffnungslos ist. Jetzt wissen Sie Alles."
Eine tiefe Stille entstand im Gemach »ach dem Gcständniß des jungen Mannes.Man sah deutlich das heftige Wogen des Busens Angclika'S, hörte den schweren Athem»der sich der Brust Rudolph's entwand.
Dieser nahm jetzt auf'S Neue das Wort.
„Nicht wahr, Angelika," flüsterte er, „Sie weigern sich, meine Gattin zu heiß«?O Sie haben Recht, denn Ihre Seele, so edel sie sei, ist eine Frauensccle und ander»handeln, hieße sich über Ihr Geschlecht erheben wollen."
„Sie irren, Nudolph," erwiderte Angelika, „Sie haben gehandelt wie ein Man»»on Ehre und ich danke Ihnen aus dem tiefsten Grunde meines Herzens. Lassen Sir