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Kreuze den bittersten Antheil zu erhalten. Im Jahre 1848, als überall die Revolutionausbrach, mußte auch Pius !X. aus Nom entfliehen und konnte erst zwei Jahre späterwieder zurückkehren. Schon über zwei und zwanzig Jahre verwaltet nunmehr der heiligeVater in einem der schwierigsten und wichtigsten Zeitabschnitte der Weltgeschichte das heiligeObcrhirtenamt der Kirche. Es ist der zweihundert sechsundfünfzigste Nachfolger des hei-ligen Petrus . In dieser langen Reihe sind nur ganz wenige Papste, die so lange wieer das heilige und schwere Amt bekleidet haben. Wir können nicht sagen, daß die Zeit,in welche sein Hirtenamt gefallen ist, die schwerste Zeit der Kirche war; denn welcheKämpfe hat schon die Kirche Gottes seit den ersten dreihundert Jahren blutiger Verfolgungbis heute durchgemacht! Gewiß gehört aber dieser Zeitabschnitt zu den ernstesten undwichtigsten, zu jenen, in welchen eine neue Weltpcrivde beginnt.
Der heilige Vater hat in dieser langen, schweren Zeit der Kämpfe auf der einenSeite alle Bitterkeiten und allen Haß der Welt getragen. Alle Leiden der Kirche hat erin seinem väterlichen Herzen mitempfunden. Namentlich sind die Zustände, die ihn rundumin Italien seit vielen Jahren umgeben, für ihn ein Meer des Leidens geworden. Aufder anderen Seite aber hat auch der heilige Vater ein großes Maß der innigsten Liebeund Theilnahme der ganzen katholischen Welt empfangen. Wir können es schwer beur-theilen, glauben aber kaum, daß es viele Päpste gegeben, die inniger und allgemeiner
geliebt waren, wie er. Es liegt auch schon in den jetzigen Weltverhältnissen, daß alle
Katholiken in allen Theilen der Welt viel genauer bekannt sind mit dem ganzen Leben
und Wirken des heiligen Vaters, wie das früher möglich war. So haben wir Alle seinganzes apostolisches Wirken, seine übergroße väterliche Liebe und Güte, seine immer gleicheSanftmuth, seine wunderbare Standhaftigkeit, seinen weltübcrwindendcn Glauben seitlanger Zeit gewissermaßen täglich vor Augen gehabt. Zugleich konnten wir auch, so zusagen, die Hand Gottes sehen, die ihn mitten unter all' diesen Anfeindungen schützte bisauf den heutigen Tag. Das mußte die Liebe und Ehrfurcht zu ihm in der katholischen Welt wunderbar vermehren. Wie das Haupt des Moses, da er vom Berge Sinai, woGott sich ihm offenbart hatte, Herabstieg, von wunderbarem Lichtglanze umgeben war,so umgibt Pius IX. , sichtbar für Alle, die es sehen wollen, Gottes schützende Hand, dieErfüllung der Verheißung: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meineKirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen " (Matth . 16, 48.)Auch das Kennzeichen, das so recht zum Wesen des Christenthums gehört, das Kenn-zeichen des Segens im Kreuz und durch das Kreuz haftet wie eine himmlische Krone anseinem Haupte. Welche Leiden und welchen Trost vereinigt sein Oberhirtenamt! Mittenunter allen Stürmen desselben konnte er weit mehr als hundert neue Bisthümer errichtenund zugleich sieht er in einigen Ländern eine Rückkehr zur katholischen Kirche , wie sie alleErwartung übertrifft. Während die blinde Welt meinte, daß die Freiheit und die Ent-ziehung dcS staatlichen Schutzes zum Untergang der Kirche führen werde, sieht der heiligeVater am Ende seines Lebens gerade in den Ländern die Kirche sich mit einer unerhörtenKraft erheben, wo sie wahrhaft frei und ohne Schutz ist. Endlich aber hat Gott , wiewir hoffen können, den heiligen Vater auch noch auserwählt, ein allgemeines Concil ab-zuhalten, welches vielleicht die ersten Grundlagen zu einer neuen Zeit für die Kirche undfür viele Jahrhunderte legen soll. (Aus dem Mainzer Fastenbrief.)
Bei dieser Gelegenheit machen wir aufmerksam auf „Das Büchlein vom PapstePius >X . Zur Belehrung für Jung und Alt. dem Volke dargebracht beim SOjähngenPriester-Jubiläum von Wilhelm herchendach. Düsseldorf , Verlag von Ed. Repmaun." —Dieses Büchlein ist durch -ede Buchhandlung zu beziehen; es schildert in 27 Absätzen diewichtigsteu Vorkommnisse aus dem Leben des deiligell Vaters, sowie einzelne Charakrerzüge,in durchaus populärer Sprache und ist wohl geeignet, die innige Liebe, mit welcher alleSchichten der menschlichen Gesellschaft dem heiligen Vater Pius >X. zugethan sind, noch mehrzu erhöhen. Besonders Lehrer und Schulvorsteher machen wir aufmerksam, daß dieses Büch-lein nur kr. kostet.